"Das war geschickt, aber klug war es nicht"

Marieney - Entschlossenheit demonstriert hat der Mühlentaler Gemeinderat am Donnerstagabend und den vorläufigen Schlusspunkt unter einen jahrelangen Streit gesetzt. Die Volksvertreter beschlossen, die Abwasserentsorgung, die bisher bei der Gemeinde lag, dem Zweckverband Wasser/Abwasser Vogtland (ZWAV) zu übertragen. Laut Vorlage sei dies die wirtschaftlich sinnvollste Lösung.

Einigen lag offenkundig daran, bei dem Schritt die Hände in Unschuld zu waschen. Das war geschickt, "aber klug war es nicht", bemerkte ein Einwohner. Zehn Gemeinderäte stimmten für den Beschluss, Sieghart Pollack aus Marieney enthielt sich der Stimme. Bürgermeister Dieter Weller befand sich im Urlaub - wie es hieß, für zwei Tage. Mit der Julius-Mosen-Gesellschaft hatte er eine längerfristig geplante Fahrt nach Südtirol angetreten.    Geleitet wurde die Sitzung vom Tirschendorfer Volksvertreter Karli Staer, dem Stellvertreter Wellers, dem die neue Schönecker Bürgermeisterin Isa Suplie beisaß. Gleich zu Beginn - eine Bürgerfragestunde war diesmal nicht vorgesehen - stellte Pollack den Antrag, den Tagesordnungspunkt auf September zu verschieben, auf die Zeit also nach der Gemeinderatswahl am 7. Juni, "denn der neue Gemeinderat muss damit leben". Doch außer ihm selbst war keiner der Räte dafür. "Traurig", schallte es aus dem rund 15-köpfigen Publikum.

Gemeinderat Thomas Baumgärtel hatte mit dem Bürgermeister "die Ortsteile bereist und die Meinungen erfasst zu dem Problem". Die fielen geteilt aus bei unterschiedlichen Beweggründen bis zur Nicht-Betroffenheit von Bürgern, berichtete er. Knapp überwogen hatte anscheinend die Zustimmung zum ZWAV-Beitritt - mit dem Zusatz "knallharte Bedingungen auszuhandeln, um nicht zu kurz zu kommen". Es allen 1600 Gemeindebürgern recht zu machen, sei nicht möglich, resümierte er. "Für alle das Beste" sieht Baumgärtel im Beitritt zum ZWAV.

Für die Abstimmung am Donnerstag habe sich der Gemeinderat mehrheitlich entschieden, Bürgermeister Weller sei für Vertagung gewesen, wandte sich Gemeinderätin Regina Martin an die Öffentlichkeit, "damit es nicht heißt, der Bürgermeister will es durchpeitschen". Jetzt ließen sich einzelne Gäste im Publikum nicht mehr bremsen. Wolfgang Hiller kritisierte die Abwesenheit von Dieter Weller. Bei einem so wichtigen Beschluss könne der Bürgermeister die Leitung nicht seinem Stellvertreter überlassen. Ausgerechnet in Marieney, wo die meisten Diskussionen auftraten, habe es keine Einwohnerversammlung zum Abwasser gegeben. "Das Thema hat mich überrollt, es war keine Zeit mehr, um eine Versammlung einzuberufen", entschuldigte sich Sieghart Pollack. "Schweinerei", fand Arnold Gläsel, "die Konsequenzen kriegt ihr in einem Vierteljahr". Hiller hakte nach: "Es ist ein echtes Durchpeitschen." Hier brach Staer die ungeplante Bürgerdiskussion endgültig ab.

Mit dem Beitritt zum ZWAV gehen auch die öffentlichen Einrichtungen der beiden Kläranlagen in Zaulsdorf und Tirschendorf sowie die "Bürgermeisterkanäle" an den Verband über. Die marode Kläranlage in Tirschendorf, deren Einleiter auch relativ hohe Entsorgungsgebühren zahlen müssen, hatte sich bei vorangegangenen Sitzungen als größtes Kostenrisiko herausgestellt. Kommunale Untersuchungen haben ergeben, dass die Abwasserentsorgung im Gemeindegebiet von Mühlental auch künftig dezentral erfolgt, erklärte Staer.   Damit ist das Ergebnis des Bürgerentscheids vom 22. Januar 2006, die Entsorgungsaufgaben kommunal eigenständig wahrzunehmen, aufgehoben. Die Gemeinde sehe bei eigener Betreibung erhebliche Mehrkosten sowohl für die Gemeinde als auch die Bürger, fasste Staer die monatelange Diskussion zusammen. Der ZWAV verfüge über Fachpersonal und könne die Anlagen wesentlich kostengünstiger betreiben.

 

Das sehen nicht alle so - Arndt Doll, Sprecher der "Mühlentalfreunde", strebt ein erneutes Bürgerbegehren an. Dessen Ziel: kein Beitritt zum ZWAV. Mehr dazu am Montag.  R. W