Das Sonnenkreuz flattert

Das Wochenende stand an der Talsperre Pöhl im Zeichen des Sonnenkreuzes: Die Fahne von "Kirche unterwegs" kündete von einem Jubiläum.

Von Gabi Kertscher

Pöhl/Jocketa - Ulrike Schmidt und ihre Mannschaft hatten zum 50-jährigen Jubiläum auf den Campingplatz Gunzenberg eingeladen. Unter den Ehrengästen war Diakon i.R. Gerhard Roßbach. "Er ist unser aller Vater", bemerkte einer der Praktikanten aus vergangenen Jahren. Zum Jubiläumswochenende waren 16 von 20 gekommen.
Gerhard Roßbach erinnerte sich an die ersten Jahre. 1969 weilte Johannes Winkler in Pöhl und stellte fest, dass hier viele junge Leute campen. "Er ist der Urvater unserer Aktion." Bereits ein Jahr später begann die "Zeltplatzmission".
Nach jedem der drei offenen Abende, die in der Kirche Jocketa stattfanden, trafen sich die jungen Leute am Lagerfeuer am Zeltplatz "Schneise" (heute Schiffsanleger). Die jungen Camper waren zum Frühstück eingeladen. Man lernte sich kennen, achtete sein Gegenüber und es wurde diskutiert. "Wir haben keine politischen Themen zugelassen, auch wenn es vom Rat des Kreises immer wieder hieß, wir würden die jungen Leute politisch einseitig informieren."
Es sei immer wieder eine Gratwanderung gewesen, in der Kirche kam es zu Unruhe im Gottesdienst, die aber sofort zu ruhigen und trotzdem heißen Diskussionen wurde. "Dank der guten Organisation der ersten Verantwortlichen konnten die Treffen weiter durchgeführt werden."
Die Lagerfeuer vereinten junge Leute aller Konfessionen und politische Richtungen. Von der ersten Woche "Zeltplatzmission" oder wie es später hieß, "Urlauberdienst" an bis 1977 war Diakon Hellfried Kämpfe der organisatorische Leiter. 1978 löste ihn Gerhard Roßbach ab. Der Diakon von damals ist heute in Rente, aber immer noch mit dem Herzen dabei. "Wir hatten Glück. Der Superintendent Thomas Küttler stand hinter uns und hat uns, wo es ging, unterstützt", erinnerte sich Gerhard Roßbach.
Der Sommer 1989 sei an der Talsperre Pöhl völlig ruhig verlaufen. "Es war wie immer. Danach war alles anders." Aus dem "Urlauberdienst" wurde "Kirche unterwegs", eine deutschlandweite Aktion der evangelischen Kirche. Jetzt waren die Zelte mit dem großen gelben Sonnenkreuz drei Wochen auf dem Campingplatz am Gunzenberg und zwei Wochen an der Talsperre Pirk aufgebaut.
Offene Abend, Fußball- und Volleyballturniere, Spielenachmittage für Kinder und viele andere Aktionen zogen immer mehr Leute an. Der abendliche Besuch des Sandmanns wurde zum Höhepunkt für Familien. So ist es noch heute.
Allerdings findet "Kirche unterwegs" jetzt nur noch zwei Wochen an der Pöhl statt. Die Leitung hat 2013 Ulrike Schmidt übernommen.
Gerhard Roßbach erinnert sich weiter: "Es gab viele Aktionen von Kirche unterwegs", erinnert sich der 74-jährige und nennt das Ferienlager für jährlich 35 Tschernobyl-Kinder in neun Jahren oder die missionarische Mission in Mecklenburg-Vorpommern. Viele Jahre haben die Mitarbeiter von Kirche unterwegs die Herberge der Jugend auf der Schlosshalbinsel verwaltet. "Das waren 80 Betten und keine einfache Aufgabe."
Zum Jubiläum waren viele "Ehemalige" angereist. Für die Praktikanten, eine reine Männertruppe, war es ein Wiedersehen nach Jahren. 16 von 20 waren angereist und der Aufbau der Zelte gestaltete sich als ein "7-Generationen-Projekt", wie es Ulrike Schmidt nannte.
Der Samstagnachmittag gehörte den Kindern. Clown Lu-Lu-Lustig unterhielt mit Spaß und Zauberei. An einem der wenigen Schattenplätze bestand die Möglichkeit Seifenblasen fliegenzulassen. "Wir hatten 80 kleine Sandmanngäste."
Ulrike Schmidt achtete auf die Hygienevorschriften. Jeder Besucher musste sich in eine Liste eintragen und die Höchstzahl der Gäste durfte nicht überschritten werden.
Die heutigen Wochen von Kirche unterwegs werden überwiegend von Campern besucht. Nur etwa zehn Prozent kommen wegen des Gottesdienstes und wollen beten. Kirche unterwegs wird zu 100 Prozent von der Landeskirche Sachsen finanziert. "Wir bekommen auch einige kleine Spenden. Vor allem Sachspenden für den Sandmann", lässt Ulrike Schmidt wissen.
Sie und Gerhard Roßbach waren den ganzen Samstag die Hauptpersonen auf dem "KU-Platz". "Wir sind dem Zweckverband Talsperre Pöhl dankbar, dass sie uns so unterstützen. Wir haben den Platz und einige Parkplätze zur Verfügung gestellt bekommen."
Und das war an diesem Wochenende wirklich eine logistische Höchstleistung. Bereits am Vormittag standen die wartenden Wohnmobile und Camper bis nach Möschwitz und wollten auf den Campingplatz Gunzenberg. Hier, wie überall rund um die Talsperre Pöhl, waren kaum noch freie Plätze zu bekommen.
Gerhard Roßbach verabschiedete sich mit den Worten: "Ich bin dankbar, dass ich alte Bekannte wiedersehen konnte. Macht weiter so!"