"Das passte wie in eine Pralinenschachtel"

Während manche glauben sie bieten ein optimales Betriebsklima, kann das Team der Isotech Gebäudetechnik Plauen das nicht nur mit Fug und Recht behaupten, sondern auch beweisen. Unter anderem mit einem Patent und einem renommierten Preis.

Von Torsten Piontkowski

Plauen - "Alles passte wie in eine Pralinenschachtel", fasst Firmenchef Klaus Büttner den Auftritt seines Unternehmens auf der Münchner Handwerksmesse im März dieses Jahres zusammen. Die Geschichte in Kurzform: Man habe sich für einen vom deutschen Handwerk gesponserten Stand beworben - aus eigener Kraft sind die im zweistelligen Tausenderbereich liegenden Mieten kaum zu stemmen - ein Gremium siebte die besten zwölf aus. Oder um es mit den Worten des Chefs zu sagen: "Wir mussten schon durch paar Filter durch." Die besondere Herausforderung im Falle von Isotech Gebäudetechnik: Die Anlage für die Messe musste erst noch gebaut werden, weil alle anderen verkauft waren. Im Laufe der Woche war das Ergebnis bereits "durchgesickert": Das Plauener Unternehmen wird mit dem "Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk" ausgezeichnet. Der "große Bahnhof" fand dann am Sonntag statt, Wirtschaftsminister Peter Altmeier kam persönlich vorbei. Mittlerweile nimmt die Medaille einen durch und durch unauffälligen Platz in einem Regal im Chefzimmer ein. "Innovation gewinnt" lautete das Motto des Gemeinschaftsstandes, es könnte freilich auch als Firmenslogan von Isotech dienen. Zwar bezeichnet Büttner sein Unternehmen als Handwerksbetrieb, in dem alles von der Pike auf hergestellt werde, aber da muss er sich wohl Understatement vorwerfen lassen. Denn immerhin erhielt er bereits 2013 ein Patent auf eine Dampfnutzungsanlage - dem Steam X. Andere würden sich als Erfinder bezeichnen, Büttner erzählt, dass ihm die Idee in einer Wäscherei am Bodensee kam. "Die Lösung ist durch ein Problem entstanden." Und als Problem darf auch bezeichnet werden, wie man einem Laien die hochkomplexen Anlagen von Isotech verständlich beschreibt. Vielleicht ganz simpel: In zahlreichen Branchen entsteht bei der Produktion überschüssige Energie, die als Nachdampf in die Umwelt entfleucht. Heiße Luft eben. Und jetzt kommt Isotech ins Spiel. Die Firma macht den überschüssigen Dampf wieder nutzbar, führt ihn dem Energiekreislauf erneut zu. Aus einem offenen wird ein geschlossenes System. Das heißt: Mit dem vermeintlich "nutzlosen" Dampf lässt sich beispielsweise Speisewasser erwärmen oder viele andere Dinge. Bis zu zehn Prozent Energie lassen sich auf diese Weise sparen. Also bares Geld. Das haben längst auch die Platzhirsche der deutschen Wirtschaft erkannt, die in der Kundenliste von Isotech stehen: Daimler Benz zur Herstellung von Akkus für E-Mobile, die Konkurrenz von VW, die Edelmarke Rolls Royce für einen Betrieb in Berlin oder auch Discounter für ihre Logistik. Was nicht heißt, dass der Prophet im eigenen Lande nichts gelten würde. Zu manchen Kunden in Plauen pflegt Büttner eine jahrzehntelange Kundenbeziehung. Was man wiederum wörtlich nehmen darf, denn wenn die 25-jährige Partnerschaft ansteht, kommt der Chef schon mal selbst mit einem Blumenstrauß vorbei.
Doch zurück zu Steam X, dem möglicherweise interessantesten, nicht aber mal größten Standbein des Unternehmens. Denn Isotech "kann" nicht nur Wärme, sondern gleichermaßen Kälte. Denn nicht alle können mit Restwärme was anfangen, wohl aber mit beispielsweise kühleren Temperaturen. Steffi Büttner, Ehefrau des Erfinders, der sich selbst nie so nennen würde, spricht von den Arbeitsbedingungen in einer Wäscherei. Kein Wunder, dass es hier mit dem Berufsnachwuchs besonsders hapert. Mit den durch Steam X auf erträgliche 26 Grad heruntergekühlten Temperaturen wird nicht nur die Arbeit angenehmer, der Job wird interessanter und das Unternehmen spart auch noch Geld. Die auf die Kunden zugeschnittenen Lösungen unterscheiden sich im Wesentlichen auf "groß" und "klein". Die kleinere Anlage besitzt sogar einen firmeninternen Spitznamen: "Brühwürfel".
Natürlich verdient Isotech damit Geld, doch auch der Kunde kann nicht klagen. 40 Prozent nicht der Produkte von Isotech, sondern der gesamten Anlage sind förderfähig, und wenn der Energieverbrauch großer Unternehmen bei bisher 500 000 Euro lag, verringert er sich durch den Einsatz von Steam X auf 420 000 Euro. Mal eben 80 000 gespart. "Die Triebfeder ist der Schmerz des Geldes", lächelt der Chef der nebenbei anmerkt, dass gegen seine Berechnungen noch kein Kunde weltweit Widerspruch angemeldet habe. Was freilich auch an seinen Mitarbeitern läge - insgesamt 40 Leute. Oder um Büttner noch mal zu zitieren: "Die müssen echt was auf der Kirsche haben."