Das Leben des Bauerngenerals

Auerbach - In Auerbachs Kulturkirchlein Göltzschtalgalerie hat etwas vorzeitig der Herbst Einzug gehalten. Die traditionelle und erfolgreich präsentierte Sommercartoon-Ausstellung wurde in der vergangenen Woche abgebaut. Seit Freitag sind farblich gut zur kommenden Jahreszeit passende Collagen der Thüringer Künstlerin Sigrid Schubert-Pesl zu sehen.

 

Die Tochter des auch in hiesigen Breiten bekannten Malers und Grafikers Kurt Pesl widmet sich in ihren Werken dem Leben des Bauerngenerals Georg Kresse (1618 bis 1648). Sigrid Schubert-Pesl ist Mitglied des Künstlerstammtisches Weida, einer gut funktionierenden Gemeinschaft von kreativen Leuten. "Ich male und zeichne seit meiner Kindheit.

 

Durch meinen Vater bekam ich auch die notwendigen Sichtweisen gelehrt", betont die gelernte Krankenschwester. Durch ihre beruflichen Verpflichtungen kam sie aber nur selten zur künstlerischen Betätigung, erst eine unfreiwillige Job-Ruhephase gab ihr dazu die Möglichkeit. "Neben meinen grafischen Arbeiten mit Stift und Pinsel begann ich zu fotografieren. Meine Motive sind dabei vor allem alte Gebäude meiner Heimat", so Schubert-Pesl, die schnell die Möglichkeit erkannte, mit ihren Bildern auch Geschichten und Geschichte zu erzählen.

 

Da ihr jede moderne Computertechnik suspekt erscheint, stellt Schubert-Pesl ihre Fotografien ganz klassisch her. Eine analoge, also mit einem Film geladene Spiegelreflexkamera genügt ihr. Mit Hilfe von Pinsel und Stift verleiht sie den Fotos dann eine nostalgische Note. Als Krönung montiert die Hobbykünstlerin dann in die realen Motive gezeichnet oder gemalte Elemente.

 

Die Collagen in dieser Kombination wirken oft widersprüchlich, sind für phantasievolle Betrachter aber interessant und lehrreich. Die Möglichkeiten der Fotografie scheinen in den Arbeiten von Schubert-Pesl in eine längst vergangene Zeit transferiert. In ihrer thematischen Ausstellung widmet sich Sigrid Schubert-Pesl dem Leben des Bauerngenerals Georg Kresse. Das Spektrum der historischen Persönlichkeit ist weit gefasst und zeigt seine Entwicklung vom jungen Mann zum bewussten Kämpfer für Gerechtigkeit. Die Künstlerin zeichnet seine Lebensstationen in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Historische Gebäude wurden fotografiert und so verfremdet, dass in Verbindung mit der Collagentechnik ein optisch fast echt erscheinendes Zeitdokument entstanden ist.

Die aktuelle Präsentation in der Göltzschtalgalerie ist sehr umfangreich geworden. Auf zwei Emporen und im Foyer kann der Betrachter in eine surrealistische Welt eintauchen. Wer an Geschichte interessiert ist und historische Fakten liebt, findet in der Ausstellung viel Lehrreiches. Schade nur, dass der Besucher von der Fülle der Werke fast erschlagen wird. Etwas weniger Bildmaterial wäre besser gewesen.  H.H.