Das Kino ins Auto holen?

Nicht nur Händler, Gastronomie und viele andere Bereiche sind von der Krise betroffen, auch Kinobetreibern macht die aktuelle Situation zu schaffen. Zu ihnen gehört auch Stefan Schmalfuß, der das Capitol in Plauen sowie das Central Kino in Hof betreibt. Ob seine Ideen greifen, hängt von einer Vielzahl von Problemen ab.

Von Stephanie Rössel

Plauen Zu den Dingen, die sicher viele vermissen gehört wohl auch, abendseinfach mal spontan ins Kino zu gehen und sich mit Popcorn und Cola den neuesten Streifen anzuschauen. Der Betreiber des Capitols, Stefan Schmalfuß, arbeitet mit seinem Team derzeit an einer Lösung, um auch den Vogtländern etwas bieten zu können.
Dresden und Chemnitz setzen auf ein Autokino. Auch Schmalfuß denkt über die Idee nach und telefoniert seit einer Woche, was das Zeug hält. "Wir sind dran, aber es gibt sehr viele Dinge zu klären und zu beachten", gibt der Kino-Chef zu bedenken.
Im optimalen Fall soll es für Hof und Plauen eine Lösung geben. Doch die Planungen und Überlegungen beginnen bei simplen Dingen wie dem geeigneten Platz und reichen bis zur technisch möglichen Umsetzung dem Wetter entsprechend.
"Aufgrund der immer wärmer werdenden Sommer, hatten wir bereits vor Corona den Gedanken eines Open-Air-Kinos. Das ist nun aber in der Form auch nicht möglich, deshalb greifen wir nun intensiv die Idee für ein Autokino auf." Allerdings werde eine mögliche Umsetzung auch Zeit in Anspruch nehmen, dämpft Schmalfuß zu hohe Erwartungen. Zunächst müsse ein Platz gefunden werden, der genügend Fläche für Fahrzeuge bietet. Dazu möchte der Kinobetreiber nun auch Kontakt mit Verantwortlichen der Stadt Plauen oder dem Zuständigen für den Bereich des ehemaligen Autokinos an der Pöhl aufnehmen.
Mögliche Lösungen
sehr teuer

Ein weiteres Problem: die Technik, die einerseits sehr teuer sei und zum anderen eine optimale Lösung ermöglichen müsse. Das Angebot reicht von einer überdimensionalen Leinwand, über einen aufblasbaren Air-Screen bis hin zur LED-Wand, für die kein extra Projektor notwendig wäre. Eine Rolle spielt dabei auch, ob man aktuelle Filme zeigen möchte, die eine besondere kinozertifizierte Projektionstechnik erfordern oder man Filme beispielsweise über DVD zeigt. Auch Letztere müssen genehmigt werden und sind mit Kosten für die Verleiher verbunden. Schmalfuß beschäftigen zudem weitere Details wie die Höhe einer Wand für gute Sicht, die Beständigkeit bei starkem Wind oder die Außentemperaturen. Denn dass die Motoren der Fahrzeuge laufen, wenn es zu kühl ist, sei auch nicht möglich.
Dazu kommen die Vorstellungszeiten, denn gute Sicht herrscht außer bei LED nur, wenn es dunkel genug ist. Allein die Anschaffung der Technik sei mit sehr hohen Kosten verbunden. Der Ton wiederum werde über das Autoradio übertragen, was bei der Bundesnetzagentur beantragt werden muss - samt genau definierter Funklizenzen mit räumlicher und zeitlicher Begrenzung. Dazu kommen Versicherungen, Zufahrtsgenehmigungen, Toiletten und wohl auch Sicherheitspersonal.
Ausfall beträgt
derzeit 100 Prozent

"Unser Ausfall beträgt derzeit 100 Prozent. Wir haben momentan keinerlei Einnahmen, von ein paar wenigen Gutscheinen die online gekauft werden, mal abgesehen. Sicher haben wir an vielen Stellen reduziert. Kein Wareneinsatz, keine Filmmiete, die Energiekosten gedrosselt und natürlich leider auch das Personal auf Kurzarbeit setzen müssen. Trotzdem haben wir Fixkosten wie die laufenden Serviceverträge, die monatlich auch an den fünfstelligen Bereich kommen", gibt er zu bedenken.
Für dieses Jahr waren große Umbauarbeiten und Modernisierungen geplant. Die Ersparnisse dafür werden gerade für den grundsätzlichen Erhalt verwendet. Das werfe die Planung gut ein bis zwei Jahre zurück.
Eigentlich würde der
neue Bond gespielt

Das derzeitige Filmhighlight wäre der neue James Bond gewesen. Als dieser verschoben wurde, sei dem Team klar geworden, dass das erst der Anfang sei. Nach und nach wurden dann immer mehr Filme verlegt.
Kurz bevor das Capitol ganz schließen musste, habe man bereits ein paar Sicherheitsvorkehrungen getroffen. "Wir haben die freie Platzwahl aufgehoben und das in die Hände der Mitarbeiter gelegt. Nur, selbst bei Einhaltung von Abständen, dürften wir ja gar nicht öffnen", macht Schmalfuß nochmals deutlich. Enttäuscht sei er als Geschäftsinhaber vom Freistaat Sachsen aber schon, fügt er an.
Aus den Sofortkrediten sei er beispielsweise heraus gefallen wegen zu guter Umsätze in der regulären Spielzeit. Bayern habe da bessere Zeichen der Unterstützung gesetzt, weiß er am eigenen Beispiel, da Schmalfuß auch das Central-Kino in Hof betreibt.
Wichtig ist Schmalfuß aber, dass die Filmfreunde wissen, dass er mit seinem Team intensiv an Möglichkeiten arbeitet, dass vielleicht doch der eine oder andere Film gezeigt werden kann - mit viel Glück ja in einem Autokino.