"Das ist eine absolute Katastrophe"

Fragt man bei Plauener Händlern nach ihrer Meinung zur Schließung ihrer Geschäfte ab Montag, schütteln die meisten nur noch mit dem Kopf - und sind fassungslos.

 "Die Landesregierung kriegt sicher dieses Jahr den ‚Goldenen Preis‘ der online-Handelsbranche sagt ein Damenbekleidungshändler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Sein Frust sitze tief. Die Chefin der "Taschenwelt" im Plauen-Park, Sabrina Dejmek, ist ähnlicher Auffassung: "Das ist die absolute Katastrophe für uns, das Hauptgeschäft des Jahres geht uns so verloren. Es ist das Schlimmste was passieren kann, zehn Tage vor Weihnachten die Läden zu zusperren. Die Leute fahren vermutlich ab Montag nach Thüringen und Bayern zum Shopping", so die junge Frau.


Die Geschäftsfrau will nun einen Abhol- und Lieferservice ohne Aufpreis anbieten, um vor Weihnachten doch noch ein paar Produkte verkaufen zu können. "Wer Interesse an einem Produkt hat, kann sich über unsere Social Media-Accounts melden und erhält dann ein paar passende Fotoangebote. Was gefällt, wird ausgeliefert oder eine Abholung wird vereinbart", schaut Sabrina Dejmek voraus.


Nadine Winter, Bezirksleiterin bei "Mayer's Markenschuhe", einem Schuh-Filialisten mit Hauptsitz in Treuen, geht davon aus, dass ab Montag alle der rund 70 Mitarbeiter in Sachsen in Kurzarbeit gehen, wenn sie ihren Resturlaub genommen haben. "Irgendwie ist es zwiespältig, die meisten Mitarbeiter sind die letzten Jahre zu Weihnachten nie zu Hause gewesen. Aber natürlich fehlt uns das Geschäft. Die Umsätze waren zuletzt leider relativ überschaubar, weil sich in unseren Filialen der Gastro-Lockdown deutlich bemerkbar gemacht hat", so die Mitarbeiterin des Familienunternehmens.


So richtig fröhlich mag auch Fritz Mandel nicht sein, wenngleich er sein Geschäft wohl weiter offen halten kann, weil er als Lebensmittelhändler gilt. "Generell ist das eine Katastrophe für die Innenstadt. Es sind halt alles nur Spekulation, ob das wirklich dazu führt, dass die Infektionszahlen runter gehen", sagt Mandel, der sich auch nicht im Klaren ist, ob die von vielen herbeigesehnte Impfung die Situation verbessert.


Im "Modehaus Wöhrl" hatte Geschäftsleiter Norbert Bäumler ebenfalls nicht mit einer so schnellen, schwierigen Entscheidung der Politik gerechnet. "Es kommt halt eher, als bei der Ministerpräsidentenrunde eigentlich besprochen. Für uns ist das jetzt der absolut schlechteste Zeitpunkt - das Weihnachtsgeschäft geht uns völlig verloren", so Bäumler. Freitag und Samstag werde es noch einmal eine Sonderaktion mit Rabatt auf reduzierte Waren geben und dann werde zugesperrt bis zum 10. Januar. "Wir planen den Neustart jetzt zum 11. Januar, sollte es noch länger werden, wird es natürlich für unser Unternehmen auch irgendwann zum Problem", sagt der Geschäftsleiter, der dann schwierige Entscheidungen im Familienunternehmen aus Franken befürchtet. Seine Hoffnung sei nun, im Januar und Februar einen guten Winterschlussverkauf zu haben, um einen Abverkauf der Winterware zu gewährleisten. Die festen 35 Mitarbeiter des Hauses gingen nun ab Montag in 100 Prozent Kurzarbeit, eine Aufstockung der Löhne könne man leider nicht leisten. Lediglich zwei Minijobber fallen nicht unter diese Regelung - und die beiden Azubis, die zudem auch in Schließzeiten beschäftigt werden müssen. Sie würden im Laden die Vorbereitungen für die Reduzierungen im Januar treffen, Sortimentspflege betreiben und die Warenannahme absichern. Oberste Prämisse sei es, jetzt die Arbeitsplätze zu erhalten.


Die letzten Wochen und Monate seien umsatztechnisch schwer gewesen, berichtet Bäumler. Man habe einfach aufgrund der Corona-Maßnahmen rund vierzig Prozent weniger Frequenz als vor einem Jahr gehabt - insbesondere wegen der Gastronomie-Schließung, des Wegfalls der verkaufsoffenen Sonntage und des Weihnachtsmarktes. Vor allem in den Abendstunden sei es katastrophal gewesen. ecki