Das Instrument der Könige

Die Trompete ist etwas Besonderes - seit biblischen Zeiten. Hinter dem 20. Türchen unseres Adventskalenders verbirgt sich eine Schneeflocke mit diesem Instrument. Die Figur der Drechslerei Kuhnert Rothenkirchen kann man gewinnen . . .

Reichenbach - "Die Posaunen von Jericho waren eigentlich Trompeten", sagt Ekkehart Krien, seit 25 Jahren Lehrer an der Musikschule Vogtland in Reichenbach. "Das goldene Instrument durfte später nur am Hofe gespielt werden: Die Turmpfeifer waren per Trompetenstoß zuständig für Zeitansage und Warnung vor Feind und Gefahr. Und sie spielten bei Festen."
Krien zufolge konnten nicht viele mit dem königlichen Instrument umgehen. "Es war Herrschaftswissen und wurde nur an Ausgewählte weitergegeben."
Das hat sich geändert: Krien unterrichtet pro Jahr bis zu drei Dutzend Musikschüler - in Flöte, Trompete, Posaune und Waldhorn. "Bei den Kleinen muss ich viel vormachen, bei den Großen erkläre ich das Zusammenspiel von Zähnen und Lippen, von Luft und Fingern." Das Ziel sei druckschwaches Blasen: Roter Kopf und heraustretende Halsschlagader seien verschenkte Energie.
Ekkehart Krien und seine drei Geschwister sind in Dresden aufgewachsen - in einer musikalischen Familie: Der Vater Bauingenieur, die Mutter Katechetin pflegten Hausmusik. "Das gemeinsame Musizieren ist ein Mannschaftsspiel: Man lernt Sozialkompetenz, die für das ganze Leben wichtig ist", sagt der 54-Jährige. Er selbst habe in Betragen eine 4 gehabt - und gelernt, sich beim Musizieren zusammenzureißen. "In der Gruppe unterstützen die Großen die Kleinen - das hilft beiden und nützt am Ende sogar unserer Ellenbogen-Gesellschaft."
Nach der zehnten Klasse ("Ich durfte kein Abitur machen trotz 1,0-Durchschnitts") hat Krien BMSR-Techniker gelernt, was heute einem Mechatroniker entspricht, und drei Jahre drei Schichten im Reifenwerk gearbeitet. "Eigentlich wollte ich Informatik oder Medizintechnik in der DDR studieren, aber mir wurde verweigert, das Abitur nachzuholen. Warum? Vielleicht weil ich keine Jugendweihe gemacht und den Dienst an der Waffe in der Volksarmee verweigert hatte."
Dort, bei den Bausoldaten in Prora an der Ostsee, lernt er Konzertmeister Stephan Freund kennen: Der lockt ihn nach Reichenbach. "1987 bis 92 war ich Posaunist im Vogtlandorchester. - bis zur Bildung der Vogtland Philharmonie: Das Ausscheiden wurde mit Angeboten erleichtert: Ich wurde Musikschullehrer."
Das Studium an der Musikhochschule (in der DDR ohne Abitur möglich) hatte Krien bereits 1989 begonnen - und er erinnert sich, wie er den Tag des Mauerfalls im Auto auf der Autobahn zwischen Weimar und dem Vogtland erlebt hat. "Ich habe die Konsequenzen der Pressekonferenz mit Schabowski erst verstanden, als ich die tanzenden Menschen auf der Berliner Mauer gesehen habe."
Heute gehört Krien zu der Handvoll fest angestellter Musikschullehrer im Vogtland, der von der Musik als schönstem Hobby der Welt spricht. "Wenn man damit Geld verdienen muss, sieht es manchmal anders aus." Der Wahlvogtländer ist verheiratet und hat vier Kinder. "Meine Frau spielt sehr gut Geige und natürlich pflegen wir Hausmusik, bei der auch unsere behinderte Tochter mitmacht." Kriens erwachsene Zwillingsmädchen haben die Sächsische Landesmusikschule absolviert und schlagen den Weg zur (Musik)Pädagogik ein, Sohn Leonhart ist gerade Bundespreisträger geworden - mit der Trompete.
Musikschullehrer Krien leitet drei Musikschul-Ensembles und ist Chef des Musikvereins Mylau-Reichenbach. Im Advent überschlagen sich die Termine: Am vergangenen Samstag gab es gleich drei innerhalb von vier Stunden - in Neumark, in Netzschkau und wieder in Neumark. Am Sonntag, 4. Advent, gibt es nochmals Gelegenheit, Krien zu erleben: Der Auftritt seines Blasorchesters Blechreiz beginnt 17 Uhr auf dem Reichenbacher Weihnachtsmarkt. ufa