Das Gesicht der Glocken

Peter Luban hat viel Erfahrung, Kirchengeläut zu verzieren. Doch der neue Auftrag des vogtländischen Künstlers erinnert stark an einen Feuerwehreinsatz.

Rosenbach/Rößnitz - Peter Luban soll drei Glocken für die Kirche in Niederwiera (zwischen Zwickau und Altenburg) gestalten - in kürzester Zeit. "Vor Weihnachten habe ich den Auftrag erhalten - am 5. April werden die Glocken in Innsbruck gegossen." Normalerweise betrage der Zeitrahmen für solche Aufträge viele Monate, wenn nicht Jahre.
Die Eile hängt mit einer Panne zusammen: "Die eigentlich geplante Gießerei hat den Auftrag kurzfristig absagen müssen - somit musste die Kirchgemeinde schnell handeln."
Luban, ein Metall- und Emaille-Gestalter aus dem Rosenbacher Ortsteil Rößnitz gestaltet die Topfdeckel großen Reliefs der Glocken: Für die ein Meter hohe Gottesdienst-Glocke verwendet er als Motiv "Alpha und Omega" - erster und letzter Buchstabe des griechischen Alphabets symbolisieren Anfang und Ende des Lebens.
Auf der Vorderseite das Relief, auf der Rückseite ein Bibelvers: "Die Gestaltung soll immer einen Zeitbezug haben und Zeugnis von unserer Gegenwart ablegen, damit sich spätere Generationen  ein Bild machen können, was wir gedacht haben", sagt der Künstler, der mit dem Auftrag Glocke Nummer 32, 33 und 34 gestaltet.
Bei einer der Glocken für die Plauener Johanniskirche, die er 2013 realisiert hat, spielten Panzerketten, Feuer und das Motiv "Schwerter zu Pflugscharen" eine tragende Rolle. "Ich wollte auf die Geschichte Plauens im Zweiten Weltkrieg hinweisen - einer Stadt, in der Panzer gebaut wurden und die im Feuer der Bombennächte verbrannt ist. Das erinnert mich an das Sprichwort: Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Deshalb ist es so wichtig, Kriegsgerät in Werkzeug umzuwandeln, das dem Menschen dient", sagt der 66-Jährige, der viele Brunnen und Denkmäler der Region entworfen hat und der Schöpfer des Plauener Wende-Denkmals ist.
Streng genommen sind viele der heutigen Glocken-Erneuerungen späte Kriegsfolgen: Luban zufolge haben der Deutsche Kaiser und später Hitler Tausende Bronzeglocken für Kriegszwecke einschmelzen lassen. "Die Ersatzglocken aus Eisen halten nur 80 bis 100 Jahre und müssen ersetzt werden. Hinzu kommt, dass diese Glocken oft an Stahlkonstruktionen aufgehängt wurden. Im Gegensatz zu den handwerklich aufwendigeren Glockenstühlen aus Eichenholz, geben sie alle Schwingungen an das Mauerwerk des Kirchturms weiter. Die Folge sind Risse - und Baufälligkeit, was eine Sanierung viel, viel teurer macht als der reine Glockenguss."
Die drei Glocken für Niederwiera - es gibt jene, die zum Gottesdienst ruft, eine Todes-, Sterbe- und Gebetsglocke und eine Trauungs- und Taufglocke sollen in den spitzen Kirchturm, der nach historischem Vorbild in neogotischer Form wieder aufgebaut wird. "Die Glocken müssen fertig sein, wenn der neue Turm noch im Bau ist: Bei offenem Dach kann das Geläut eingebaut werden." ufa