"Das geilste Spiel der Saison"

Der Favorit wankte, aber er fiel nicht. Die Wasserballer des SVV Plauen unterlagen im ersten Viertelfinale dem vermeintlich übermächtigen ASC Duisburg erst im Fünf-Meter-Schießen. Trotz der Niederlage gab es nach Spielende viele Glückwünsche für die gezeigte Leistung

Von Mario Wild

Manchmal kann ein Verlierer auch ein Gewinner sein - so geschehen am Mittwochabend kurz vor 21 Uhr im Plauener Stadtbad. SVV-Trainer Jörg Neubauer bekam nach der Partie viele Schulterklopfer verpasst - keine Aufmunterung, sondern Glückwünsche. Und das, obwohl sein Team Minuten zuvor im Fünf-Meter-Schießen - gegen den haushohen Favoriten aus Duisburg - mit 11:12 den Kürzeren gezogen hatte. Damit hat die Mannschaft aus dem Ruhrpott den ersten von drei nötigen Siegen für den Einzug ins Halbfinale eingefahren.
"Das war das geilste Spiel der Saison", so Hallensprecher Maik Uebel. 9:9 stand es nach dem Ablauf der regulären Spielzeit. Die Gäste lagen zwar meistens vorn. Der SVV kämpfte sich aber immer wieder zurück. Riesenjubel unter den etwa 400 Zuschauern, als Peter Karteszi rund zwei Minuten vor dem Abpfiff den Ausgleich erzielte. Geht da vielleicht sogar mehr? Die Chance war da. Der SVV war 50 Sekunden vor Schluss in Ballbesitz - der Wurf von Tamas Korpasci landete jedoch in den Händen des Duisburger Keepers. Bitter: Drei Sekunden vor Schluss kassierte Alpar Soltesz seine dritte Zeitstrafe, damit war die Partie für ihn beendet. Das Fünf-Meter-Schießen fand ohne den dafür vorgesehenen Schützen statt. In diesem trafen für den SVV nur Kapitän Alexander Fritzsch und Youngster Laurence Bolman. Der Nachwuchs-Akteur verwandelte traumhaft sicher. Für Trainer Neubauer keine Überraschung. "Er ist ein Eiskalter. Er denkt nicht nach und hat's einfach drauf", so Neubauer. Weniger Wurfglück hatten Korpasci, Nagy und Karteszi, die an Pfosten oder Schlussmann scheiterten. 
Trotz der ersten kleinen Enttäuschung: Schnell überwog die Freude und der Stolz über die gezeigte Leistung. "Niemand hat geglaubt, dass wir überhaupt ins Fünf-Meter-Schießen kommen", so Neubauer. "Das war die richtige Reaktion nach der jüngsten Niederlage gegen Esslingen." Nach der habe es den einen oder anderen Selbstzweifel aufgrund der mangelhaften Chancenverwertung gegeben, räumt der Trainer ein. Wichtig für ihn: Der Kampfgeist hat gestimmt - und die taktische Disziplin auch. Konzentriert im Angriff, keine Einzelaktionen, dann der geordnete Rückzug aller Spieler - so lauteten die Vorgaben. In Konter laufen - das war streng verboten, "schließlich ist das das Erniedrigendste, was passieren kann", so Neubauer. Aber: "Taktisch haben wir gar nicht so viel besprochen", fügt er hinzu. 
Die nächsten Spiele steigen morgen (15 Uhr) und am Sonntag (18 Uhr) in Duisburg. Sollte das Wunder geschehen und die Plauener eine Partie gewinnen, dann gibt es am kommenden Mittwoch ein Wiedersehen in der Spitzenstadt. 
Sonntag, 18 Uhr - ein eher ungewöhnlicher Spielbeginn: Wie wird die Mannschaft den Tag verbringen ? "Lange schlafen, spät frühstücken, vielleicht ein kurzer Spaziergang. Das Wochenende steht auch im Zeichen weiterer teambildender Maßnahmen. So oft hat man während der Saison ja dafür keine Zeit", so Neubauer.
Wenn Duisburg in den beiden Partien den Sack zumacht, dann ist die Spielzeit für den SVV  immer noch nicht beendet. Im kommenden Monat folgen  noch die Platzierungsspiele um Platz fünf - voraussichtlich gegen Esslingen. Das Heimspiel steigt am 11. Mai. Dies wird  der (vorerst) letzte Auftritt von Torhüter Gianmarco Serio mit der SVV-Kappe sein. Der Torhüter macht derzeit sein Abitur - anschließend steht entweder der Studienbeginn oder ein Auslandsaufenthalt an. Center Akos Parkanyi zieht es wieder in seine ungarische Heimat. 
Doch zuvor gilt für alle SVV-Akteure: kämpfen bis zum Ende. Dieses kann ja nicht jedes Mal so bitter sein wie am Mittwoch.