Das Für und Wider der Ehe

In Bad Elster präsentieren die Landesbühnen Sachsen das Broadway-Musical "Company". Sie versäumen aber, den fünfzig Jahre alten Stoff auf die Höhe der Zeit zu bringen.

Von Andrea Herdegen

Bad Elster - Bevor "Company" von Stephen Sondheim (Musik, Liedtexte) und George Furth (Buch) 1970 am Broadway herauskam, hatten amerikanische Musicals nur ein Ziel: einen Mann und eine Frau in romantischer - und melodischer - Harmonie zu vereinen. Sondheim und Furth brachen mit dieser Tradition und stürzten ihren Helden Robert in lauter kleine, verstörende Episoden mit seinen Freunden, fünf Ehepaaren in verschiedenen Stadien der ewigen Verbindung. Das Leben, die Liebe und die Institution der Ehe werden in "Company" von allen Seiten beleuchtet, werden hinterfragt in dieser Sammlung aneinander gereihter Szenen ohne klaren Handlungsstrang.
Die Freunde wundern sich, dass Robert an seinem 35. Geburtstag immer noch Single ist, dass er sich nicht durchringen kann, eine seiner Freundinnen aus drei Parallel-Liebeleien zum Traualtar zu führen. "Bobby", wie ihn alle nennen, bleibt bis zum Ende des Stücks allein. 1970 wohl noch ein gesellschaftlich aufwühlender Schluss, heute, fast fünfzig Jahre später, ein Ende, das dem Zuschauer nur ein "Na und?" abnötigt. "Company", mit dem die Landesbühnen Sachsen am Freitag im König-Albert-Theater Bad Elster Premiere hatten, fehlt die aktuelle Relevanz. Sondheims Songs, die immer wieder von bissigen Kommentaren anderer Akteure unterbrochen werden, haben nicht mehr den nötigen Kick, um ein Publikum mitzureißen.
Im Londoner Westend hat man das erkannt und ist eben mit einer Produktion herausgekommen, in der "Bobby" weiblich ist. Die Lage der Single-Frau in unserer Zeit kann die Spannung von einst ein wenig wiederbeleben. Die hervorragende Elbland-Philharmonie Sachsen unter Leitung von Hans-Peter Preu trifft keine Schuld am unbefriedigenden Gesamtergebnis. Messerscharf akzentuiert das Orchester die melodischen Wendungen. Obwohl sie mit Miniports ausgerüstet sind, schaffen es aber die Sänger oft nicht, die Texte der deutschen Fassung von Michael Kunze verstehbar über die Musik zu legen.
Es bleibt ein Wort-Brei, der offenbar manche Zuschauer endgültig so verärgert, dass sie sich schon in der Pause ihre Mäntel holen und gehen. Überzogen und plakativ agiert das Ensemble.
Auch hier geht den gekonnt durchdachten, psychologisch exakt konstruierten Szenen die Wirkkraft verloren. Das aufgesetzte Spiel macht die Dialoge unglaubwürdig. Echt wirken nur wenige Figuren. Markus Schneider als Verbindung suchender und Bindung scheuender Robert ist eine davon.
Anna Preckeler als hippe und zuweilen vulgäre New Yorkerin Martha (eine von Roberts Freundinnen), ist eine andere.
Vor fünfzig Jahren wollte Sondheim den Obere-Mittelklasse-Zuschauern, die beim Musical-Besuch ihren Obere-Mittelklasse-Problemen entfliehen wollten, den Spiegel vorhalten und ihnen ihre spießigen Leben von der Bühne ins Gesicht schleudern.
Ein Ansatz, der ihm damals die Rekordzahl von 14 Tony-Nominierungen einbrachte (sechs hat "Company" gewonnen). Die Inszenierung der Landesbühnen Sachsen (Regie, Ausstattung, Licht: Sebatian Ritschel) versäumt es, zusätzlich belastet von technischen Schwierigkeiten, dieses Thema auf die Höhe der Zeit zu bringen.
In dieser Fassung kann man sich "Company" getrost schenken.