Das Böse gibt es gar nicht

In einer Mischung aus tiefschürfender Philosophie und bissig-ironischem Kabarett präsentierte Florian Schroeder seine Show "Ausnahmezustand" im König Albert Theater.

Von Steffen Adler

Bad Elster Ein Zitat des deutschen Philosophen und Staatsrechtlers Carl Schmitt wird eingeblendet, noch bevor der Kabarettist die Bühne betritt: "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet." Dazu sind Bilder und Videos unter anderen von Trump, Erdogan und Putin zu sehen.
"Diktatoren verhängen den Ausnahmezustand während einer Übergangszeit im Kampf zwischen dem Guten und Bösen", erklärt Schroeder. Wer von den Zuschauern denn links, rechts oder gar orientierungslos ist, will er durch Handzeichen in Erfahrung bringen. Während dazu eher zaghaft die Hände gehoben wurden, bombardiert er nahezu pausenlos das Publikum mit vielen ungemütlichen Theorien, wie zum Beispiel, dass jeder AfD-Wähler ein Rassist sei, die manchen der Zuschauer offensichtlich fernab von Unterhaltung eher auf den Magen schlugen und sie sich deshalb schon in der Pause auf den Weg nach Hause machten. Zwei Stunden lang schwadronierte Schroeder mit bleischweren Wortspielen über das Gute und Böse auf der Welt und in Deutschland. Der politische Diskurs gehe eindeutig nach Rechts, stellt Schroeder fest. "Das wird einem klar, wenn 24 Prozent einen Faschisten Björn Höcke wählen und sogar die Lindenstraße deshalb aus der ARD geworfen wird", meint Schroeder mit Blick auf die aktuellen Wahlergebnisse in Thüringen. Von der Mitte - nach der eine CDU sucht - war das Ergebnis mit jeweils 50 Prozent von Links- und Rechtswählern ein Beweis. "Dabei sollte man doch Rechts links liegen lassen", appellierte Schroeder. Oder sollte es wirklich einmal eine Koalition aus sozial und national geben? "Diese Mischung wäre als Sozialnationalismus mal ganz was Neues. Und wenn womöglich, würde sogar die CDU irgendwann versuchen mit der AfD zu koalieren, würden wir uns mit Sicherheit an die Geschichte erinnern", analysierte er. Gerade wo wir uns doch in einem "Ausnahmezustand" bewegen, gilt es, uns überall zwischen Gut und Böse entscheiden zu müssen. "Das Gute ist weiblich und das Böse männlich", bewiesen die vielen weiblichen Politiker oder auch als gerade prominenteste Vertreterin besonders Greta Thunberg, die große Sympathien bei der Bevölkerung erntet, außer von den Bildungsministern wegen der Schulschwänzerei zum Fridays For Future.
"Dabei fand doch gar nicht so viel Unterricht statt, wie geschwänzt wurde", spottete Schroeder auch in Bezug auf den Lehrermangel und witzelte ebenso über die Quereinsteiger aus anderen Berufsfeldern. "Dann könnten künftig auch Bankräuber den Kindern das Bruchrechnen beibringen", erntete er viel Gelächter. Das männliche Böse verkörpere dafür ein Donald Trump. "Auch wenn er kein Rassist ist, dafür ist er zu blöd", meinte Schroeder.
Indessen hat auch das Zeitalter der Digitalisierung einiges verändert. "Wir sind heute Sklaven der Algorithmen", ist Schroeder überzeugt. Damit die Parteien genau wissen, wie jeder Einzelne denkt, gäbe es Plattformen wie Facebook und bald auch schon Fernseher die beobachten, was man zu Hause tut. In China gäbe es längst auch schon ein Punktesystem, das dazu verhelfe, aus den bösen Menschen gute zu machen. "Die Würde des Menschen ist unantastbar - mit Absicht steht sie im Konjunktiv", kommentierte dazu Schroeder. "Hört endlich auf zu fühlen und fangt an, zu denken!" lässt er außerdem angesichts Finanzkapitalismus und politischer Korrektheit, die überall einen Störfaktor sieht, verlauten.
"Bist du gut? Oder böse?" steht auf den Karten, die Schroeder im Foyer an die rund 250 Zuschauer mit der Bitte austeilen ließ, diese in der Pause auszufüllen. Die Auswertung folgt zu Beginn der zweiten Hälfte in "Schroeder-live" als Live-Übertragung auf Instagram. Die Resonanz fällt mager aus. "Bin ich böse, wenn ich Greta nicht mag?" schreibt ein Zuschauer. "Es gibt das Böse gar nicht. Es gibt immer nur gute oder schlechte Absichten", erklärt Schroeder am Ende überraschend. "Ich würde gerne noch ein wenig das Nachtleben in Bad Elster genießen, aber leider schließt das Cafe an der Ecke schon um 17.30 Uhr", lästerte Schroeder abschließend.