Das Bocksprung-Prinzip

Eine gedrechselte Figur mit Kamm und Spiegel ist zu gewinnen - im Adventsrätsel Nr. 22. Eine Geschichte dazu? Vielleicht über Friseure? Aber die haben zu, Perückenmacher auch. Ein Fleischer, der Kammfleisch verkauft? Nein, ein Verlag, der ein Wanderbuch über den Kammweg Erzgebirge-Vogtland plant.

Plauen/Berlin - "Der Weg ist für 2021 als Deutschlands schönster Wanderweg nominiert", sagt Gregor Münch, Redakteur des Verlags Esterbauer. "Der Weg hat etwas zu bieten - über die Höhen des Erzgebirges, an der Grenze zu Tschechien, reliefreich, mit Felsformationen, tollen Blicken und Aussichtstürmen", fügt er hinzu. Wegen Corona gebe es ein paar Fragezeichen, aber 2021 sei eigentlich ein Wanderführer über die Strecke durch Erzgebirge und Vogtland vorgesehen.
Dann würde Münch mit einem Kollegen den Kammweg unter die Füße nehmen - per Bocksprung-Prinzip: Einer läuft, einer fährt per Auto zum nächsten Treffpunkt. Dann wird gewechselt. "Wir fotografieren und sammeln Informationen - von Tourismusfachleuten, Kommunen, Einheimischen. Jeden Meter der Strecke nehmen wir in Augenschein, manchmal mit dem Fahrrad", sagt Münch.
Wieder im Berliner Büro, würden das Diktiergerät ausgewertet, die Daten sortiert, die Fotos gesichtet. "Alles in allem dauert es ein viertel Jahr, bis das Buch fertig ist", erklärt der Diplom-Kartograph und lobt die Vielfalt an seiner Tätigkeit.
Der Verlag Esterbauer ist laut Münch einer der Marktführer im Bereich der Outdoor-Lektüre: Mehr als 400 Bücher für Radtouren hat er im Angebot. "Seit 2008 sind fast 90 Wanderbücher dazu gekommen. Einen Überblick liefern das auf 750 Seiten angewachsene Buch ,Fernradwege Deutschland‘ und jetzt die ,Fernwanderwege Deutschland‘."
Nach Münchs Angaben enthält das neue Buch 61 Fernwanderwege - und der Vogtland Panorama Weg ist einer davon. "Im Vogtland ist das ,Panorama‘ im Namen absolut berechtigt und kein bloßer Marketing-Gag", lobt der 49-Jährige. Er spricht von Landschaftsvielfalt und Fernsichten, Kurorten und Städten mit Burgen. Und er nennt das gute Essen als Kriterium, obwohl er nach eigenem Bekunden bisher das Vogtland nicht bereist hat: "Eigentlich war im Sommer ein Besuch mit meiner Frau geplant, doch Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir holen den Besuch im nächsten Jahr nach und werden von Plauen aus Tagestouren unternehmen."
Manche seiner Informationen erhält Münch von externen Autoren, die für den Verlag arbeiten. Nur so könne man das umfangreiche Programm bewältigen und nur so einen Überblick über die ,Fernwanderwege Deutschland‘ geben.
Welche Wege haben es ins Buch geschafft? Münch nennt Kriterien: Alle Bundesländer sollten vertreten sein, wobei die Stadtstaaten naturgemäß benachteiligt sind. Es gibt Wege im Flachland, im Mittelgebirge und einen im Hochgebirge, den Spitzenwanderweg bei Garmisch. Fast alle Wege sind länger als 100 Kilometer. Wege mit Qualitätssiegeln hatten bessere Chancen, auch die mit guten Online-Auftritten. "Wer sich um um eine aussagekräftige Internet-Präsenz kümmert, hält hält vermutlich ebenfalls die Wege in Schuss."
Welche Wege liebt Münch persönlich? Eine schwierige Frage bei so viel Auswahl. Bei den Radwegen entscheidet er sich für den Ostseeküstenradweg und speziell Rügen. "Die stellenweise noch anzutreffenden Betonplatten-Wege und vor allem die Straßen mit Kopfsteinpflaster haben etwas Archaisches, auch wenn Sie Mensch und Material beanspruchen. Dazu die grandiose Landschaft der Insel - mir gefällt die Mischung. Davon abgesehen: Nach einer so holprigen Passage weiß man das glatte Asphaltband umso mehr zu schätzen", sagt er im Gespräch.
Jetzt zum Jahresende lägen drei Wanderwege auf seinem Schreibtisch: Der "Steigerwald Panoramaweg" in Franken werde überarbeitet, Sächsischer Weinwanderweg und Oberlausitzer Bergweg entstünden neu. "Die Oberlausitz liebe ich schon seit vielen Jahren", erklärt Münch. ufa

Kalenderblatt 22

Was ist Gregor Münchs Lieblingsradweg? Wenn Sie das wissen, schreiben Sie uns das Lösungswort bis zum 24. Dezember auf eine Postkarte und senden sie an: Redaktion Vogtland-Anzeiger, Postplatz 12, 08523 Plauen. Oder Sie mailen uns an: redaktion@vogtland-anzeiger.de oder beteiligen sich über Facebook an dem Rätsel, unter Kennwort: Kalenderblatt 22.
Zu gewinnen gibt es eine Figur der Serie "Finn & Finja", gesponsert von der Drechslerei Kuhnert aus Rothenkirchen.
Das Lösungswort von Kalenderblatt 18 ist Logo. Das wusste die Gewinnerin Bettina Dög aus Straßberg. Glückwunsch zum Gewinn, der in der Redaktion abgeholt werden kann.
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