Das bittere Ende des Schnitzelkrieges

Gerhard Kaltscheuer machte als rebellischer Schnitzelwirt Schlagzeilen. Jetzt entpuppt er sich als einfacher Steuerbetrüger.

as Opfer von Behördenwillkür und Erbsenzählerei aus und wurde damit berühmt: "Futterstuben"-Wirt Gerhard Kaltscheuer aus Hammerbrücke machte im vergangenen Jahr als rebellischer Gastronom deutschlandweit Schlagzeilen, als er sich mit Demonstrationen und Auftritten im Fernsehen gegen einen Steuerbescheid wehrte.

Er prangerte an, dass die Behörde ihn für seine kundenfreundlichen XXL-Schnitzel bestrafen wolle. Ein Jahr später ist klar, dass Kaltscheuer nur geblufft hat. Das sächsische Finanzgericht verurteilte ihn im Mai dieses Jahres aufgrund einer unglaubwürdigen Buchhaltung zur Zahlung von fast 26 000 Euro Steuern zuzüglich Zinsen.

"Die Wirte der Futterstuben konnten uns ihre Einnahmen in dem Verfahren nicht glaubhaft machen", sagt die Vizepräsidentin des sächsischen Finanzgerichtes, Martina Gerhardt, zum Ausgang jenes Streites, der über Jahre hinweg zwischen Kaltscheuer und dem Finanzamt Plauen schwelte. Insbesondere kaufte das Gericht dem gebürtigen Rheinländer jene Kassenbücher nicht ab, die er in der letzten Instanz plötzlich präsentierte. Die Bücher seien in einem Stück und mit ein- und demselben Stift "und damit offenbar nachträglich geschrieben worden. Das haben die Richter nicht anerkannt", sagt Gerhardt.

Die Wahrheit in ihrer ernüchternden Schlichte bringt allerdings erst seine Frau ans Licht. Oder besser gesagt: seine Ex-Frau. Denn Regina Unger sitzt mittlerweile alleine in den Futterstuben in Hammerbrücke, verlassen von Kaltscheuer nach 20 Jahren Beziehung wegen einer deutlich jüngeren Frau. "Er stand einfach gerne im Mittelpunkt und hat sich inszeniert", sagt Unger. Was der Wirtin, die nach eigenen Angaben immer nur "das Küchentrampel" war, dabei am schwersten auf dem Magen liegt: Kaltscheuer hat sie mit den Steuerschulden, unbezahlten Stromrechnungen und offenen Mieten sitzen gelassen. "Weil er in der Privatinsolvenz war, liefen die Geschäfte alle auf meinem Namen. Ich darf das jetzt alleine bezahlen", sagt sie.

Benutzt hat der Schnitzelwirt aber nicht nur seine Frau. Auch die Medien spannte er erfolgreich vor den Karren. So zog er in Talkshows genüsslich über pedantische Betriebsprüfer her und beschwor das Finanzamt als gierigen Kraken. Die Medien ihrerseits dankten ihm die Stereoptypen mit einer verklärenden Berichterstattung. So wurde er selbst dann noch als Held gefeiert, als ihn das Amtsgericht Chemnitz 2011 wegen Steuerhinterziehung zu einer Geldbuße von 1500 Euro verdonnerte.

Von diesem Sperrfeuer ließen sich sogar die sonst so emotionslosen Finanzbehörden beeindrucken. Umso erleichterter ist man dort nun über den Ausgang. "Für uns war sehr wichtig, dass wir den Rechtsstreit im vollen Umfang gewinnen", sagt Eike Döblitz von der Steuerfahndung beim Landesamt für Finanzen in Chemnitz. Nicht verbergen kann der Steuerfahnder dabei die Genugtuung, die seine Behörde nun verspürt. "Wir wurden als Erbsenzähler dargestellt, die in Gaststätten die Schnitzel wiegen. Mit dem Vorurteil wurde jetzt aufgeräumt", sagt Döblitz.

Kaltscheuer selbst will mit all dem nichts mehr zu tun haben. Längst wohnt er mit seiner neuen Frau in Zittau, wo sie gemeinsam einen kleinen Landgasthof betreiben. Reden will er mit der Presse nicht mehr - und muss es ja auch nicht. Schließlich hat er seine Privatinsolvenz erfolgreich hinter sich gebracht, die Gläubiger halten sich an seiner Ex-Frau schadlos. Die wiederum ahnt, welch bittere Jahre ihr am Herd der Futterstuben bevorstehen. "Ich werde immer nur arbeiten, arbeiten und arbeiten und das für nix", sagt Regina Unger.