Countrysänger Jonny Hill auf Deutschland-Tournee

Plauen - Jonny Hill startet im Herbst eine große (Ost)Deutschlandtour und wird am 15. Oktober auch im Greizer Theater und am 17. November im Reichenbacher Neuberinhaus zu erleben sein.

 

."Ich war seit fast acht Stunden schon auf der Autobahn, War ganz kurz vor meinem Ziel und hielt mich mächtig ran, die Sonne, sie stand schon sehr tief als ich zur Ausfahrt kam. Der Diesel dröhnte neben mir, mein Funkgerät war an, als daraus die Stimme eines kleinen Jungen kam. Er sagte nur: Kanal 1.4 ist hier irgendwer? Wenn dann ruf mich doch zurück und sprich mit Teddybär."

Ein Liedtext und ein Sänger, der 1979 zum Symbol aller Truckerfahrer wurde. Der bei manchem für eine Träne sorgte, bei den meisten für das berühmte Gänsehaut-Gefühl. Als er diesen Hit landete, stand Jonny Hill bereits länger als ein Jahrzehnt auf der Bühne. Und das tut er noch heute. Im Herbst geht er auf große (Ost)Deutschland-Tournee. Torsten Piontkowski unterhielt sich am Telefon mit dem Österreicher, der vor Kurzem seinen 70. Geburtstag feierte.

Nachträglich herzlichen Glückwunsch zum runden Geburtstag am 27. Juli. Was war Ihr schönstes Geschenk?

Dass ich mit meiner Frau feiern konnte, was ja nicht selbstverständlich ist, wenn man so viel unterwegs ist. Keine große Party, nur wir beide.

Dann schon jetzt die Frage, die wir uns für später aufheben wollten: Seit 1964 sind Sie mit Ihrer Frau Helga zusammen. Haben Sie ein Erfolgsrezept für alle Neidischen?

Ich habe mal einen Titel gesungen, in dem es heißt "Suchst du Gold, geh in die Berge, suchst du Liebe, dann geh nach Haus." Ich habe immer gewusst, wo ich zu Hause bin. An der Seite einer starken Frau übrigens, die mich manchmal auch ordentlich wieder auf die Füße gestellt hat.

Geboren wurden Sie als Ferry Gillming. Wann und wie erfolgte der Wechsel zu Jonny Hill?

Das war die Idee meines ersten Produzenten Lotar Olias. Der hatte sich kurz vorher von Freddy Quinn getrennt und wollte mich sozusagen als dessen Double aufbauen. Das funktionierte aber nicht, weil wir vom Typ her völlig andere Menschen waren. Das einzig Verbindende war die Tatsache Österreicher zu sein und Bariton zu singen. In jener Zeit war es übrigens völlig normal, einen Künstlernamen zu haben. Denken Sie an Peter Alexander, Roy Black oder Udo Jürgens. Loar Olias fand Hill jedenfalls griffiger und "bastelte" ein wenig an den ersten vier Buchstaben meines richtigen Namens herum. Jonny sollte auf den norddeutschen Typ hinweisen.

Aber so richtig dicke Freunde sind Sie nie geworden?

Er wollte mit mir den gleichen Erfolg haben wie mit Freddy. Ich dagegen wollte nicht immer Zweiter sein, wer will das schon? Ich wollte als Jonny der Erste sein. Nach zwei Jahren hatte ich mich freigeschwommen und bin eigene Wege gegangen.

Kennt Sie überhaupt jemand unter ihrem Geburtsnamen?

Na meine Geschwister und einige Bekannte aus der Anfangszeit, die sagen noch Ferry. Aber eigentlich bin ich der Jonny Hill. Entweder oder.

Wer waren in Ihrer Jugend Ihre musikalischen Vorbilder?

?Ich bin ein Kind des Rock?nRoll, damit bin ich groß geworden. Elvis hab ich bewundert, aber nicht als Vorbild gesehen. Den zu kopieren funktionierte in Deutschland nicht, weil es ihn eben schon im Original gab.

Die Beatles, Janis Joplin, die Doors? Haben Sie sich nie zu deren Musik hingezogen gefühlt?

Die Beatles haben mein Elvis-Bild zerstört. Auch die Joplin und Hendrix. Ich hab sie als Zerstörer des klassischen Rock?n?Roll von Bill Haley empfunden. Deshalb habe ich mich dann auch mehr der Country-Musik verschrieben a la Willy Nelson.

Sie sind selbst Entertainer und standen mit zahllosen anderen auf der Bühne. Wer hinterließ einen besonders nachhaltigen Eindruck auf Sie?

In künstlerischer Hinsicht gab?s da mehrere. Als Menschen war ich sehr angetan von jenem Willy Nelson, von Toni Christie und vor allem von Helga Hahnemann, mit der ich auf Tournee war.

Haben Sie eine Ahnung, wie viele Platten Sie bisher verkauft haben?

Nein, weiß ich wirklich nicht. Der "Teddybär" wurde zehn Millionen mal verkauft, inzwischen sicher noch weit mehr. Ich glaube, da kann man schon ein bissel stolz sein. Der Song kam zum richtigen Augenblick, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit.

 

Und er blieb Ihre einzige Goldene Schallplatte?

Ich habe nie eine bekommen für den "Teddybär". Eine habe ich bekommen für 25 000 verkaufte Alben in Österreich. Denn ehrlich gesagt, schämte sich meine Produktionsfirma für das Lied und hätten es am liebsten gedeckelt. Dabei waren das damals meine Freunde.

Für wen arbeiten Sie derzeit als Produzent?

Im Moment für niemanden. Aber im Laufe meines Lebens beispielsweise für Linda Feller und viele andere aus der Country-Szene. Ich bin ja nun mittlerweile 70 und gute deutsch singende Country-Sänger sind rar geworden. Was mich so ärgert: Die meisten wollen schnell berühmt und reich werden. In meiner Zeit sahen wir Singen als Beruf und Berufung, haben getingelt.

Ihr neuestes Album heißt?

"Für immer jung", genau wie die Tour, die ich im Herbst beginne. In der Mehrzahl freundliche, besinnliche und nachdenkliche Titel.

Ihre Fangemeinschaft scheint ständig nachzuwachsen?

Na Gott sei Dank. Ich möchte doch nicht von lauter 70-Jährigen umgeben sein. Nein, die Leute sind unterschiedlichsten Alters, vermutlich weil sie meine Balladen mögen und nicht dieses ständige Bumsvallera.

Ihre Tour führt durch zahlreiche ostdeutsche Städte. Sicher kein Zufall?

Keineswegs. Ich war in der DDR mit Sicherheit der meist beschäftigste Unterhaltungskünstler aus dem Westen. Vermutlich auch, weil ich Österreicher war und kein Westdeutscher. Von 1972 bis 1976 war ich fast "allein" in der DDR, ich habe dort meine beruflichen Sternstunden erlebt. Ich habe quasi den alten Friedrichstadtpalast mit einem Auftritt geschlossen und den neuen mit einem Konzert vor Bauarbeitern wieder eröffnet. Ich denke immer noch gern an die Auftritt in Thüringen und Sachsen zurück

Sie spielen seit 20 Jahren Golf. Ihr aktuelles Handicap?

Handicap 11. Aber in diesem Sommer war es zu heiß, davor hat es zu viel geregnet. Ich betreibe Golf ja auch ausschließlich als Spaß, nicht als Schickimicki-Sport.

Weiterhin ein gutes Handicap. Natürlich nur fernab der Bühne.