Corona-Uhr am Handgelenk

Es ist Zeit, mit Intelligenz gegen Corona vorzugehen - mit Künstlicher Intelligenz. Das sagt Thomas Krause aus Neumark. Er wirbt für ein elektronisches Armband, das den Träger mit Ampel-Farben vor der Pandemie warnt, mit Rot und Gelb. "Das ist ein Frühwarnsystem für Infektionen."

Neumark - Die Uhr sieht aus wie ein Fitness-Armband, das die Zeit anzeigt, Schritte zählt, die Herzfrequenz ermittelt - und allerlei mehr kann: "Die Uhr misst besonders genau die Körpertemperatur des Trägers", sagt Krause.
Und das ist von Bedeutung: Denn nach seinen Worten lässt sich aus der Körpertemperatur schließen, ob und wie der Träger durch Corona gefährdet ist. "Der menschliche Körper wehrt ständig viele Krankheitserreger ab. Der Stoffwechsel kommt deshalb in Gang, die Körpertemperatur steigt. Die Krankheitserreger werden abgewehrt, ehe sie im Körper Schaden anrichten. Normalerweise dauert das nicht lange, bleibt oft unbemerkt. Wenn die Krankheit jedoch die Oberhand gewinnt, kommt richtig Fieber - das fühlt der Patient natürlich. Aber unsere Uhr bemerkt es viel eher, bei Corona bis zu sieben Tage eher", erklärt Krause. Schnelltests erkennen anfangs gar nichts und und später nur einen Teil der Infektionen.
Das sei eine Chance, eher etwas gegen Corona zu unternehmen. Betroffene könnten sofort Tests machen, eher in Quarantäne gehen, lieber in Homeoffice arbeiten - andere gegen die Krankheit schützen und deren Ausbreitung verhindern.
Allerdings ist es laut Krause schwierig zu erkennen, wann eine Temperaturerhöhung krankhaft ist - und wann normal, da durch Sonnenstrahlung hervorgerufen, durch körperliche Anstrengung oder heißes Wasser beim Duschen. "Künstliche Intelligenz, also selbstlernende Algorithmen, helfen bei der Unterscheidung. Damit lassen sich natürliche Schwankungen der Körpertemperatur herausrechnen", sagt der Ingenieur für Automatisierungstechnik. Nach einer Woche ,Anlernen‘ treffe die Technik zuverlässige Aussagen.
Gegenwärtig würden die stündlich aktualisierten Corona-Warnungen an das Smartphone des Armband-Trägers gesendet; künftig solle es direkt an die Uhr gehen: Rot und Gelb bei (potenzieller) Gefahr, Grün bei Normalität.
Krause hat 2019 eine Ein-Mann-Firma gegründet, die Unternehmen unterstützt, deren Produktion zu automatisieren und zu digitalisieren.
In der ersten Corona-Welle 2020 sei er auf das in China hergestellte elektronische Armband aufmerksam geworden. "Mir war klar, dass sie helfen könnte, die Erkenntnis-Lücke zu schließen zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit, zumal Schnelltests nur auf 38 Prozent Sicherheit kommen." Und so hat Krause nach eigener Schilderung die gesamte Auswertung und Berechnung für den Einsatz der Uhr entwickelt. Erst damit werde aus der China-Uhr das deutsche Frühwarnsystem, die Protect.Watsch, die Sicherheits-Uhr.
Die Behörden betrachten Krause zufolge die Uhr jedoch nicht als Chance. "Vor diesem Hintergrund ist es schwierig, Schule und Eltern, Landesamt für Bildung und Gesundheitsbehörde an einen Tisch zu kriegen."
Liegt die Skepsis an den Kosten? "Eine Uhr kostet 110 Euro plus 3 Euro monatlich für die Infektionsberechnung. Das würde sich schnell amortisieren, wenn jeder Schüler eine Uhr trüge und nur dann zum Schnelltest müsste, wenn die Uhr Rot oder Gelb zeigt", sagt Krause.
Leider, das gibt er zu, fehlen noch wissenschaftliche Studien. "Im Mai soll eine Studie des Fraunhofer Instituts in Frankfurt am Main beginnen in Zusammenarbeit mit der dortigen Uni-Klinik." Mittlerweile kooperiert Krause nach eigenem Bekunden in Sachen Corona-Uhr mit einem Unternehmen aus dem Erzgebirge. Gleichwohl hat Krause Erfolge vorzuweisen:
18 Mitglieder des Kreiselternrats (wo er Mitglied ist) hätten die Uhr getragen und zwei Corona-Fälle habe man entdeckt. "Die Basketballerinnen der ChemCats haben die Uhr und die zehn Leute der Sozialstation des DRK in Reichenbach auch. Der Versuch läuft noch sechs Wochen." Krause zufolge tragen derzeit insgesamt fast 200 Teilnehmer die Uhr, darunter auch eine breit gestreute Gruppe an Nutzern - Kinder bis Rentner, Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern, Lehrer, Produktionsarbeiter... ufa