Corona-Hochburg: Wie weiter im Landkreis Greiz?

Der Greizer Krisenstab will am Montag über weitere Corona-Maßnahmen entscheiden - helfen soll die Bundeswehr.

Im Kreis Greiz - einem der beiden bundesweiten Brennpunkte neuer Corona-Nachweise - will der Krisenstab am Montag über weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie entscheiden. Der Fokus liegt nach Angaben des Landratsamtes vom Freitag weiter auf Pflegeheimen. In sechs solcher Einrichtungen und einer Geriatrie-Klinik wurde zuletzt das Coronavirus bei Bewohnern oder Personal nachgewiesen.
So könnten die in Thüringen geplanten Lockerungen bei Besuchen in Alten- und Pflegeheimen für den Ostthüringer Landkreis ausfallen. Zudem wurde nach Angaben einer Behördensprecherin die Bundeswehr um Unterstützung der mobilen Abstrichteams angefragt. Werner: Geplante Lockerungen könnten in Greiz ausgesetzt werden.


Im Kampf gegen die Corona-Pandemie erhält der Kreis Greiz ab Dienstag Unterstützung von der Bundeswehr. Dann werden sechs Sanitäter die mobilen Abstrichteams im Landkreis unterstützen, um geplante Wiederholungstests abzusichern, teilte das Landratsamt am Freitag mit. Derweil stieg die Zahl der bestätigten Infektionen bis Freitagnachmittag nur leicht um drei auf 522. 218 Infizierte gelten den Angaben nach inzwischen als genesen. Zugleich vermeldete die Behörde zwei weitere Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Diese Zahl stieg damit seit Ausbruch der Pandemie auf 36.


Der Ostthüringer Landkreis hat derzeit bundesweit die höchste Quote an neuen Corona-Nachweisen innerhalb einer Woche. Wegen der dramatischen Corona-Entwicklung im Kreis Greiz soll laut Gesundheitsministerium kommende Woche entschieden werden, ob dort geplante Lockerungen ausgesetzt oder gar Beschränkungen verschärft werden müssen. Dies werde eine spezielle Arbeitsgruppe (Task Force) bis Dienstag bewerten, sagte Ministerin Heike Werner (Linke). Nach Plänen der Landesregierung sollen Landkreise und kreisfreie Städte ab Mittwoch Entscheidungen über weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen weitgehend eigenständig treffen können.
Im Kreis Greiz wurden bis Freitag innerhalb von 7 Tagen 75,4 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner nachgewiesen, wie aus einer Übersicht des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Das ist ein leichter Rückgang zum Vortag (80,5) aber weiterhin deutlich über der vorgesehenen Obergrenze von 50. Dieser Wert gilt nach einem Beschluss des Bundes und der Länder als Obergrenze, bei deren Überschreitung strikte Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie vorgesehen sind. Am Freitag wurde er neben dem Kreis Greiz auch im nordrhein-westfälischen Kreis Coesfeld (52,7) überschritten.


Trotz der hohen Zahlen von Coronavirus-Infektionen im Landkreis Greiz will Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) in der kommenden Woche mit Lockerungen bei den Beschränkungen beginnen. "Einerseits ist es wichtig, die Ausbreitung des Virus zu verhindern, andererseits können wir unserer Wirtschaft, unserer Gastronomie keine weiteren Blockaden aufbürden", erklärte Schweinsburg. Ziel sei es, das der Kreis sich soweit als möglich an der für nächste Woche angekündigten Thüringer Verordnung orientiere. "Denn es macht in meinen Augen wenig Sinn bei uns alles zu verbieten, was wenige Kilometer weiter möglich ist", so die CDU-Politikerin. dpa