Cornhole und arabische Linsen

Cornhole. Das englische Wort heißt sinngemäß Kornloch und steht für einen sportlichen Zielwettbewerb. Die Mobile Jugendarbeit hat am Tunnel jüngst erstmals solch eine Meisterschaft ausgetragen. Das Motto lautete: Tunnel-Kultur.

Von Frank Blenz

Plauen Zwei Zielscheiben ähnelnde Geräte mit einem Loch in der Mitte, liegen etwa 20 Meter voneinander entfernt gegenüber auf dem Platz am Tunnel. Dahinter steht jeweils ein Cornhole-Akteur mit kleinen, blauen, prall mit Sand gefüllten Säckchen, die er beim Startzeichen der Jury auf die jeweils andere Seite des Wettkampffeldes zu werfen hat. Ziel ist es, im Duell so viel wie möglich Säckchen in das Ziel-Loch, das "Hole" zu werfen. Die Spielregeln sind auf Tafeln erklärt, in deutscher und arabischer Sprache. Die Kinder und Jugendlichen, die vorbeikommen und sich trauen mitzumachen, sind schnell sehr konzentriert bei der Sache. Es wird gelacht, gegenseitig angefeuert, auch Eltern versuchen sich an der ungewöhnlichen "Sportart". Die nachmittägliche Aktion findet bewusst in der Stadtmitte statt.. Die Leute der Mobilen Jugendarbeit betreiben nach eigenen Worten "aufsuchende interkulturelle Arbeit im Stadtzentrum", wie Franzi vom MJA-Team lächelnd sagt. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt zwischen deutschen und ausländischen Bürgern der Stadt. Den Part für die arabischen Mitbürger leistet Maher Ahamd, Mitstreiter des Vereins. Es geht den Machern vor allem um das Zusammenleben und Zusammenwachsen unterschiedlicher Kulturen und Lebensansätze. Am Tunnel prägt an diesem Nachmittag der Dialog, das Miteinander die Szenerie. Klar, es bleiben die jungen Burschen an der Drehtür, die die Zeit größtenteils verwarten, und jene, die in der Stadt-Galerie Runde um Runde drehen und offenbar wenig mit sich anzufangen wissen. Doch die Aktion Tunnel-Kultur ist ein Versuch, den Abstand zwischen Menschen von hier und aus dem Ausland zu verringern. Integration ist keine Paradedisziplin, sie muss es erst werden auch mit Sport und Spaß. Der Sport Cornhole macht jedenfalls hungrig und durstig. Den zu stillen, dafür ist extra ein kleiner Imbissstand aufgebaut, inklusive Ofenherd, auf welchem Schwarzbrotscheiben auf der Platte goldbraun anglühen. Eine arabische Suppe gerät zum Renner. "Die hat der Maher gezaubert", verrät Franzi. "Ich habe Linsen und Gewürze verwendet. Und vor allem Maggi", sagt der junge Mann. Alle lachen ob des "Rezepts". Arabische Linsen und deutscher Maggi ergeben eine geradezu perfeket deutsch-arabische Allianz. Die Suppe ist beizeiten alle.