Comedy ohne ein Wort zu sprechen

Plauen - "Der Zuschauer soll rausgehen mit Verständnis was ist passiert?", sagt Elie Levy, dessen Deutsch auch nach 28 Jahren in Hamburg noch nicht "eskaliert" ist.

 

Letzteres ein Ausdruck, der ihm immer wieder in den verschiedensten Zusammenhängen über die Lippen kommt - hinsichtlich seiner Kunst, des Publikums, seiner Ausbildung zu einem der weltbesten Pantomimen, wenn nicht gar dem besten.

Am 16. Mai wird der im israelischen Jaffa geborene Levy im Vogtland Theater gastieren und vermutlich wird sich wiederholen, was überall geschieht: Publikum wie Rezensenten werden sich im Wortsinne oder symbolisch verneigen vor einem Mann der weit mehr beherrscht, als Wortlos-Programme darzubieten. Womit wir bei der Eingangsbemerkung Levys sind.

Nein, er mache keine klassische Pantomime sondern eher eine Art Comedy ohne zu sprechen. "Es könnte Kabarett sein", sagt er. Und versucht in seinem akzentgeladenen Deutsch zu erklären, dass es sich bei seiner zweistündigen Show um ein Unterhaltungsprogramm handelt "mit viel intelligentem Einschlag, geeignet für Menschen ab acht." Und weil das so ist, seien seine dargestellten Witze zwar "pseudoscharf, aber nicht bös". Beispiel: Levy deutet an, sich unter den Achseln zu sprayen, dann ein mal kurz unter der Gürtellinie. "Die Erwachsenen begreifen und lachen, die Kinder begreifen nicht und lachen auch", freut sich der schlanke Mann mit den berufstypisch feingliedrigen Händen.

Während eines Teils der Show bezieht er sein Pblikum ein, holt es zu sich auf die Bühne, wie er sowieso alles einbezieht, was eine Show ausmacht - Musik, Geräusche, Lichteffekte. Wo auch immer er seine künstlerische Visitenkarte abgibt, ist ihm verbaler Lorbeer sicher. Von "unglaublicher Audruckstärke" ist die Rede, von "faszinierender Körpersprache".

Und er selbst scheint ebenfalls nicht geneigt, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. "Marcel Marceau heute, junge Zuschauer würden schlafen nach fünf Minuten", attestiert er einem der Größten der Zunft, der im Zeitalter der PC-Generation aber nur noch von seinem Namen lebe. "Traurig, aber wahr", fügt er an, was er umgehend begründet. Die Pantomime heute sei schneller, witziger, provokativer. Eine Revolution habe sich in den letzten 20 Jahren in diesem Genre vollzogen. "Klassische Pantomime bringt zum Schlafen", wiederholt er schelmisch. Sein eigenes Handwerk hat er in den 70er Jahren an einer Tanz- und Schauspielschule in Israel zu erlernen begonnen. Später ging er nach Paris. "Ich war arm, naiv, jung und damals noch schön", kokettiert der noch immer ins Beuteschema jeder aus dem Teenie-Alter entwachsenen Frau passende Levy.

An der Seine setzt er sein Studium an den Schulen für Pantomime Etienne Decroux und Ella Jaroszewicz fort, früh wissend, dass für ihn nur die moderne Pantomime in Frage kommt. Fünf Ausbildungsstätten habe es damals in Paris gegeben, heute lediglich noch zwei, erinnert er sich. 1978 beginnt er seine professionelle Karriere, zunächst mit Auftritten als Straßenkünstler in der Schweiz, Belgien, Dänemark, Italien, Frankreich, Deutschland. Und vor allem wenn Kunst wortlos daherkommt, bedarf sie eines Förderers. In einer Kölner Einkaufspassage wird Biolek auf ihn aufmerksam, es folgen Fernsehauftritte und Gastspiele im gesamten deutschsprachigen Raum.

"Nebenher" ist Levy als Gastdozent tätig, leitet Kurse und Workshops in den Bereichen Pantomime, Körpersprache und Bewegungstraining. Mit hintergründigem Humor erzählt er von seiner Show "Das verrückte Konzert". Im Mittelpunkt steht die Frage, weshalb ein Dirigent während der Vorführung stets anwesend ist und den Musikern Anweisungen gibt.

 

Ein Regisseur stehe doch schließlich auch nicht auf der Bühne und quassele den Schauspielern ins Stück hinein. "Und ich bin dazwischen und kann machen was ich will", freut sich der Pantomime diebisch. Und in der Tat scheint Levy tun und alles zu können was er will - das Publikum nimmts mit Begeisterung auf, wenn er ihm dessen eigene Schwächen vor Augen führt, verbunden mit dem Appell, über sich selbst lachen zu können. Levy augenzwinkernd: "Wer weniger als zehn mal lacht, bekommt sein Geld zurück, wer bis zu 20 Mal lacht, bekommt ein Essen von Generalintendant Bloch spendiert."