"Colorido" und das Schweigen im Rathaus

Plauen Bunt ist die deutsche Entsprechung für Colorido, der Name des Vereins Programm. Den Plauenern ist er bekannt durch vielfältige politische wie kulturelle Veranstaltungen und Protestaktionen. "Wir sind seit 2017 am Start, haben einiges erreicht und wollen noch mehr schaffen. Wir haben daher beschlossen, mehr zu agieren. Bislang haben wir zu oft reagiert, nachgezogen, wenn zum Beispiel die Nazis in Plauen aufmarschierten", berichtet Doritta Korte, die Chefin von Colorido. 15 Mitglieder und einige Helfer trafen sich zur Jahressitzung.
Ein erster Erfolg ist schon zu vermelden, der Verein kann demnächst ein eigenes Büro beziehen, so Korte. Auch die Festeinstellung eines Mitarbeiters ist geplant, so werde mehr Zeit und Kraft frei für die geplanten Aktivitäten. Dazu gehört beispielsweise die am 8. November um 10 Uhr und 18 Uhr stattfindende szenische Lesung mit Musik von Schülern der Trias-Oberschule Elsterberg im Plauener Theater zum Thema Friedliche Revolution 1989. Doritta Korte arbeitet als Lehrerin in Elsterberg. "Wir haben auch eine gute Band dabei, "Banda Internationale" wird mitmachen", informiert die Pädagogin. Am 27. November um 18 Uhr wird es im großen Saal des Landratsamtes einen Vortrag über das Neutralitätsgebot geben. "2018 hat die AfD eine Internet-Plattform für politische Äußerungen von Lehrern ins Spiel gebracht. Das Neutralitätsgebot ist also ein rechtlicher Maulkorb für die politische Bildung?, lautet eine Frage des Abends.
"Wir werden 2020 mehr eigene Veranstaltungen, Aktionen und Projekte organisieren", kündigt der Vereinsvorstand an. Man sei gut vernetzt und wisse um eine breite Unterstützung befreundeter Vereine. "Der VVN, das Bündnis Wunsiedel oder Tolerantes Sachsen sind nur einige der Partner. Auch das Landratsamt ist ein aktiver Partner", sagt Korte. Wer ins Boot müsse, das ist die Stadt Plauen und weiter: "Wir fühlen gerade nicht, dass man uns aus dem Rathaus unterstützt. Das Schweigen oder das Kleinreden rechter Gewalt in Plauen wie durch den Oberbürgermeister ist nicht akzeptabel. Es ist eben nicht so, dass man sagen könne, es sei alles gar nicht so schlimm. Doch. Denn die Demokratie ist in Gefahr, hier und im ganzen Land."
Korte zeigt sich besorgt über die "Taktik" des Establishments, die Basis im Stich zu lassen, zum Beispiel bei den Themen Integration, Perspektive, Rechtsradikalismus. "Wir sehen in Plauen viele junge Leute mit Flüchtlingsstatus, die keine Perspektive bekommen. Die Leute da oben in Berlin sitzen das alles aus, wir hier unten sollen zusehen wie wir da rauskommen", so Doritta Korte. Sie und ihr Verein wollen jedenfalls nicht aufgeben, die Gesellschaft eben nicht gleichgültig werden und verrohen lassen. Frank Blenz