Clara nun für immer in Plauen

Vor 200 Jahren wird am 13. September in Leipzig Clara Wieck geboren, später bekannt als Pianistin, Komponistin und Ehefrau Robert Schumanns. An ihren Aufenthalt in Plauen erinnert nun eine Tafel an der Johanniskirche. Und ein wissenschaftliches Symposium im Museum galt ihr ebenfalls.

Von Lutz Behrens

Plauen Wer am Westflügel der Plauener Johanniskirche vorbei den stillen Weg zur Pforte hinunter zur Rähme einschlägt, kann seit vorigen Freitag eine Gedenktafel entdecken. In beruhigender Höhe an der Kirchenwand angebracht, um dem Tatendrang banausischer Übeltäter zumindest eine bescheidene Hürde entgegenzusetzen, würdigt die Tafel Clara Schumann. Geboren 1819 verbrachte sie, gemeinsam mit ihrer Mutter Marianne Wieck, geborene Tromlitz, die Zeit vom Mai bis September 1824 im Haus ihrer Großeltern mütterlicherseits in Plauen. Dann musste die Mutter das Kind an den Vater Friedrich Wieck in Leipzig zurückgeben; die Eltern hatten sich getrennt.
Nach sächsischem Recht
Die Mutter Claras war die Enkelin des Flötenvirtuosen Johann George Tromlitz und Tochter des Plauener Kantors George Christian Gotthold Tromlitz. Marianne, zunächst Schülerin von Friedrich Wieck, heiratete ihn 1816 mit 19 Jahren. Sie gab wie ihr Mann Klavier- und Gesangsstunden. Während der Ehe mit Friedrich Wieck brachte sie fünf Kinder zu Welt, von denen zwei früh starben.
Im Mai 1824 verließ Marianne ihren Mann und kehrte mit Clara und dem drei Monate alten Säugling Viktor zu ihren Eltern nach Plauen zurück.
Nach sächsischem Recht gehörten die drei ältesten Kinder dem Vater, und so durfte Clara nur bis zu ihrem fünften Geburtstag bei ihrer Mutter und den Großeltern bleiben. Am 22. Januar 1825 wurden Friedrich und Mariane Wieck geschieden.
Die Tafel gibt Auskunft über die Lebensdaten Claras, die bis 1896 lebte. Zu erfahren ist, dass sie das knappe halbe Jahr in Plauen im ehemaligen Kantorat gegenüber der St.-Johannis-Kirche verbrachte, ein Haus, das es heute nicht mehr gibt. Wir lesen auch, dass der Großvater Claras, der von 1765 bis 1825 lebte, seit 1797 als Kantor an St. Johannis wirkte.
Der "eiserne Kantor"
Über ihn, George Christian Gotthold Tromlitz, Kantor in Plauen, sprach am Samstag dann auch Dr. Albin Buchholz, einst Musikdramaturg am Plauener Theater und später Redakteur dieser Zeitung. Zum musikwissenschaftlichen Symposium, das im Rahmen der Clara-Wieck-Tage des Vogtlandmuseums in dessen Festsaal gut 30 Interessierte vereinigte. In zwei Beiträgen galt es, den "Spuren Clara Wiecks im Vogtland" zu folgen. Tromlitz habe sich von Greiz aus für die Kantorenstelle in Plauen beworben. Zitiert wurde der einschlägige Schriftwechsel, dessen subalterner Ton und ausschweifende Formulierungskunst heute eher erheiternd anmuten.
Der als "eiserner Kantor" apostrophierte Tromlitz sei, so Buchholz, für das Plauener Musikleben "ein Glücksfall gewesen" und habe sich auch als Lehrer verdient gemacht. Am Nachmittag ging Buchholz kenntnisreich auf die Konzerte ein, die Clara im Konzertsaal der "Erholung" gegeben habe.
50 Bände mit Briefen
Dr. Thomas Synofzik, seit 2005 Direktor des Robert-Schumann-Hauses in Zwickau, eröffnete mit einem Vortrag das Symposium. Sein Thema: die Clara-Schumann-Briefautographen und ihre Edition. Insgesamt läge, so der Musikwissenschaftler, die unglaubliche Anzahl von rund 20. 000 Briefen und anderen schriftlichen Dokumenten vor, die Clara und Robert Schumann und den ihnen Antwortenden zuzuschreiben sind. Vorgesehen sind für die Schumann-Briefedition insgesamt 50 Bände, die in drei Serien gegliedert sind. Bislang sind bereits 25 Bände erschienen. An Beispielen demonstrierte Synofzik, der die Herausgabe der historisch-kritischen Edition gemeinsam mit Michael Heinemann von der Musikhochschule Dresden in Angriff genommen hat, die geradezu kriminalistischen Methoden, mit denen zum Beispiel Briefpartner Claras identifiziert und dem Vergessen entrissen werden. Auch auf soziologische Aspekte machte der Referent aufmerksam. Sei doch den Briefen Claras zu entnehmen, was damals ein Musiker an Geld zu erwarten hatte, wenn er an einem Konzert teilnahm. Auch war zu erfahren, dass die gefeierte, international erfolgreiche Klaviervirtuosin Clara Schumann oftmals mit einem Konzert mehr Geld einnahm als ihr Gatte für eine Komposition verdiente.
In weiteren Beiträgen bereicherten das Symposium Dr. Cornelia Preissinger und Katrin Reyersbach.
Geplant sei, so Museumsdirektor Dr. Martin Salesch, alle Vorträge in einem B and zu veröffentlichen.