Cirkus Krone: Eine Stadt wächst in der Stadt

- Eine Menge leisten müssen die Arbeiter vom Zirkus Krone bei Wind und Wetter. An jedem Gastspielort müssen die 15 Meter hohen Masten und das Zelt auf- und abgebaut werden. "Das ist schwere körperliche Arbeit mit viel Stress und Zeitdruck - und sehr schmutzig", sagt Zeltmeister Torsten Malmström.

 

Seit 47 Jahren ist er auf Reisen. Lange Zeit war er selbst Artist im Staatszirkus der DDR. Später arbeitete er im Direktionsbereich. In der ganzen Welt war er unterwegs. Nach der Wende reiste er mit dem Zirkus Sarasani und Zirkus Knie. Vor zehn Jahren schließlich kam er zu Krone. "Das ist das Beste was mir passieren konnte. In keinem anderen Zirkusunternehmen läuft das so wie hier. Feste Anstellung, festes Gehalt, krankenversichert, Genossenschaft und so weiter. Ein ganz normales Arbeitsverhältnis", so der 61-Jährige.

 

Am Dienstag wurden in Plauen am Vogtlandstadion bereits die ersten vier Masten gestellt. Das Grundgerüst, also vier der acht Hauptmasten, gibt's bei Krone doppelt. So sei ein schneller Ablauf möglich. Mit einem Vorkommando reisten die Zeltbauer am Stadion an. Es wurde ausgemessen, angezeichnet und die nötigen Löcher gebohrt. Alles muss genau passen, denn allein die Innenmaße des 5000 Leute fassenden Zeltes betragen 66 mal 48 Meter. Dazu kommen Elefantenstall mit Auslauf, Exotenzelt mit Außenanlage, Pferdestall, Löwengehege und viele andere Bereiche des Krone Zoos.

 

In jeder Stadt müsse eine Kaution für den Platz an die Stadt gezahlt werden, als Sicherheit im Falle von Schäden. Die Beseitigung beispielsweise der tiefen Bohrlöcher übernimmt nach Abreise jeweils die Stadt selbst. Das Zuschütten könne dabei bis 15 Euro pro Loch kosten.

 

Vergangene Nacht ist der komplette Zirkus mit allen Menschen, Tieren und Wagen angereist. Vor Ort wurde sofort mit dem Aufbau begonnen. Heute Vormittag soll das Zelt, das einen Wert von etwa 500 000 Euro hat, komplett stehen und die Tiere in ihren Gehegen und Zelten eingezogen sein.

 

Das notwendige "Herz des Unternehmens" befindet sich in einem 12-Meter-Anhänger. Ein Stromaggregat mit 1000 Kilowatt das die ganze "Krone-Kleinstadt" rund um die Uhr versorgt. Das 24 Tonnen schwere Unikat wurde vom TÜV abgenommen und verbraucht am Tag etwa 600 Liter Diesel. Die neuartigen Dieselmotoren arbeiten schadstoffarm und trotz des höllischen Lärms im Aggregatsinnern dringen weniger als 60 Dezibel nach draußen, dank doppelt schallgedämpfter Scheiben. Wartung, Reinigung und Versorgung des Kraftwerkes durch die zehnköpfige Elektriker-Brigade erfolgt nur mit Kopfhörern. Herr über Ampere und Watt ist der gelernte Elektromeister Johann Suppmeier, der seit 45 Jahren die zirkuseigene Energieversorgung leitet.

Zu Krones riesiger Zeltstadt gehören gegenwärtig fast 400 Menschen, mehr als 250 Tiere, 330 Wohn-, Pack- und Gerätewagen und das Spielzeit. Es gibt ein rollendes Circus-Restaurant, eine Zirkus-Schule, Betriebsfeuerwehr, eine Mannschaftsküche auf Rädern, Büros und Werkstätten aller Art - Schreinerei, Schlosserei, Kfz-Service, Sattlerei, Damen-und Herrenschneiderei. Zwei Tierärzte kümmern sich um die Zoo-Bewohner, und Küchenchef Gheorghe Avram Coras versorgt täglich 180 Leute mit drei Mahlzeiten. 380 Brötchen, 30 Kilogramm Brot, etliche Gläser Marmelade und Berge von Butter müssen um 7 Uhr fürs Frühstück bereit stehen. Fünf Pfund Kaffee allein werden für die Zubereitung verbraucht. Rund 3000 Euro pro Tag wendet Krone für die Ernährung von Mensch und Tier auf.

Ein richtiges Unternehmen, ein Stadt in der Stadt bei jedem Gastspiel.