Circus Afrika: Schlammschlacht ohne Elefanten

Am Freitag öffnet sich die Manege für die erste Vorstellung des Circus Afrika in Plauen. Doch statt der üblichen Zirkusgerüche liegt bereits jetzt Ärger in der Luft.

Plauen - Otto Weisheit, der Senior-Chef sitzt vor dem Wohnwagen und zieht an einem Zigarrenstummel. Man sieht es ihm an, dass er nichts hören und sehen möchte, und genau so sagt er es auch. Umso mehr liegen die Nerven bei Zirkus-Chef Hardy Weisheit und den anderen Familienmitgliedern blank. Sie fühlen sich ungerecht behandelt, sprechen von Vorverurteilung und Rufmord. Denn die Wagen waren noch gar nicht auf das Gelände an der B 92 gegenüber des Plauen Parkes eingebogen, da war die Rede von durstenden Elefanten, verdreckt hinterlassenen Plätzen, Tricksereien mit Freikarten und oft wechselnden Namen.

Seit Elefantenkuh Tonga einer Besucherin in Jena die Handtasche wegfraß, ist gar die Rede von "Mörderelefanten". Ob ein Handtasche mampfender Dickhäuter eine Bestie ist, mag jeder selbst beurteilen. Prinzipal Hardy Weisheit, Zirkusmann in siebter Generation, ist sich sicher, die Urheber der Anschuldigungen zu kennen. "Die Tierschutzorganisation Peta verfolgt uns seit zwölf Jahren." Es sei tatsächlich mal was vorgekommen, räumt er ein, "aber die tun so, als wäre das binnen weniger Wochen passiert." In der Tat listet Peta auf ihrer Internet-Seite die tatsächlichen oder vermeintlichen Verstöße, die sie den Zirkusleuten ankreiden, penibel auf. Und wenn nicht mal ungleich größere Zirkusse mit Tier-Nummern eine Chance gegen Peta hätten, dann doch "wir kleinen erst recht nicht". Allerdings: Auch Einträge anderer User über den Circus Afrika lesen sich wenig schmeichelhaft.  Andererseits weiß jeder, dass einmal eingestellte Beiträge zuweilen jahrelang im Netz verharren - Internethygiene Fehlanzeige.

Besonders sauer ist Hardy Weisheit über die Behauptung, er habe seine Elefanten beim Transport vom vorherigen Auftrittsort Leipzig nach Plauen dursten lassen. "Ich liebe unsere Tiere und würde eher selbst nichts trinken", sagt er aufgebracht. Vielmehr habe man die Tiere vor dem Verladen 6 Uhr früh noch mal getränkt. Am Vormittag seien sie dann in Plauen eingetroffen und ihnen, nachdem der Hydrant angeschlossen war, gegen 13 Uhr wieder zu Saufen gegeben.

Ein älterer - kurzzeitig beschäftigter - Mann will anderes beobachtet haben. "Ein Mitarbeiter der Scheiße schaufelt weiß nicht, was die Direktion veranlasst", fährt der Chef aus der Haut. Morgen, einen Tag vor dem ersten Auftritt, werde das Veterinäramt vorbeikommen und sich die Tiere anschauen, fügt er, nun schon wieder etwas ruhiger, an. Und holt die Prüfberichte vergangener Gastspielorte hervor. Darunter die jüngeren Datums von Oelsnitz, abgestempelt und mit dem handschriftlichen Vermerk versehen "alle Tiere o.B.", für ohne Befund. Berichte aus erzgebirgischen Orten sagen das Gleiche aus.

Und in der Tat: Auf dem Freigelände laben sich die vier Elefanten gerade an einer XXL-Portion Heu und machen weder einen verängstigten noch gefährlichen Eindruck. Auf Tuchfühlung schlurfen sie auf die Besucher zu und wer möchte, kann sich auf ihren Stoßzähnen ein Stück nach oben heben lassen. Auch die Zebras, die sich auf Schnupperkurs in der noch im Aufbau befindlichen Manege befinden, sehen weder ungepflegt noch hungrig aus. Eher im Gegenteil.

"Wir hatten noch nie was mit den Plauener Behörden zu tun", sagt Weisheit, "aber die hatten sich offenbar schon einseitig informiert". Und deshalb, glaubt er, bekam er auch den eigentlich beantragten Platz vor der Festhalle nicht und musste umdisponieren. Die jetzige Fläche mietete der Zirkus von der Agrargenossenschaft Syrau. "Wir sind noch vom alten Schlag, bei uns geht das mit Handschlag. Wenn ich beim Bauern Heu kaufe, handele ich doch auch keinen Vertrag aus."

Und wenn es nicht so nervig wäre, das vorauseilende schlechte Image, wäre es ihm langsam egal, was man ihnen so ankreidet. "Denn wichtig ist, was das Publikum sagt und die singen Lobeshymnen". Damit das so bleibt, werden in jeder Stadt - wie es andere Zirkusse auch tun - Freikarten verteilt. Im Kleingedruckten ist beim Circus Afrika von fünf Euro Zuzahlung die Rede. Weisheit bemüht sich, das Prinzip verständlich zu erklären. Für die ersten 50 Besucher werden 50 Plätze frei gehalten. Wer einen besseren, also "weiter vorn" möchte, muss zuzahlen. Das betrifft auch jene, die eben nicht zu den ersten 50 Interessenten gehören.

Als "glatte Lüge" bezeichnet der Chef auch die angeblich unbezahlten Rechnungen. "Wir sind doch keine Wilden, wir haben einen festen Wohnsitz und natürlich eine ordentliche Anschrift. Da hätte man uns doch längst gepfändet", weist er die Anschuldigungen zurück. Und auch für die vermeintlich oft wechselnden Namen hat er eine Erklärung. Wir sind sieben Geschwister, fünf davon haben jeweils eigene Zirkusunternehmen. Andererseits haben wir alle einen gemeinsamen Wohnsitz und damit die gleiche Anschrift."

Am Freitag erwartet der Circus Afrika seine ersten Besucher. Die Stars der Manege, also die Dickhäuter, werden vorher unter "öffentlicher Anteilnahme" gebadet, können sich im Sand oder Schlamm suhlen. "Die Elefanten lieben Schlamm" heißt es im Programmheft. Und vielleicht wäre es gut, man würde ausschließlich den Dickhäutern die Schlammschlacht überlassen. Die fühlen sich auch noch wohl dabei.

Vorstellungen

Der Circus Afrika gastiert vom 12. bis 21. August auf dem Gelände des Plauen Park. Vorstellungen finden freitags und samstags 15 und 19 Uhr statt, montags und dienstags nur 17 Uhr. Mittwoch und Donnerstag sind Ruhetage. Die Vorstellungen am Montag und Dienstag, jeweils 17 Uhr, gelten als Familientage, dann kosten alle Plätze acht Euro (außer Loge). Zum Kindermitmachcircus freitags zahlen Erwachsene Kinderpreise. Tickets unter 0175/3333020 oder an der Kasse, täglich von 11 bis 12 Uhr.