Chursächsische Festspiele beginnen

Bad Elster "Deutschland - Kultur aus 16 Ländern" lautet das diesjährige Motto der Chursächsischen Festspiele, die am 11. September in Bad Elster mit einem Konzert des letzten DDR-Ministerpräsidenten beginnen.

 

Er freut sich geradezu spitzbübisch, diesen Coup gelandet zu haben. Zur Eröffnung der nunmehr 10. Chursächsischen Festspiele am 11. September in Bad Elster wird Generalmusikdirektor Florian Merz den Taktstock für "Eroica" heben und nicht nur "seine" Chursachsen dirigieren, sondern zugleich auch den letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maiziere, der auf der Viola konzertieren wird. Und: Es ist nicht der einzige de Maiziere an diesem Abend. Auch Cousin Thomas de Maiziere, amtierender Bundesinnenminister wird zugegen sein.

 

In einem Einführungsgespräch vor dem Konzert will Merz so viel wie möglich Privates aus beiden "herauskitzeln", sie nach ihren musikalischen Geschmäckern und vielem mehr befragen, avisiert er schon mal während des gestrigen Pressegespräches zur Vorstellung des hochkarätigen Programms. Zugleich erinnert er an die Anfänge - ein dreitägiges Event, ebenfalls beginnend an einem 11. September (dem 11. September) vor zehn Jahren. Damals stand Italien als Land im Mittelpunkt. Es sollten Spanien und mehrere andere folgen, bevor man sich im Vorjahr inhaltlich auf Russland konzentrierte.

 

Nun, für das Jubiläumsjahr der Einheit, sei die Idee geboren worden, alle 16 Bundesländer kulturell in den Focus zu rücken. "Ich bin stolz auf meine Mannschaft, die das Programm zuammengestellt hat", sagt Merz, und in der Tat darf sich das Festspielpublikum auf eine ganze Reihe Höhepunkte freuen.

Da wäre nach erwähntem Eröffungskonzert am folgenden Tag die Vernissage zur Fotoausstellung von Piet Joehnk, der für Sachsen "an den Start" geht. "Die Mauer von der anderen Seite", so der Titel und genau darum geht es. Als Hobbyfotograf lichtete Joehnk in den 80ern die Mauer samt ihrer vielen Graffities von der Westseite ab. Eine gedankliche Einheit bildet dann die Vinnissage am 25. Oktober, dem 21. Jahrestag der poltischen Wende in Bad Elster. Regisseurin Angela Zumpe begibt sich auf filmische Spurensuche ihres Bruders, der vom Westen in den Osten ging. "Körner, Currywurst, Kenia" lautet der Titel des Programms von Olympiasieger Dieter Baumann, der sich am 17. September fürs "Ländle" als Kabarettist beweisen will, bevor er am nächsten Tag am 1. Königslauf Bad Elster teilnimmt, für den bis dato bereits 60 Anmeldungen ambitionierter Freizeitläufer vorliegen.

Als weitere Höhepunkte gelten die Konzert-Lesung des Urbayern Konstantin Wecker am 18. September, der Otto-Reutter-Abend von Walter Plathe, der einen Tag später "Alles weg?n de Leut?" macht und das Konzert von Ute Freudenberg und Band, die den Sachsen am 25. September "ihr" Thüringen näherbringen will.

"Eulenspiegeleien" präsentieren die Berliner Edgar Külow und Ernst Röhl einen Tag später - allerdings für Niedersachsen. Kenner wissen: Eulenspiegel war gebürtiger Niedersachse. "Binndannda!" verkündet im schönsten Hessisch das Badesalz-Duo am 1. Oktober, während einen Tag später "Literarisches Tafeln mit den Buddenbrooks" angesagt ist. Den Gästen wird genau das gleiche Speisenmenü kredenzt, wie es im Buch Erwähnung findet. Beethovens "Fidelio" bildet den glanzvollen Abschluss am Tag der Einheit. tp