Christian Nürnberger stellt in Greiz neues Buch vor

Greiz - Eigentlich sei sein Buch für Jugendliche gedacht, um ihnen "eine personelle Alternative zu Dieter Bohlen und Heidi Klump" aufzuzeigen, sagt Christian Nürnberger. Versammelt hat der Autor, Journalist und Ehemann von ZDF-Moderatorin Petra Gerster darin Porträts von Kämpfern für Freiheit und Menschenrechte, allesamt "Mutige Menschen", so auch der Titel.

 

Eine mutige Frau allerdings stand besonders im Mittelpunkt bei Prominente im Gespräch: die Frauen-, Menschen- und Bürgerrechtlerin Ayaan Hirsi Ali. Ein Abend, mit ausnehmend hoher Prominentendichte. Denn neben Nürnberger waren auch seine Gattin Petra Gerster und Dresdens Frauenkirchenkantor Matthias Grünert zu Gast.

Entsprechend eng wurde es angesichts des Publikumsandrangs im Weißen Saal des Unteren Schlosses Greiz. Und weil sie der Tochter den Umzug zum Studium nach Leipzig gefahren hätten, seien sie wohl das erste Autorenpaar, das mit einem Lieferwagen angereist sei, erklärte Nürnberger und entschuldigte sich zugleich für seine eher legere Kleiderordnung inklusive dem vom Initiator der Reihe, Harald Seidel, geborgten weißen Hemd.

 

 Im Durcheinander habe Nürnberger schlicht seinen Anzug zu Hause vergessen. Eine heitere Episode, der die gesamte Brisanz dieser Folge von Prominente im Gespräch folgte. Es war der Mord an dem holländischen Filmemacher und Regisseur Theo van Gogh, mit dem Nürnberger seine Ausführungen zu der 1969 in Mogadischu/Somalia geborenen Muslima Ayaan Hirsi Ali. Der islamistische Fundamentalist Mohammed Bouyeri hatte am 2. November 2004 van Gogh in Amsterdam auf offener Straße erschossen, ihm die Kehle durchgeschnitten und ein Messer in die Brust gerammt. Der Grund für den Mord, van Goghs Kurzfilm "Submission", mit dem er angeblich den Islam beleidige. Ein Film, der in Zusammenarbeit mit der in Holland lebenden Islam-Kritikerin Ayaan Hirsi Ali entstand, deren Leben ebenfalls und nicht erst seit dem Film bedroht wird.

Alis Kritik am Islam kommt aus ihrem Innersten, aus ihrer Biografie, machen sowohl Nürnberger in seinem Porträt über die Menschenrechtlerin als auch Petra Gerster mit einem Auszug aus Alis Buch "Ich klage an" deutlich. Die Misshandlungen in ihrer Kindheit, die Flucht vor der Zwangsheirat, das Wissen über die mittelalterliche Sexualmoral der Muslime und die damit verbundene Unterdrückung der Frauen, lassen sie zu einer Streiterin für die westlichen Werte werden. Ihre Appelle fordern ebenso eine kritische Distanz zu übertriebenen Verständnis der Europäer und vorzugsweise der Linksliberalen mit der Kultur des Islam. Der selbstkritische Umgang mit dem religiösen Aussagen und der historischen Entwicklung, wie ihn die christlichen Kirchen bereits hinter sich haben, stehe dem Islam noch bevor, konstatiert Ali in ihren Schriften.

Frauenkirchenkantor Matthias Grünert schuf am Cembalo den musikalischen Rahmen der Lesung. Einleitend mit Girolamo Trescobaldis getragen-traurigem Werk "Pertite Sopra La Monica", präsentierte er in brillanter Interpretation ein passendes Stimmungsbild, das dem Thema des Abends nicht nur gerecht wurde, sondern es ebenso unterstrich.  jks