Charme, Schalk und Biss

Auerbach - Peter Sodann, alias Tatort-Kommissar Bruno Ehrlicher, kam, sah und siegte. Am Dienstag Abend gastierte das künstlerische Multitalent in Auerbachs Göltzschtalgalerie und sorgte dort für einen brechend gefüllten Zuschauerraum.

 

Angekündigt war Peter Sodann mit einer Lesung seines aktuellen Buches "Keine halben Sachen". Wortwörtlich verbrachte der Schauspieler aber die Hälfte der Veranstaltung mit amüsanten Plaudereien.

Zu Beginn seines Vortrages packte der in Halle lebende Sodann eine Spieluhr aus. Aufgezogen ertönte dann aus dieser die "Internationale". "Als betender Kommunist bin ich der internationalen Arbeiterklasse eng verbunden", erklärte der Schauspieler mit einem verschmitzten Lachen.

Mit einem erstaunten Blick ins der reiferen Generation angehörende Publikum wechselte Sodann sofort zum prekären Thema der menschlichen Blasenschwäche. Mit der bissigen Bemerkung "ihr seit ja alle auch schon ziemlich alt", empfahl er seinen Gästen die Verwendung von "Granufink" und bat um ein Zeichen, wenn jemand zur Toilette müsste. "Ich muss in meinen Jahren auch oft pinkeln. Wenn ihr wollt, kommt einfach mit", forderte Sodann auf.

Dass er dabei als Kandidat zum Bundespräsidenten einiges an Würde aufs Spiel setzen könnte, schien ihm egal. "Mich wählt sowieso keiner in das hohe Amt", entschärfte der Schauspieler diese Vermutung.

Im zweiten Teil seiner Pseudo-Lesung griff Sodann endlich zum Buch. In "Keine halben Sachen" erzählt der 73-jährige über die Höhen und Tiefen seines Lebens. Er plauderte über sein proletarisches Elternhaus, über sein Leben als Lehrling, über die Erlebnisse am 17. Juni 1953 und natürlich aus seinem Schauspieler-Job. "Seitdem ich zum Bundespräsidenten kandidiere habe ich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Auftrittssperre. Hoffentlich ist die Zeit bald vorbei", so der beliebte Tatort-Kommissar.

 

Die Gunst der Stunde nutzte Auerbachs "Buch und Kunst" Fachgeschäft und brachte den 230-seitigen Erinnerungs-Roman von Peter Sodann mit klingelnder Kasse unters Volk. "Alles ausverkauft!" meldete Buchhändlerin Männel schon während der Pause. Peter Sodann fühlte sich in seiner Entscheidung bestätigt, nur die Hälfte aus dem Buch vorzutragen. "Ich mag eigentlich keine halben Sachen. Nun müssen die Leute meinen Roman eben kaufen und den Rest zuhause lesen", so das Fazit des Schriftsteller-Kommissars.  H. Hartwig