"Charleston, Bubikopf, und Knickerbocker"

Der Ball des Theaterfördervereins wird volljährig: Am 7. März begeht er seine 18. Auflage. Was wünscht man einem nunmehr Erwachsenen, der seinen Erzeugern selbst in der Pubertät viel Freude bereitete? Man wünscht ihm viel Charleston, Bubikopf und Knickerbocker. Denn das ist das Motto des Balles.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Man darf sich auf optische Opulenz freuen, bevor sich der Vorhang hebt, die Gala beginnt, das Buffet eröffnet ist. Denn ein Geschäftsführer in Knickerbockern, eine geachtete Lehrerin - so was solls noch geben - im Charlestonkleid mit langer Zigarettenspitze oder die eigentlich längst ergraute Seniorin mit feschem schwarzem Bubikopf, all sie werden sich am Abend des 7. März im Theater treffen, um bis in die Morgenstunden zu schwofen und zu genießen. Man habe die 20er Jahre in die 20er Jahre geholt, erklärt Pressesprecherin Carolin Eschenbrenner schmunzelnd die Intention des Abends. Und überlässt ganz ladylike Helko Grimm vom Theaterförderverein das Verkünden der schlechten Nachricht.
Gesellschaftliches
Ereignis für Plauen

Am 3. Tag des Vorverkaufsbeginns im November waren die besten Karten ausverkauft. Man überlege, weitere Tische im oberen Rang, den Seitengängen, im Löwelfoyer aufzustellen, aber auch nur, um die Wartelisten der noch Hoffenden etwas zu kürzen. Dennoch: Eine geschlossene Gesellschaft der Reichen und Schönen wird sich an diesem Abend nicht selbst feiern. Denn obwohl der Ball für Plauen ein gesellschaftliches Ereignis darstelle, habe er nichts Elitäres, versichert Grimm aus langjähriger Erfahrung. Und was die Teilnahme betrifft: Tanzkarten sind noch vorrätig - übrigens zu einem Zehntel des Preises derer vom Wiener Opernball, gegen den der Maitre de Plaisier später noch eine kleine Giftspritze zückt. Für Ballgäste mit Tanzkarte sind alle Feier-Bereiche des Hauses ab 22 Uhr geöffnet, auch Tickets, die lediglich zum Besuch des Programms berechtigen, sind noch zu haben.
Was aber erwartet die - so darf man angesichts des Mottos hoffen - leicht frivole Gästeschar? Wiederholungstäter wissen: Alles beginnt gegen 18.30 Uhr mit einem Glas Sekt, angeboten vom Hausherrn und dem Vorstand des Theaterförderverein bereits im Foyer. Nachdem die Perücken ein letztes Mal gerichtet und die Knickerbocker an Bauch und Hüften auf Sitz geprüft wurden, beginnt 19.30 Uhr die Gala. Mit Musik von Gershwin und Weill, von Kalman und Lehar und vielen anderen, die den vermeintlich Goldenen 20enr ihren kompositorischen Stempel aufdrückten. Es singen die Solisten des Opernensembles, es tanzen die Damen und Herren des Balletts. Die schaurige Moritat von Mackie Messer erzählt Sebastian Seitz und Schauspielerin Sabrina Pankrath weiß, "Jede Gnädige, jede Ledige trägt einen Bubikopf".
Flair der 20 er und
Erlesenes vom Buffet

Natürlich wird auch getanzt - und zwar im Walzertakt der Herren Strauss und Linke. Für den geschmackvollen musikalischen Mix zeichnen Michael Konstantin und Vladimir Yaskorski verantwortlich, während Musikdirektor Jürgen Pöckel die Moderation obliegt. Dass auch die Bühne das Flair der 20er atmet, dafür sorgen Thurid Goertz und eine ganze Schar von Leuten, die im Wortsinne nie im Rampenlicht stehen: Die Handwerker verschiedener Bereiche des Hauses. Und was wäre ein Ball ohne die Klänge des Philharmonischen Orchesters. Alsdann darf gespachtelt werden, wie der Vogtländer sagt - Erlesenes vom Buffet erwartet die Gäste mit entsprechender Eintrittskarte. Im weiteren Verlauf des Abends sorgen die "Cosmic Lights" aus Zwickau dafür, dass die eine oder andere Kalorie sich gar nicht erst an Charlestonkleid und Knickerbocker festsetzt. Die studierten Musiker bieten einen Cocktail aus Schlagern der 20er und 30er, Evergreens, Latin und Pop.
Im Löwel-Foyer im zweiten Rang servieren ab 22 Uhr die DJs der Alpha-Disko 72 Bekömmliches vom Plattenteller. Auf der Kleinen Bühne geht es derweil Lateinamerikanisch zu - für Freunde des argentinischen Tango seit vielen Jahren ein Muss. Jörn Guth, gewissermaßen der Statthalter des Tango im Vogtland, konnte die Band "Bandonegro" verpflichten, Musiker, die vor zwei Jahren aus Polen ihren Erfolgszug durch Europa antrat. Zum Showtanz laden zudem Tanya Guiterrez und Sebastian Avendano aus Kolumbien. Wer schon mal die ersten Schritte üben oder wenigstens sehen möchte: Am Freitag, 6. März, findet in der Alten Röste eine Milonga de mis Amores statt. Für die Kleine Bühne sind übrigens noch Tickets im Vorverkauf und an der Abendkasse erhältlich.
Mitternachtsquadrille
als einer der Höhepunkte

Und dann steuert der Abend auch schon auf einen weiteren Höhepunkt zu: die Mitternachtsquadrille, wie seit gefühlt den 20er Jahren angeführt von Maitre de Plaisier Helko Grimm. Angefangen habe man mit zehn Personen, was rein rechnerisch einer Quadrille widerspricht, erinnert sich Grimm. Inzwischen hat sich die Schar der Quadrillaner vervielfacht. In Wien gibt es keinen Opernball ohne Quadrille, ergänzt der Maitre, der sich als TV-Zuschauer von den dort gezeigten Schritten in diesem Jahr ziemlich enttäuscht zeigt. Und überdies hat er einen schmerzlichen Abbruch einer Tradition zu verkraften. Seit Jahren führte ein hochbetagtes Damenduo - 95- und 93-jährig - die Quadrille an. Letztere starb dieser Tage. Auch er macht Anfängern Mut: Am 29. Februar findet in der Tanzschule Swing von 14 bis 16 Uhr ein kleiner Einstiegskurs statt.
Wer keine Knickerbocker oder ein Charlestonkleid geerbt hat, für den bietet der Kostümverleih des Theaters montags und dienstags seine Dienste an. Und alle anderen, die ausnahmsweise mal auf ihre Jeans verzichten können, sind ebenfalls willkommen.