CDU wählt neues Dreigestirn

Der bisherige Interimsvorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Jörg Schmidt, ist nun auch dessen "richtiger" Chef. Am Freitag wurde er auf einer Mitgliederversammlung der Christdemokraten an die Spitze gewählt. Stellvertreter sind Frank Heidan und Lennart Schorch.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Die Tagesordnung war lang, wie es eben so ist, wenn mehrere Ämter zu vergeben sind und einzeln darüber abzustimmen ist. Da hatte wohl der eine oder andere insgeheim gehofft, dass wenigstens der Punkt "Aussprache" schnell abgehakt sein würde. Doch es sollte anders kommen. Zunächst aber Bestandsaufnahme. Sechs Mitglieder haben der CDU im Vorjahr den Rücken gekehrt, fast doppelt so viele - nämlich 13 - baten um Aufnahme. Ein kaum zu toppendes Alleinstellungsmerkmal konnte Karl Kämpf für sich beanspruchen. "Ich war mein Leben lang Demokrat und bin auch jetzt noch offen für Neues", begründete der 90-Jährige seine Entscheidung, gewissermaßen ad hoc eines der ältesten CDU-Mitglieder Plauens zu werden.
In seinem Vorstandsbericht ließ Jörg Schmidt nicht nur das zurückliegende Jahr Revue passieren, er schlug auch Töne an, für die er mehr als den obligatorisch-höflichen Beifall bekam. Ja, die CDU sei ein lebendiger, aktiver Stadtverband, was in heutigen Zeiten nicht selbstverständlich sei. Damit nahm er Bezug auf den Wahlkampf auf Landes- und kommunaler Ebene im Vorjahr. Der Landeswahlkampf sei einer der härtesten in der Geschichte der Partei in Plauen gewesen. Und wohl auch einer der schmerzlichsten, denn die Niederlage des langjährigen Landtagsabgeordneten Frank Heidan gegen AfD-Mitbewerber Frank Schaufel hätte mit 18 Stimmen nicht knapper ausfallen können. "Bitter und traurig", reflektierte Schmidt diese Entwicklung und wandte sich direkt an seinen künftigen Stellvertreter Heidan, dessen Haltung von persönlicher Größe zeuge. Heidan hatte sich nach seiner Wahlniederlage von allen Parteiämtern zurückgezogen.
Die Gesellschaft habe sich verändert, der Umgang sei roher geworden, Spaltungstendenzen, auch in der Partei, seien unübersehbar gewesen, so Schmidt weiter. Es gelte, die Arbeit auf breitere Schultern zu delegieren, das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen und gemeinsam neue Wege zu gehen. Doch Schmidt ging weiter und wurde deutlicher. "Wie müssen andere Meinungen aushalten", sprach er nicht über, sondern vielmehr in die Köpfe der Anwesenden. "Aufstehen ist die Devise und nach Ursachen suchen", eröffnete Heidan die folgende Aussprache, um nach wenigen Worten zum Angriff überzugehen - und zwar gegen die ebenfalls anwesende Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas. Er bezog sich auf deren parteiinternen Brief, in dem sie kurz vor den Landtagswahlen die durch Heidan erfolgte Einladung des ehemaligen Geheimdienstchefs Maaßen nach Plauen klar missbilligt hatte. "Ich werde das nicht durchlaufen lassen" hieß es in dem Schreiben wörtlich - und diese Passage bezog Heidan nicht unbedingt aus der Luft gegriffen auf sich. Der einstige Landtagsabgeordnete wörtlich: "Wenn wir andere Meinungen nicht dulden, dann ist die CDU kein Ort mehr für mich, ich will keine DDR 2.0." Grund genug für Magwas, auch außerhalb ihre noch ausstehenden Grußadresse das Wort zu ergreifen, um die Intention dieser Briefpassage nochmals aus ihrer Sicht zu erläutern. Unverhohlene Kritik an einem Parteifreund, der als Landtagsabgeordneter den Plauener CDU-Senioren den Besuch einer buddhistischen Einrichtung in Adorf "ausreden" wollte, äußerte Mario Martin. Der klugen und ausgewogenen Tagungsleitung Steffen Zenners war es letztlich zu danken, dass die Aussprache nicht im "Klein-Klein" versandete, als auch noch die allgegenwärtige Müllproblematik zum Diskussionspunkt avancierte. Dem Wahlprozedere folgte schließlich die Verkündung des Wahlergebnisses. Demnach vereinte Jörg Schmidt als einziger Kandidat für das Amt des Stadtverbandsvorsitzenden 41 Stimmen der insgesamt 46 Wahlberechtigten auf sich,was einer "Erfolgsquote" von 95,3 Prozent entspricht. Zu seinen Stellvertretern wurden Frank Heidan (75,5 Prozent) und Lennart Schorch (86,7 Prozent) gewählt. Ebenfalls angetreten war Mario Martin (8,9 Prozent). An die Stelle von Schorch als bisherigem Schatzmeister wurde Matthias Gräf gewählt. Der empfohlene Frauenproporz ließ sich übrigens nicht einhalten. Da wird man sich entsprechend des Bekenntnisses zum gegenseitigen Umgang miteinander noch mal die Meinung sagen müssen.