CDU kündigt Konsequenzen an

Blechschmidts Äußerung zu Homosexuellen hat eine Welle der Entrüstung in ganz Sachsen ausgelöst. Der CDU-Stadtrat und Ortschaftsrat sei "menschenverachtend". Die CDU Vogtland distanziert sich von der "Einzelmeinung" des Straßbergers.

Plauen - Die Äußerungen des Plauener CDU-Stadtrates und Straßbergs Ortschaftsrates, Dieter Blechschmidt, über Homosexuelle haben in ganz Sachsen für Wirbel gesorgt. In den Augen des 50-jährigen Kommunalpolitikers sind Schwule krank. Der Vogtland-Anzeiger berichtete am Samstag.

Die CDU Sachsen und auch die CDU Vogtland haben sich klar von Blechschmidts Meinung distanziert. Es sei eine Einzelmeinung, so CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer. "Die Äußerungen haben eine Qualität, die Menschen verletzen und diskriminieren." Blechschmidt sollte nochmals über dieses Thema nachdenken und sich überlegen, wie er darüber öffentlich spricht, sagte Kretschmer auf Anfrage. Die CDU respektiere Homosexualität, sie gehöre zur Gesellschaft dazu. Wer sich zu diesem Thema äußere, sollte dies in einer entsprechenden Form tun. Über einen möglichen Parteiausschluss Blechschmidts denke die CDU Sachsen derzeit aber nicht nach.

Der Plauener SPD-Ortsvereinsvorsitzende Benjamin Zabel fordert den Rücktritt des Straßbergers, der neben Pressesprecher der CDU-Stadtratsfraktion auch stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender ist. Vogtland-CDU-Chef Sören Voigt kündigt Konsequenzen an. "Wir werden uns mit der Thematik auseinander setzen." Voigt will in den nächsten Tagen mit Blechschmidt sprechen - auch über seine Position. Kopfschütteln und Verwunderung habe die Einstellung bei Voigt ausgelöst. "Das ist nie Thema in der CDU gewesen. Wir respektieren jede Art des geschlechtlichen Miteinander", so Voigt. Die Diskussion sei überflüssig und nicht zeitgemäß. "Ich habe in meinem Umfeld selbst gleichgeschlechtliche Freunde und mit denen ein hervorragendes Verhältnis", sagt Voigt.

 Der Plauener CDU-Landtagsabgeordnete und Stadtverbandsvorsitzende Frank Heidan äußert sich eher zurückhaltend. "Es ist sicherlich eine Privatmeinung. Ich kann mich derer nicht anschließen." Distanzieren wollte sich Heidan nicht: "Seine private Meinung habe ich nicht zu beurteilen." Blechschmidt werde seine Äußerungen fundiert haben, meint Heidan. "Dies kann nicht die Meinung der CDU sein. Sie würde allem widersprechen was in den Kreisen und Verbänden der Partei gesprochen wird."

Menschenverachtend nennt Tilman Loos vom Landesvorstand der sächsischen Linken die Äußerung von Blechschmidt. "Dass Blechschmidt die scharfe Kritik an seiner homophoben Äußerung im Nachgang selbst als intolerant bezeichnet hat, stellt die Sache vollends auf den Kopf", so Loos und weiter: "Es sind nicht die Liebenden, die offenkundig Hilfe nötig haben, sondern der von Unkenntnis und Hass getriebene CDU-Politiker Blechschmidt."

Auslöser für die Welle der Empörung war ein Kommentar beim sozialen Netzwerk Facebook. Hier schrieb Blechschmidt, dass "Lesben und Schwule nichts für ihre Krankheit können". Ihnen müsste Hilfe angeboten werden. In den vergangenen Monaten war in Sachsen eine Kontroverse über die Rechte von homosexuellen Pfarrerinnen und Pfarrer entbrannt. Rund 100 Kirchengemeinden hatten sich zur "Sächsischen Bekenntnis-Initiative" zusammengeschlossen und für den Fall einer Relativierung des Leitbildes von Ehe und Familie durch die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche mit einer Kirchenspaltung gedroht. Die Synode beschloss dennoch, dass Pfarrerinnen und Pfarrer in Sachsen künftig in Einzelfällen mit ihren Partnern im Pfarrhaus leben dürfen.

Dieter Blechschmidt gehört zu den größten Kritikern. Er sprach sich bereits zuvor generell gegen die Besetzung von Pfarrer-Stellen durch Homosexuelle im Freistaat aus.