Campus-Kita noch zu retten?

Schließt die Campus-Kita der GK Software Schöneck zum 31. Januar 2020 und IT-Experten siedeln sich in den frei werdenden Kita-Räumen an? Oder besteht Hoffnung, die Einrichtung zu retten?

Von Marlies Dähn

Schöneck Ein scharfer Nordwind wirbelt auf dem Balkon des Vogtlandes nicht nur Herbstlaub auf. Reichlich Wirbel verursachte bisher auch die Bekanntgabe des IT-Unternehmens GK Software, ihren Betriebskindergarten "Pixel" nach nur einem Jahr wieder zu schließen. In der hübsch gelegenen Einrichtung auf dem Campus brennt am Donnerstagmorgen Licht. Kleine Gummistiefel haben von außen gut sichtbar Aufstellung genommen, ein aufgeklebter Löwe blickt aufmunternd in die Runde, in den Nebenraum werden derweil von herbeieilenden Eltern die Kinderwagen geschoben. In der "Pixel"-Kita kümmern sich vier Vollzeitkräfte abwechselnd liebevoll um 18 Kinder im Alter von 1 bis 4 Jahren. Die Einrichtung sei einmalig und familiär, freuten sich die Eltern über dieses zusätzliche Angebot. Das leckere Essen kommt aus der Campus-Küche gleich nebenan und wird täglich frisch zubereitet. Beliebt bei den Knirpsen sei auch ein Praktikant, der hier in der Kita seine Ausbildung begonnen hat, berichten die Eltern. Alles schien perfekt. Nun kam der Hammer. Zunächst hieß es, die Kita mache zum Jahresende im Dezember dicht. Nun solle sie bis 31. Januar geöffnet bleiben. Die Stimmung ist aufgewühlt. Die Schließungspläne greifen tief in familiäre Abläufe und Strukturen. Nicht immer gelingt es den Eltern, diese bedrückenden Neuigkeiten und Sorgen vor den Kindern abzuschirmen. In Gruppen stehen sie vor der Kita zusammen, diskutieren und hoffen. Sollte ein Weg gefunden werden, die Kita doch noch zu retten, sie würden ihre Kleinen gern weiter in der Campus-Kita betreut wissen. Besteht Hoffnung? Und wie konnte es zur Schließung kommen? Wurde falsch kalkuliert? War Unternehmer Rainer Gläß einfach nur zu blauäugig an die Sache herangegangen? Wer hat hier Fehler gemacht? Er könne hier niemanden kritisieren, sagt Rainer Gläß. "Auch wenn keiner Fehler gemacht hat, ist das Ergebnis trotzdem fatal." Ob "zu blauäugig" oder doch eher mit "überbordendem Optimismus" - der Campus-Kindergarten sei eine "Herzensangelegenheit". Vor die Eltern zu treten, sich der Diskussion zu stellen, die Schließung bekannt zu geben, sich zu erklären, sei nicht spurlos an ihm vorübergegangen, räumt Gläß im Gespräch ein. Ursprüngliche Idee war, Kinder von GK-Software-Mitarbeitern in der Städtischen Kita "Sonnenwirbel" unterzubringen. Es habe Gespräche gegeben in Sachen angepasste Öffnungszeiten zum Beispiel. Letztlich konnte man sich nicht einigen. So reifte der Entschluss, einen Betriebskindergarten zu schaffen am Campus. Nach einem Jahr der Betreibung gab es nun die Auflage seitens des Aufsichtsrates, die Kita in den Bedarfsplan aufzunehmen, um staatliche Zuschüsse zu erhalten. "Ich konnte die Auflage des Aufsichtsrates nicht erfüllen" erklärt Gläß. So verkündete er die Schließung und folgte damit dem Beschlusses des Aufsichtsrates der Gesellschaft. Er könne die Entscheidung des Aufsichtsrates nachvollziehen, sagt Gläß. Sie wurde unausweichlich, nachdem das Landratsamt die Aufnahme der Kita in den Kita-Bedarfsplan des Vogtlandkreises abgelehnt hatte. Im Landkreis bestehe laut Amt Überkapazität bei Kindertagesstätten. Auch in der Schönecker Kindertagesstätte "Sonnenwirbel" sind demnach genügend Plätze frei. Laut Landratsamt verfügt die städtische Kita in Schöneck über eine Kapazität von 52 Krippen- und 126 Kindergartenplätzen. Stand Juni 2019 sind davon 39 Krippen- und 86 Kindergartenplätze belegt. Daher sehe sich auch die Stadt Schöneck nicht veranlasst, zusätzliche Plätze in die kommunale Bedarfsplanung aufzunehmen und diese damit anteilig mitzufinanzieren, heißt es seitens des Jugendamtes in einer Mitteilung. Der Vorstand von GK Software habe bis zuletzt intensiv nach einer Lösung gesucht. Doch ohne die staatlichen Kita-Zuschüsse sei die Kita nicht zu halten. Zumal nicht nur Kinder von Mitarbeitern die Einrichtung besuchen. "Für diese Kinder müssten wir ansonsten pro Jahr und Platz etwa 20.000 Euro aufbringen", so Gläß. Der nahegelegene kommunale Kindergarten der Stadt Schöneck hatte sich sofort nach Bekanntwerden der Schließung der "Pixel"-Kita bereit erklärt, einen nahtlosen Übergang der Betreuung der Kinder zu gewährleisten. Doch offensichtlich wendet sich jetzt das Blatt und für die Eltern besteht die berechtigte Hoffnung, dass die Campus-Kita auch über den Januar 2020 weiter betrieben werden kann, wie ein Gespräch mit Landrat Rolf Keil ergab. Er habe erst verspätet von der Problematik Kenntnis erhalten, ebenso der stellvertretende Landrat, Dr. Uwe Drechsel. Freilich sei der Vogtlandkreis in der Pflicht einzugreifen, wenn Kommunen den Bedarf an Kita-Plätzen nicht abdecken können. "Dann erteilen wir Auflagen, zusätzliche Kita-Plätze zu schaffen", gibt Keil Auskunft. In Schöneck sei der Fall anders herum. Hier habe die städtische Kita zwar noch Plätze frei. Jedoch sei aufgrund der Sicherung betrieblicher Abläufe bei GK ein zusätzliches Angebot entstanden. Auch hier habe man aufgrund der Dringlichkeit Handlungsspielraum. Die Lösung des Problems sei im Grunde einfach. Stadt Schöneck und Unternehmen setzen sich zusammen und handeln einen Vertrag aus. Die Stadt erkenne damit den Bedarf an, beantrage die Zuschüsse und reiche sie an den Kita-Betreiber weiter. Laut Landrat müsste die Zeit bis Januar ausreichen, die entsprechende Kooperationsvereinbarung auf den Weg zu bringen und per Stadtratsbeschluss abzusichern. Eine diesbezügliche Empfehlung ging auch an die Stadt Schöneck.