Busumbauer legt Fokus auf E-Technologie

Bekannt wurde der Busbauer MAN in Plauen, weil sie den Bus für die Fußball-Nationalmannschaft veredelten. Nun wollen sie vor allem elektrische Kleintransporter in den Blick nehmen. Das Unternehmen sucht einen Weg aus der Krise.

 In den Produktionshallen geht die Arbeit weiter, auf 60 000 Quadratmetern wird lackiert, montiert, gebaut: Nach Umsatzeinbrüchen in der Corona-Krise und drohenden Stellenstreichungen im Unternehmen will der Plauener Busumbauer MAN Bus Modification Center (BMC) nach vorn schauen.
"Trotz der gegenwärtigen Krise sehen wir uns durch unseren stärkeren Fokus auf die Elektromobilität und auf individuelle Kundenwünsche gut für die Zukunft aufgestellt", sagt Marcus Galle, Betriebsratsvorsitzender von BMC Plauen, der Deutschen Presse-Agentur.
Im März hatte der Lastwagenbauer MAN, der zur VW-Tochter Traton gehört, einen massiven Stellenabbau angekündigt - ohne jedoch Details zu nennen. Laut Berichten stehen rund 6000 Arbeitsplätzen auf der Kippe. "Über die in der Presse genannten Personalreduzierungen bei MAN können wir in Plauen nichts sagen", so Galle. Auch die Geschäftsleitung verwies zur Lage in Plauen an den Betriebsrat.
Derzeit geht die IG Metall Zwickau davon aus, dass das Plauener Werk mit 150 Beschäftigten nicht von den Stellenstreichungen bei MAN betroffen ist. "Aber die Frage ist, in welche Richtung sich der Standort entwickeln möchte. Um zukunftsfähig zu sein, wird der Schwerpunkt auf Busmodifikationen nicht ausreichend sein. Es braucht Diskussionen, welche Geschäftsbereiche dort zusätzlich angesiedelt werden könnten", sagt der Erste Bevollmächtigte, Thomas Knabel.
Die Corona-Krise sei nur eine Art Brennglas auf die ohnehin vorhandenen Probleme der Fahrzeughersteller. Rund 100 000 Menschen seien in Sachsen von der Automobilindustrie abhängig. Bei MAN in Plauen geht man davon aus, dass bis 2030 rund 60 Prozent aller Fahrzeuge im ÖPNV elektrisch fahren. "Auch wir beteiligen uns an dieser Trendwende in der Automobilindustrie", so Galle.
Ein Schwerpunkt sei der Ausbau von Elektrobussen und der Elektroshuttle eTGE, ein vollelektrischen Kleintransporter.
Im vergangenen Jahr machte das Plauener Werk mit Umbauten für den Bus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf sich aufmerksam - mit einer Komforttoilette, Schrankelementen, absenkbaren Tischen und vielem mehr. "Wir konnten zeigen, zu welch hochwertigen Ausstattungen wir in der Lage sind", sagt Galle. Auch das Frauen-Nationalteam, die U 21-Nationalmannschaft und andere internationale Fußballclubs und Sportmannschaften fahren mittlerweile in maßgeschneiderten Bussen aus dem Plauener Werk.
Alle Fahrzeughersteller stünden vor der Frage, wie die Antriebstechnologie in den nächsten Jahrzehnten funktionieren soll, so Knabel. "Geklärt werden muss, wie dieser Strom der neuen Technologien gespeichert werden soll - über Batterien oder einen Wasserstoffantrieb." Katrin Mädler