Busse rollen durchs ganze Land

Oberfranken bekommt noch im Frühjahr ein dichtes Fernbusnetz. Von Hof geht es zum Flughafen Frankfurt, von Kulmbach nach München und nach Zürich. Auch für die Vogtländer könnte das Angebot interessant sein.

Plauen/Hof - Vom 2. April an hat Hof wieder eine Direktverbindung mit dem Frankfurter Flughafen. An diesem Tag verlässt ein Bus des Hollfelder Unternehmens Wunder um 5 Uhr den Hofer Hauptbahnhof, Ankunft am größten Flughafen Deutschlands ist 9.55 Uhr. Zusteigemöglichkeiten bestehen in Bayreuth, Bamberg und Würzburg. Die Linie wird an allen Werktagen bedient; auf der längsten Strecke kostet das Ticket 39 Euro. Um 13 Uhr beginnt die Rückfahrt in Frankfurt, um 18.05 Uhr ist der Bus wieder in Hof.

Das Hollfelder Familienunternehmen ist damit der Pionier eines neuen Zeitalters der Fernbusse innerhalb Deutschlands. Erst seit Jahresbeginn ist es privaten Anbietern überhaupt erlaubt, Fernbuslinien innerhalb Deutschlands zu betreiben. Zuvor bewahrte das Personenbeförderungsgesetz den Monopolisten Bundesbahn vor unerwünschter Konkurrenz. Ausnahmen gab es nur beim grenzüberschreitenden Verkehr innerhalb der EU.

"Ich bewundere die Firma Wunder über den Mut, in so eine neue Linie zu investieren. Aber ich bin skeptisch, ob die Linie gut ausgelastet sein wird und sich tragen kann", sagt Thomas Schwui, Geschäftsführer der Plauener Omnibusbetriebe. Schwui spricht aus Erfahrung, haben doch die vogtländischen Bus-Unternehmen im Verbund die Berlin-Strecke von der Vogtlandbahn übernommen. Täglich fährt der Bus 5.40 ab Reichenbach - zurück ab Berlin startet er um 17 Uhr.

Schwui: "Die Berlin-Linie ist grenzwertig. Momentan können wir nicht kostendeckend fahren." Ableitend von dieser Erfahrung wird man von Plauen auch keinen Extra-Bus etwa nach München oder Frankfurt/Main einsetzen. Aber eine Kooperation mit dem Unternehmen Wunder wäre denkbar. "Ein Zubringerbus müsste dann ab Plauen spätestens 4 Uhr morgens starten, damit er den 5-Uhr-Fernbus erreicht. So ein Zubringer wäre für uns kein großes Risiko." Bisher fährt der früheste Bus 5.45 Uhr ab Plauen - Ankunft in Hof ist 6.14 Uhr.

Seitdem der Bundestag im September 2012 den Busfernverkehr auch innerhalb Deutschlands liberalisierte, gibt es hinter den Kulissen ein wahres Wettrüsten. Eine Woche vor Wunder gehen die Busse des Berliner Unternehmens "Mein Fernbus" an den Start. Am 27. März startet der erste Bus auf der neuen Linie von Kulmbach über München nach Zürich. Die grünlackierten Busse fahren auf einer weiteren Linie von Berlin nach München auch den Münchberger Autohof und den Bayreuther Hauptbahnhof an - und das gleich vier Mal am Tag.

"Zunächst wird es keine weiteren Haltepunkte, wie etwa in Plauen oder Zwickau, auf der Berlin-München-Strecke geben, denn sonst würde die Fahrtzeit noch länger als sieben Stunden", sagt "MeinFernbus"-Sprecher Florian Rabe. Momentan fährt "MeinFernbus" mit rund 40 Bussen 42 Ziele in Deutschland an. Rabe: "Bis Ende des Jahres kommen noch 80 dazu." Für die Fahrten bedient sich das Berliner Unternehmen regionaler Busunternehmen. "Auch bei uns hat MeinFernbus schon angefragt. Von Interesse ist die Verbindung Chemnitz - Berlin, da wir diese Strecke schon bedienen", so Thomas Schwui vom POB Plauen.

Heftige Konkurrenz droht auch von anderen Anbietern: Auch auf der Internet-Seite von "Flixbus" ist eine neue Linie von Nürnberg nach Leipzig, Berlin und Hamburg zu erkennen, die durch Oberfranken läuft. Laut Plan zweigt in Höhe von Hof ein Ast der Linie nach Chemnitz und Dresden ab. Noch größere Pläne wälzen ADAC und Deutsche Post. Sie haben angekündigt, noch 2013 die "gelben Postbusse" wiederzubeleben.

Angeblich wollen die Partner dafür bis zu 500 Busse kaufen und im Liniendienst einsetzen. Ebenso wie bei "Flixbus" besteht das Geschäftskonzept von "MeinFernbus" in der Kooperation mit regionalen Busunternehmen. Von der Werbung bis zum Ticketverkauf im Internet wird ihnen ein Komplett-Paket angeboten. In beiden Unternehmen besetzen ehemalige hochrangige Bahnmitarbeiter führende Positionen.

Sie haben ihrem ehemaligen Arbeitgeber scharfe Konkurrenz angekündigt. Die Streckenpreise liegen 60 bis 70 Prozent unter denen der Bahn. München - Kulmbach gibt es bei "MeinFernbus" ab 15 Euro, die Fahrradmitnahme für neun Euro. Das billigste Angebot der Bahn liegt bei 29 Euro. Auch für Komfort soll gesorgt sein. Alle großen Anbieter werden ihre Busse mit Internetzugängen ausrüsten. va