Bus bringt Beratung ins Rollen

Die Diakonie schickt ab September ein Präventionsmobil in vogtländische Schulen - im Auftrag des Kreises. Fachleute sollen die Kinder und Jugendlichen stark machen gegen Süchte aller Art. Zur Zeit bekommt das 18 Meter lange Fahrzeug den letzten Schliff.

Plauen -  Ein Beispiel, was möglich ist im Bus? Schüler simulieren mit 3D-Brille eine Alkoholfahrt und erleben, wie das Sichtfeld schrumpft, wie die Mittellinie verschwimmt, wie Sekundenschlaf wirkt - Computertechnik macht‘s möglich: Die Klassenkameraden sehen den immer unsicherer werdenden Fahrstil des Probanden und sollen Konsequenzen ziehen für eigenes Handeln.
"Es geht um Anreize, die Widerstandskraft von Kindern und Jugendlichen zu stärken gegen unheilvolle Verlockungen wie Alkohol, Drogen und Nikotin, wie Onlinespiele, problematischen Medienkonsum und falsches Essen", sagt Suchtberaterin Judith Hoyer, die zur Besatzung des auffällig lackierten Busses zählen wird.
Wie wird Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt? Man spreche alle Sinne an, um das Nachdenken anzuregen, erklärt Frau Hoyer. Wie sie berichtet, gibt es Tastübungen, um Gefahren zu erkennen. Man könne über Kopfhörer einer Geschichte lauschen und merken, dass zum Entspannen keine Drogen nötig sind. Genussübungen würden mit Riechen und Schmecken verbunden. "Dabei setzen wir auf moderne Technik, um die jungen Menschen zu interessieren. Und in jedem Fall verzichten wir auf Schockmomente: Schlimme Bilder oder Schilderungen gibt es bei uns nicht." Klar sei auch, wenn es bereits Suchtprobleme gebe, komme der Bus zu spät. Dann müssten andere Maßnahmen greifen.
Der Bus soll der Suchtvorbeugung den Schwung geben, der bisher durch begrenzte Kapazitäten fehlte. Nach Meinung der Fachleute wurde in mancher Schule das Problem zudem nicht erkannt - obwohl es immer existiert hat: Die Rangfolge der Suchtmittel wechselt zwar, aber Alkohol ist und bleibt die Nummer 1.
Dr. Hartmut Denkewitz, Chef der Plauener Diakonie, und seine Leute waren in Abstimmung mit der Landkreisverwaltung mit der Idee eines "Präventionsbusses" lange schwanger gegangen. Vor zwei Jahren wurde ein Vertrag geschlossen mit dem MAN Bus Modification Center Plauen; seit dem Aus des MAN-Standortes im Plauener Leuchtmühlenweg kümmert sich die MAN Truck & Bus SE in München um den Auftrag.
Denkewitz beziffert die Gesamtkosten für den Bus auf 350.000 Euro - 90.000 Euro, um ihn anzuschaffen und 260.000 Euro, um ihn auszubauen. Das meiste des Geldes wurde nach seinen Worten aufgebracht mit Hilfe von Stiftung Zukunft der Sparkasse Vogtland und vom Vogtlandkreis. Gekauft wurde ein gebrauchter Bus, der drei Jahre im MAN-Auftrag als Forschungsfahrzeug in München unterwegs war: Auf den 41 Sitzplätzen und 114 Stehplätzen ersetzten Wasserkanister die Fahrgäste, um realitätsnah technische Neuerungen und den Kraftstoffverbrauch zu testen, wie Marco Bernhardt von MAN erläutert. "Bei einer Präventions-Rallye in Schöneck mit den Frauen der Suchtberatung hat MAN den Stellenwert der Suchtvermeidung erkannt - jetzt unterstützen wir die Arbeit nach Kräften." Das passe generell zur Strategie der VW-Tochter MAN, speziell ausgerüstete Fahrzeuge zu liefern, die zu den "Kunden" hinfahren - etwa Arztpraxen oder Bankfilialen auf Rädern, oder eben der Präventionsbus.
MAN hat das Fahrzeug umgebaut und Lukas Zschäck sorgt seitens des Konzerns für den technisch einwandfreien Zustand des Busses, der ausgerüstet ist mit Dingen wie Industrie-PC, Touchscreens, Notstromaggregat.
Derzeit wird der Bus fit gemacht für seinen Einsatz ab neuem Schuljahr. Fachlich übernehmen das neben Frau Hoyer auch Maria Autiero und Marian Muß - alle drei Frauen arbeiten in der Suchtberatungsstelle Oelsnitz der Diakonisches Beratungszentrum Vogtland gGmbH.
Ihnen zur Seite stehen die zwei Männer von MAN, die für die technische Seite des Fahrzeugs verantwortlich zeichnen: "Wir stellen die Kinderkrankheiten ab. Bei ersten Testläufen zeigten sich die Kinder von den Möglichkeiten des Busses beeindruckt", sagt Marco Bernhardt. ufa

 

Stichwort: DBZV gGmbH: 

Die Diakonische Beratungszentrum Vogtland gGmbH (DBZV gGmbH) ist ein Tochterunternehmen von Diakonie Plauen und Diakonie Auerbach und betreibt Suchtberatungsstellen in Plauen, Oelsnitz und Auerbach sowie Außenstellen in Adorf und Klingenthal; zudem werden Sprechzeiten angeboten in Elsterberg, Lengenfeld, Markneukirchen und Treuen. Als Geschäftsführer fungiert Dr. Hartmut Denkewitz, der Chef der Diakonie Plauen. Der Kreistag hat gerade Geld bewilligt, um den Bus zu betreiben: 62.700 Euro für dieses Jahr, 92.300 für 2022.