Bunte Vielfalt gegen braunen Eintopf

Die Bilder, wie sie am 1. Mai 2016 von Plauen aus um die Welt gingen, blieben diesmal aus. Zwar formierten sich auch diesmal die Anhänger der rechtsextremen Partei der III. Weg zu einem Marsch durch die Stadt, doch der Protest der Plauener Bürger war entschlossener. Vor allem aber: Es blieb friedlich.

Von Torsten Piontkowski

Plauen - "Wir müssen zeigen, dass Plauen keine Petri-Schale für Rechte ist", sagt ein Teilnehmer der Kundgebung am Albertplatz. Hier hatten sich bis in die Nachmittagsstunden teilweise bis zu 500 Bürger versammelt, um mit einer Art Volksfest friedlich gegen jene zu demonstrieren, für die Plauen seit Jahren ein bevorzugter Ort ist, um Fremdenhass und Intoleranz salonfähig zu machen. 
Das Fazit zuerst: Die Polizei, unterstützt von Einheiten aus Bayern und Sachsen-Anhalt war sichtlich besser vorbereitet als vor drei Jahren, wo es zu teilweise schweren Auseinandersetzungen gekommen war und Demonstranten regelrecht eingekesselt wurden. Weder die Pferdestaffel, noch der auf Höhe Lessing-Gymnasium stationierte Wasserwerfer kamen zum Einsatz. Und angesichts der starken Polizeipräsenz suchten auch die etwa 40 Sitzblockade-Teilnehmer nicht die direkte Konfrontation mit den rund 400 Rechten, als die buchstäblich auf Armlänge den Bereich Luther-/Bebelstraße passierten. Wohl auch dafür erhielten sie am Ende Applaus von vielen Bürger, die sich ebenfalls an diesem neuralgischen Punkt versammelt hatten. 
Schwerpunkt des friedlichen Protestes bildete allerdings der Albertplatz, wo sich - ebenfalls im Unterschied zu den Vorjahren - Parteien, Gewerkschaften und Organisationen auf gemeinsame Aktivitäten verständigt hatten. "Solidarität ist kein nachwachsender Rohstoff", mahnte Thomas Knabel, Chef der IG Metall Zwickau, der die traditionelle Mai-Feier des DGB eröffnete. "Ungerechtigkeit", so der Gewerkschafter, "wird sozial hergestellt, dafür tragen Menschen die Verantwortung." 
Anschließend stellten Vertreter des Runden Tisches und verschiedener Initiativen ihre ehrenamtliche Arbeit vor. Ihre Eltern, deren Geschichte und Geschichten, hätten sie geprägt, begründete beispielsweise Doritta Korte vom Verein "Colorido" ihr Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz. Ihren "familiären" Beziehungen zu "Banda Internationale" - einer ihrer Söhne spielt in der Band - war es auch zu verdanken, dass die Jungs gestern in Plauen aufspielten. Und auch die "Zöllner" - Malzhausbesuchern bestens bekannt - hatten sich mit guten Worten und noch weniger Geld nach Plauen locken lassen. Zahlreiche Parteien, Gewerkschaften und Vereine machten mit Infoständen auf sich aufmerksam - unter anderem die nach eigenem Bekunden "kämpferische Basisgewerkschaft" FAU, die zusätzlich mit leckerem, kostenlosem Kaffee punktete. 
Auch an anderen Punkten der Stadt war der Protest gegen die Rechten unüberhör und -sehbar. Mit Trillerpfeifen wurden sie beispielsweise - von der Polizei durch Absperrungen auf Rufweite getrennt - auf Höhe Jößnitzer Straße empfangen. Und auch der Stadtteil, den der III. Weg als seine Hochburg betrachtet, zeigte Flagge. Bürger von Haselbrunn und rund um den Wartburgplatz machtem mit aus den Fenstern gehängten Transparenten deutlich, was sie von ihren ungeliebten Nachbarn halten - sachsenweit einmalig unterhält der III. Weg hier eine Geschäftsstelle. "Wir haben in unserer Nachbarschaft lieber 1000 Flüchtlinge als 1 Nazi", hieß es beispielsweise.
Am Oberen Bahnhof hatte die Initiative "Nie wieder" Position bezogen, der VVN und der Kreisverband der Grünen brachten ihren Protest mit einem Infostand und einer Mahnwache vor dem ehemaligen Gebäude des Vogtland-Anzeigers zum Ausdruck, und der Stadtverband der CDU hatte zu Friedensandachten in die Erlöserkirche eingeladen. Und selbst der von Gewerkschaften und der Kirche am Vormittag "vermisste" Oberbürgermeister der Stadt, mischte sich am frühen Nachmittag noch unter die Besucher des Albertplatzes. 
Dass die Polizei dem rechten Marschzug zu Beginn und Ende das Abbrennen von Pyrotechnik erlaubt hatte, stieß bei vielen Bürgern auf Unverständnis - zumal dies das Versammlungsgesetz eigentlich untersagt. So sorgten Signalfackeln, Einheits-Look, Trommeln und Fahnen für einen martialischen, beklemmenden Eindruck. 
Und bei dem Hund am Ende des Aufzuges dürfte es sich wohl auch kaum um einen Blindenhund gehandelt haben - denn nur solche sind - ebenfalls gemäß Versammlungsgesetz - erlaubt.
Für Gelächter unter den demokratischen Demonstranten sorgte übrigens ein Lautsprecherfahrzeug des III. Weges, das sich auf der Bebelstraße kurzzeitig auf die Seite der demokratischen Kräfte "verfahren" hatte. Der III. Weg auf Abwegen, gewissermaßen. 
Einen ausführlichen Bericht über die Ereignisse am 1. Mai in Plauen lesen Sie in unserer Freitag-Ausgabe. Aus drucktechnischen Gründen wurde die Donnerstag-Ausgabe des Vogtland-Anzeigers bereits am Dienstag gefertigt.