Bücher und Karten als Lebenselixier

Geschichte zu bewahren, um zu wissen woher wir kommen, ist eine der Motivationen des Schaffens von Karl Heinz Haffner. 91 Jahre alt ist der Plauener, gelernter Schriftsetzer, der im Berufsleben selbst Mitgestalter der Historie seiner Heimat war und immer noch aktiv ist. Bis heute betätigt er sich als Korrektur-Leser historischer Bücher der Region und als Sammler von Drucksachen.

Von Frank Blenz

Plauen "Ich glaube es manchmal selbst nicht, dass ich nun schon 91 Jahre alt bin", erzählt Karl-Heinz Haffner, geboren am 5. Januar 1930 in Plauen. Vier Kinder - zwei Töchter und zwei Söhne - hat er mit seiner Frau, die mittlerweile im Seniorenheim wohnt, großgezogen.
Tatsächlich wirkt der Rentner wie ein rüstiger 70er. Wenn er zügig über die gerade schneebedeckten Wege läuft, macht er einen durchaus sportlichen Eindruck.
"Ich lege alle meine Wege immer noch zu Fuß zurück. Das macht mir nichts aus. Früher bin ich auch noch viel mit dem Rad gefahren", erklärt der Plauener seine Vitalität. Und: Karl-Heinz Haffner mag zum Frühstück gern eine Banane essen, Obst, Gemüse, eine gesunde Ernährung bedeutet für ihn das A und O. Die wichtigste Ursache für seine Lebensfreude - neben der Familie - hat indes etwas mit seiner jahrzehntelangen Passion zu tun: Das Buch.
Der Literatur, dem Gedruckten, gilt seit der Kindheit seine Leidenschaft und Hingabe. Und so lag es nahe, dass des jungen Burschen Berufsweg in eine Druckerei führte. "Mit Büchern bin ich immer froh gewesen. Schon als kleiner Junge las ich, was mir zwischen die Finger kam. Meine Mutter musste manchmal sogar das Buch, das ich in der Mache hatte, verstecken, weil ich schlecht eine Pause einlegen konnte", erinnert sich der 91-Jährige und lächelt verschmitzt.
Karl-Heinz Haffners berufliche Laufbahn ist eng mit einem Teil der Plauener Stadtgeschichte verbunden, der des Sachsendrucks. Den wirtschaftlichen Aufstieg, das Ende und die Wende erlebte der Vogtländer hautnah mit. Dass er das erleben und auch später ein ausgefülltes Leben haben würde, verdankte der Plauener einem Glück im Unglück.
"Am 23. Februar 1945 fiel eine Bombe direkt auf den Gulli der Kreuzung Wettin-/Rähnisstraße. Alle Häuser im Umkreis wurden unbewohnbar. Chaos herrschte, meinem Vater blieb in dem Durcheinander zum Glück der Volkssturm erspart, denn niemand suchte und fand ihn", erzählt Tochter Anita Lorenz. Der junge Karl-Heinz pendelte danach bis Kriegsende heimlich mit seiner Mutter zwischen dem Garten in Jößnitz und dem Haus der Großeltern in Carlsfeld bis zum Kriegsende. Im gewonnenen Frieden nahm Karl-Heinz eine Lehre zum Schriftsetzer auf. "Ich lernte bei "Adam-Eichler & Co." in der Kaiserstraße. Das ehemalige Firmenhaus fiel vor einigen Jahren zusammen", so Haffner. Bis 1948 vollendete der Vogtländer die Ausbildung in Aue, arbeitete dort bis 1949 und bekam 1952 eine Stelle im Sachsendruck Plauen. "Ich habe in diesem Betrieb durchweg bis zur Rente 1993 gearbeitet. Als Schriftsetzer, Korrektor und Arbeitsvorbereiter in der Betriebsleitung." Haffner erzählt von diesen Lebens- und Arbeitsstationen mit etwas Wehmut, denn es waren ausgefüllte Jahre mit vielen Büchern, die das Haus verließen. Nach der Wende nahm die Marktwirtschaft ihren Lauf. "Fast alle, die über 55 Jahre alt waren damals, wurden entlassen. Geblieben sind der Lehrausbilder, der Betriebsrat und ich." Der langjährige Sachsendruckmitarbeiter hat in seiner Freizeit so ziemlich alles Gedruckte über Plauen gesammelt und ist bis heute dabei, die Erinnerungen wach zu halten. Das bestätigt auch seine Tochter Anita Lorenz: "Am meisten hat mein Vater Bilder, Zeitungsausschnitte, Kalenderblätter mit alten Aufnahmen von Plauen vor der Zerstörung aufgehoben. Viele Exponate sind auch von der Bahnhofsvorstadt, weil er dort früher wohnte und bis heute in der Erich-Ohser Straße daheim ist. Als Kind war er mit seinen Freunden viel im Viertel unterwegs, ging hier zur Schillerschule, das Haus gibt es heute nicht mehr. Wir Kinder hörten gern die anschaulichen und spannenden Erzählungen aus seiner Kindheit, die Geschichten über die Streiche, die er mit seinen Freunden verübte, über die tragischen Episoden, die er bei den Bombenangriffen erlebte." Karl-Heinz Haffner beschäftigt noch immer die Geschichte und die Gegenwart Plauens. Er liest alle Bücher aus dem Röder-Verlag Korrektur. "Letztes Jahr das Jahrbuch und das kommende für dieses Jahr gehören dazu." Sagt es, stöbert in einem kleinen Stapel Ansichtskarten und findet eine interessante auf der ein imposantes Manufakturgebäude aus der Gründerzeit zu sehen ist. "Hier das Haus, das war früher mal die Druckerei und das Verlaghaus des Vogtländischen Anzeigers. Wie die Zeit vergeht", schmunzelt er.