Budenzauber in der Schwebe

Die Weihnachtsmärkte wackeln extrem: Die Landespolitik aus Dresden macht den Kommunen Druck, auf die Märkte zu verzichten. Im Vogtland halten viele Bürgermeister dennoch am Adventsmarkt fest. Einige überlegen noch, sind unsicher - und manche richten klare, scharfe Worte gen Landeshauptstadt.

Von Cornelia Henze und Renate Wöllner

 Klingenthal: "Der Freistaat will sich hier einen schlanken Fuß machen, schiebt den Schwarzen Peter auf die Kommunen ab", sagt Klingenthals OB Thomas Hennig verärgert. Wenn der Freistaat keine Weihnachtsmärkte in Sachsen wünscht, sollte er das klar in seinen Allgemeinverfügungen anordnen. Weil am 25. November der nächste Erlass zu erwarten ist, müsste die Landesregierung jetzt schon ankündigen, ob Märkte ab 1. Advent öffnen dürfen. Das wäre fair, statt den Kommunen ein "freiwilliges Muss", wiees zu DDR-Zeiten üblich war, aufzuzwingen, so Hennig. Am Dienstag wird im Ältestenrat entschieden, ob es ab 26. November einen Markt in Klingenthal geben wird. Hennig: "Da hängt ja so viel dran, beispielsweise Vertragsstrafen, die die Stadt gegenüber Händlern zahlen müsste."


Plauen: "Die Planungen für unsere Weihnachtsmärkte basieren auf der aktuellen Corona-Schutz-Verordnung. Im Moment gehen wir davon aus, dass der Weihnachtsmarkt auf dieser Grundlage stattfinden kann", teilt Plauens Baubürgermeisterin Kerstin Wolf auf Anfrage mit. Des Vogtlands größter Markt wird geplant in einen Verweilbereich am Altmarkt (Glühwein-/Ess-Stände) und eine Flaniermeile rund um Altmarkt, Herren- und Rathausstraße (Händlerbuden) unterteilt.


Auerbach: Verweil- und Flanierzonen planen auch die Auerbacher, die vom 1. bis 3. Advent den zweitgrößten Adventsmarkt im Vogtland ausrichten. Derzeit halte man an den Plänen fest, so Pressesprecher Hagen Hartwig. Wie sein Kollege aus Klingenthal kritisiert OB Manfred Deckert das Verhalten des Freistaates: "Die Entscheidung zur Öffnung der Weihnachtsmärkte auf die Kommunen zu delegieren finde ich nicht gut, weil hier der Freistaat Verantwortung einfach abgibt." Schon ohne den Zeigefinger des Landes gestaltet Auerbach den Markt abgespeckter als sonst: 15 statt der üblichen 25 Buden, kein Märchenumzug, ein verkürztes Bühnenprogramm.


Treuen: Von ihrem Adventsmarkt rückt auch die Trebastadt Treuen (noch) nicht ab. "Wir kämen schon sehr ins Rudern, wenn mit der neuen Verordnung am 25. November ein Verbot käme - einen Tag vor dem Markt", so Stadtsprecher Philipp Kober. Denn Treuen hat viel geplant: Händlermarkt, Karussell, Luftschaukel, Ballwerfen und einen lebendigen "Adventskalender", dessen Programm sich in einer Bude täglich ändert. Um auf dem Markt Abstände wahren zu können, hat man die Buden bis zur Königstraße weit auseinandergezerrt.


Rodewisch: Bisher hielt Kerstin Schöniger am Rodewischer Weihnachtsmarkt auf der Schlossinsel am 1. Advent fest, doch nun sagt sie: "Am Montag gebe ich ein Zeichen, wie ich mich entschieden habe." Am Wochenende wolle sie in Ruhe abwägen zwischen Händlerinteresse, dem großen Wunsch der Rodewischer nach einem Markt und der bereits investierten Kraft einerseits - und andererseits der angespannten Situation in den Kliniken, dem Pflegepersonal, denen man ebenso Respekt zollen wolle.


Markneukirchen: Ebenfalls am Montag soll in der Dienstbereitung die Entscheidung für den Markt fallen, sagt Bürgermeister Andreas Rubner. Weil der erst am 2. Advent geplant sei, habe man noch etwas Luft. Der diesmal im Hof des Paulusschlössels aufgestellte Markt warte eh nicht mit so vielen Buden wie sonst auf. Auch mit der Absage der Kita, die dort Weihnachtslieder singen wollten, fordert das zweite Coronajahr schon seinen Tribut.


Lengenfeld: "Ich lasse mir so viel Zeit bis Mitte nächster Woche, ehe ich eine Entscheidung treffe", so Bürgermeister Volker Bachmann. Die Vorbereitung für den dreitägigen Markt stehen, allerdings habe er auch keine große Lust auf einen Markt á la 2 G. "Da kommt keine weihnachtliche Atmosphäre auf", ist sich Bachmann sicher.


Oelsnitz: "Wir wollen einen Weihnachtsmarkt durchführen", gab Hauptamtsleiter Hannes Schulz zur Oelsnitzer Ratssitzung bekannt. In Arbeit sei ein Hygienekonzept. Weil die Veranstaltung auf dem Marktplatz unter freiem Himmel geplant ist, "soll weder 2G noch 3G eine Rolle spielen", sagte Schulz. Der Oelsnitzer Weihnachtsmarkt findet traditionell am zweiten Adventswochenende statt.


Elsterberg: Freiwillig zurückstecken werde wohl der veranstaltende Gewerbeverein nicht. "Aber wenn der Freistaat den Sack zumacht, müssen wir uns danach richten", so Elsterbergs Bürgermeister Sandro Bauroth. Die einschneidenden Maßnahmen bezeichnet Bauroth als befremdlich. "Den Sommer über hat man die Hände in den Schoß gelegt, Test- und Impfzentren runtergefahren - und nun wird Druck gemacht." Schade wäre es um den Markt und um das einstudierte Bühnenstück.


Reichenbach: Noch Zeit für eine Entscheidung bleibt Reichenbach, denn erst am 4. Advent ist Marktbummel angesagt. "Wir planen weiter, haben Verträge geschlossen mit Händlern, auch Programme stehen fest, haben Schulen angesprochen", so Stadtsrpecherin Heike Keßler. Geplant sind lauter schöne Dinge wie , Apres-Skiparty, Lichtelwichtelumzug, Feuershow, Livemusik mit Simultan, Krippenspiel, Winterkino, Wichtelwerkstatt und die MDR-Weihnachtsmarkttour.
Einige Märkte sind im Vogtland schon abgesagt: So auf der Burg Mylau und die Schloßweihnacht Ellefeld.