Buch über 125 Jahre Straßenbahn

"Im Sturm genommen" wurden von den Plauenern die Wagen der Straßenbahn bei der Eröffnungsfeier vor 125 Jahren, erzählt Karsten Treiber, der in seinem neuen Buch in die gesamte Historie zurückblickt.

Von Marjon Thümmel

Plauen - Auf 112 Seiten hat Karsten Treiber die Geschichte der Plauener Straßenbahn von 1894 bis 2019 niedergeschrieben und ist damit in die Fußstapfen von Klaus Reichenbach und Achim Mensdorf getreten, die vor 50 Jahren den Grundstock für die immer weiter fortgeschriebene Betriebschronik schufen. Von den aktuell vier Büchern, die im gleichen Format erschienen sind, stammt das zu 120 Jahren Straßenbahn bereits aus seiner Feder. Und nun auch das neue. Reichlich bebildert und mit verschiedenen Fakten bereichert, ist der umfassende geschichtliche Überblick für jeden Straßenbahn-Fan ein Muss. Die Auflage beträgt 500 Stück. Für 19,90 Euro ist das Buch ab Dienstag zu erhalten, entweder an der Servicestelle am Tunnel oder im Betriebshof der Straßenbahn GmbH an die Wiesenstraße 24. 
 "Ich wollte ein Buch schreiben zur 125-jährigen Geschichte, in dem alles drin ist. Nur wäre es sehr dick und teuer geworden. Und so habe ich mich eben neben der Chronologie hauptsächlich auf Bilder konzentriert, allen voran solche, die noch nicht veröffentlich wurden. Rund 100 Fotos, Streckenpläne, Beförderungstariftabellen und Anekdoten sind zu finden", erzählt Treiber und verrät, dass 1975 mit dem Heft 43 aus der Museumsreihe sein Interesse für die Straßenbahn-Geschichte geweckt wurde. "Ich bin mit der Straßenbahn als Verkehrsmittel aufgewachsen. Und dann habe im Betrieb 1981 meine Lehre als Mechaniker begonnen. So habe ich 38 Jahre Geschichte selbst mitgeschrieben", sagt der 54-Jährige, der mittlerweile als Controller arbeitet. "Anfänglich fuhren noch die Gotha-, später die Tatra-und nun gibt's die Niederflurbahnen", sagt er und Geschäftsführerin Barbara Zeuner fügt hinzu, dass von den 15 Tatra- und 9 Niederflurbahnen gleichzeitig 14 Züge und drei Busse tagsüber im Einsatz auf dem Streckennetz sind. Acht Millionen Fahrgäste werden transportiert. 110 Beschäftigte zählt die Straßenbahn GmbH aktuell. 
 Zurück in die Geschichte: Am 17. November 1894 wurde die erste, 3,5 Kilometer lange Strecke vom Neustadtplatz zum Oberen Bahnhof eröffnet. "Schon im ersten Jahr wurden eine Million Fahrgäste gezählt, hauptsächlich aus der Oberschicht, denn 10 Pfennige Fahrpreis waren viel Geld", so Treiber. 22 Millionen Fahrgäste 1944 waren Spitzenwert. "Damals wurden viele Truppentransporte über die Bahn, die mittlerweile bis zur Neundorfer Kaserne, Preißelpöhl, Hauptfriedhof, Reinsdorf und Dittrichplatz fuhr, abgewickelt. Heute werden Straßenbahnen für die City-Logistik in Metropolen interessant", weiß er. "Die letzte Strecke wurde 1983 zum Chrieschwitzer Hang eröffnet, die letzte Schleife 1992 am Oberen Bahnhof." Zwei Mal in den 125 Jahren sei die Bahn nicht gefahren - vom 31. Dezember 1922 bis 31. März 1924 und nach der Zerstörung Plauens 1945. "Es gibt noch viel mehr zu erzählen, allein die Unfälle würden 20 Seiten füllen", sagt Karsten Treiber und erzählt von dem ersten spektakulären 1901. "Da hatte sich der Triebwagen 110 am Oberen Bahnhof in Bewegung gesetzt, ist auf den Triebwagen 15 aufgefahren und beide zusammen kamen sie die Bahnhofstraße runter." Es ist nicht verwunderlich, dass der 54-Jährige als wandelndes Straßenbahn-Lexikon gilt, denn es reicht ein Stupser und der Quell beginnt zu sprudeln.