Brutales Inkasso-Quintett vor Gericht

Zwickau/Reichenbach - Vor dem Zwickauer Landgericht ging es am Donnerstag um brutale Erpressung und Kidnapping. Den 22. Juni 2011 werden Kai L. und sein Freund Jerome B. so schnell wahrscheinlich nicht vergessen.

Und das nicht nur wegen der schmerzhaften Verletzungen, sondern auch weil sie mit einem Schlag rund 10 000 Euro einbüßten. Als sie am Nachmittag dieses Tages eine SMS von Nikolaos Ch. mit der Aufforderung, sich um 21 Uhr am Volksfestplatz in Reichenbach einzufinden, erhielten, ahnten sie sicher nicht, welche Folgen das haben würde und schon gar nicht, dass der Absender der Nachricht deswegen am gestrigen Tag vor Gericht stehen würde.

Doch er war nicht allein. Vier Freunde des griechischen Gastwirtes, zwei Libanesen, ein Serbe sowie ein Vogtländer saßen neben ihm auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wird ihnen erpresserischen Menschenraub vor. Und so hat die Anklagebehörde den Abend rekonstruiert.

Nikolaos Ch. hatte seine Kumpels offenbar zusammengetrommelt, um von Kai L. Schulden einzutreiben. Dabei hatte er sie schon vorgewarnt, dass es gefährlich werden könne. Als Kai L. und Jerome B. am vereinbarten Ort erschienen, ließ man sie zunächst 20 Minuten warten. Als schließlich ein silbergrauer Mercedes auftauchte, ging alles sehr schnell. Auch wenn im Nachhinein nicht in jedem Fall genau festgestellt werden konnte, wer was tat. Einer der strittigen Punkte in dem Verfahren ist, wer zuerst auf wen losgegangen ist.

Während die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass sofort auf die beiden Opfer eingeprügelt wurde, und zwar noch bevor Kai L. seine Gaspistole ziehen konnte, erklärte das der Serbe Hajrullah C. in einer früheren Vernehmung anders.

Da nämlich hätte sich das Quintett durch die Waffe bedroht gefühlt und sich nur verteidigt. Diese Verteidigung brachte Kai L. den Verlust zweier Backzähne sowie diverse andere Verletzungen ein. Aus Angst vor neuer Prügel folgten die beiden Opfer der Aufforderung und stiegen in den Wagen. Die Fahrt endete auf dem Gelände einer Reichenbacher Spedition, wo sie voneinander getrennt wurden. Während Kai L. mit zwei Mann Bewachung zurückblieb, fuhren die anderen mit Jerome B. davon. Das Ziel war dessen Wohnung in Greiz. Dort hielten sie auch dessen Freundin und einen Kampfhund in Schach. Schließlich wurde ihnen eine in einem Safe versteckte Geldkassette mit rund 10 000 Euro übergeben, nachdem Jerome zunächst mit dem Abschneiden von Fingern und schließlich sogar mit seiner Tötung gedroht wurde.

Bisher nicht in Erfahrung konnte die Staatsanwaltschaft allerdings weder wieso sich das Geld bei Jerome B. befand, obwohl es bei Kai L. eingetrieben werden sollte, noch woher das Geld eigentlich stammte und weshalb Nikolaos Ch. einen Anspruch darauf erhob. Nach der Geldübergabe wurden die beiden in einem Wald in der Nähe des Reichenbacher Freibades frei gelassen.

Am ersten Verhandlungstag wollten sich die Angeklagten nicht zu den Vorwürfen äußern. Lediglich Nikolaos Ch. und der Deutsche Sven G. machten zu ihren persönlichen Verhältnissen Angaben. Der Anwalt des Hauptangeklagten hat für den nächsten Donnerstag eine schriftliche Erklärung angekündigt. Am Montag wird das Gericht die ersten Zeugen anhören.