Brücken-Bau zieht Kunden ab

An der Brücke über die Bahnlinie Reichenbach-Hof auf der B 92 an der Schöpsdrehe kommt derzeit keiner vorbei. Das ärgert nicht nur die Autofahrer sondern noch mehr die ansässigen Gewerbetreibenden. Weniger Kunden als sonst verzeichnen sie.

Plauen - Der Aufschrei im Sommer vergangenen Jahres bei den Firmen und Geschäften rund um die Schöpsdrehe war groß. In der schon schlechten Situation durch die Sperrung der Pausaer Straße müssen sie erfahren, dass die Brücke in Richtung Elsterberg die nächste Sackgasse vor ihrer Türe sein wird. Seit gut zwei Wochen ist die Sperrung nun Realität. Zeit für den Vogtland-Anzeiger, einmal bei den Ansässigen vor Ort nachzufragen, ob die Befürchtungen wahr geworden sind.

"Es ist spürbar, in Heller und Pfennig ausdrücken kann ich es aber nicht", sagt Uwe Geipel vom gleichnamigen Autohaus. Hinzu kommen noch die winterlichen Straßenverhältnisse. Die von der Straßenbehörde offiziell ausgeschilderte Umleitungsstrecke stößt bei Geipel besonders auf Unverständnis. "Die Situation ist unzumutbar." Aus rechtlicher Sicht sei eine Umfahrung zumutbar, die nicht länger als zehn Minuten dauert. "Wir befinden uns schon im Bereich des nicht Zumutbaren", so Geipel. Autofahrer müssen aus Richtung Greiz einen Umweg von fast 60 Kilometern in Kauf nehmen. Die Umleitung führe über Netzschkau, Treuen und der A 72 wieder nach Plauen.

"Man merkt schon deutlich, dass die Brücke geschlossen ist", sagt Dirk Brückner vom Plauen Park. Besonders Montag und Dienstag seien weniger Kunden im Center als sonst. Der Freitag und Samstag laufe aber weiterhin zufriedenstellend. "Die konkreten Zahlen haben wir aber noch nicht aufgearbeitet", so der Centermanager. Die Situation sei derzeit schwer einschätzbar. Durch die fast einjährige Sperrung der Pausaer Straße ist das Niveau generell niedrig, meint Brückner.

Die Zahlen müssten mit 2011 verglichen werden, um ein objektives Ergebnis zu bekommen. Kritik hat der Centerchef an der Stadt. Im Wirtschaftsförderungsausschuss sei versprochen worden, über die Entwicklung an der Schöpsdrehe zu informieren. In den letzten beiden Sitzungen habe das Thema jedoch keine Rolle gespielt.

Etwas positiver schätzt die derzeitige Lage Klaus Scholz von Scholz Fahrzeugteile ein. "Wir haben das kaum bemerkt. Viel schlimmer war die Pausaer Straße", so der Firmeninhaber. Die Kunden, die es betrifft, die wüssten, wie sie zu fahren hätten. "Es hält sich in Grenzen. Wir hoffen, dass es so bleibt." Weniger Kunden vermeldet auch der TTM-Fachmärkte im Gewerbegebiet Schöpsdrehe.

Brücken-Bau

Die Brücke aus den 1980er Jahren wird wegen der Elektrifizierung der Bahnlinie abgerissen und durch einen höheren Neubau ersetzt. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis November dauern. Fußgänger können eine Behelfsbrücke nutzen. Der Brückenneubau kostet rund 1,33 Millionen Euro. Zwischen Reichenbach und Hof werden insgesamt etwa 3000 Oberleitungsmasten gesetzt und 175 Kilometer Gleis mit Oberleitung überspannt.