Briefe und Dokumente von Clara Wieck

Bad Elster - Mit dem musikalischen Kammerspiel "Vater Wiecks Leben" boten der Dresdner Schauspieler Rolf Hoppe und die Pianistin Claudia Pätzold am Samstag im König Albert Theater ihr Programm "Vater Wiecks Liebe" zum Robert-Schumann-Fest.

 

Der an diesem Tag zum Ehrenkünstler ernannte Rolf Hoppe wurde von dem zahlreich erschienenen Publikum mit lang anhaltendem Beifall herzlich empfangen. Hoppe gehört zu den Großen der Schauspielkunst, der neben seiner Arbeit am Theater auch in über 200 Kino- und Fernsehrollen beeindruckte. Seine Rolle in Schamonis "Frühlingssymphonie " als Vater von Clara Wieck, hinterließ in ihm musikalische Spuren, die er in dem Kammerspiel unter der Regie von Helfried Schöbel in seiner unverwechselbaren Ausdrucksform offenbart. Die Geschichte einer Liebe, die Geschichte eines Vaters, die Liebe zu seiner Tochter und zur Musik steht in dem psychologisch inspirierten Kammerspiel nach Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und Dokumenten im Mittelpunkt des Kammerspiels.

Am Klavier als Clara Schumann begleitet die vielseitige Cembalistin, Pianistin und Kammermusikerin Claudia Pätzold den bekannten Schauspieler. Hoppe liest aus Briefen und Tagebuchaufzeichnungen des Vaters Friedrich Wieck, der alle Gefahren für den Gegenstand seiner Liebe hellsichtig erkennt, mit allen Mitteln und aller Kraft für die Liebe zu seiner Tochter kämpft und doch verliert.

Wieck hatte nicht begriffen, dass Liebe ein Gut ist, das sich in sein Gegenteil verkehrt, wenn man es nicht mit anderen teilt. Auch die Interpretationen des Schauspielers der schriftlichen Hinterlassenschaft von Clara und Robert Schumann sind einzigartig. Er las nicht nur, er spielte mit seiner Stimme, mit seinen sparsamen, aber wirkungsvoll eingesetzten Gesten und verstand es somit, das Publikum zu verzaubern. Mit oft sehr leiser Stimme erreichte er die Aufmerksamkeit der Theaterbesucher, so dass der Fall der berühmten Stecknadel im Theatersaal mit Sicherheit nicht zu überhören gewesen wäre. Das Klavierspiel von Claudia Pätzold als Clara Wieck gab dem bekannten Stoff aus der Musikgeschichte eine ganz eigene Faszination. Die Bemerkung Schumanns in einem seiner Briefe über Richard Wagner, der, wie der es einst formulierte, nie aufhöre von sich selbst zu sprechen, veranlasste Hoppe zu einer kurzen Frage an das Publikum über deren Einstellung zur Musik Wagners.

"Ein liebend Herz achtet die Gefahr nicht viel", schrieb Clara Wieck an ihren Vater, der strikt gegen die Verbindung seiner Tochter mit Robert Schumann war. Spät kommt dessen Einsicht. "Alles was ich an schwerem Schicksal für Clara vorausgesehen hatte, ist im Laufe der Jahre eingetreten - die vielen Geburten, der große Haushalt, der immer kränker werdende Mann. Nur eines habe ich nicht ahnen können, das eine das wesentliche, habe ich verkannt; die Kraft, die Clara aus ihrer Liebe gewann".

Mit dieser Passage aus dem Brief Wiecks an seine Tochter beendete Rolf Hoppe diesen außergewöhnlichen Theaterabend, der von der Pianistin mit dem musikalischen Ausschnitt aus der Fantasie in C-dur von Robert Schumann seine Vollendung fand. Das Publikum erhob sich am Ende von seinen Plätzen um ihrer Wertschätzung dem Schauspieler gegenüber Ausdruck zu verleihen.  P. Spieler