Brennpunkt "Roma-Viertel" in Plauen: Die Wahrheit der Behörden

Lärm. Dreck. Frauen, die sich prostituieren müssen. Kinder, deren Wohl gefährdet ist. Das ist die Wahrnehmung mancher Plauener, wenn von dem "Roma-Viertel" rund um die Dürerstraße die Rede ist. Diese Wahrnehmung deckt sich indes nicht mit der von Stadt Plauen und Vogtlandkreis.

Plauen - Die Kindeswohlgefährdung: Auf Grund von Bürgerhinweisen kommt es ab dem 8. Januar zu drei Polizeieinsätzen in der Gegend rund um ein Haus in der Dürerstraße. "Es lag dort keine Gefährdung vor", sagt des Kreises Jugend- und Sozialamtsleiterin Gabriele Paul. Plauens OB Ralf Oberdorfer und Landrat Rolf Keil nicken bestätigend.

Die Vorwürfe aus der Bevölkerung, von Nachbarn, sind heftig: Die Rede ist von nicht oder dürftig bekleideten und ernährten Kindern, von blauen Flecken auf der Haut, von Wunden, die von auf der Haut ausgedrückten Zigaretten stammen, von hygienischen Missständen. "Diese Sachverhalte fanden keine Bestätigung", sagt auch der Zwickauer Polizeisprecher Oliver Wurdak.

Zuhälterei und Prostitution: Länger zurückliegende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen eine Slowakin seien eingestellt worden. Aktuell habe man keine Verstöße feststellen können, sagt Wurdak. Der Zustand des Hauses in der Dürerstraße: "Das Haus ist nicht in so schlechtem Zustand, brandschutztechnisch keine Bedenken", konstatiert Ulrich Giering vom Plauener Bauordnungsamt nach erfolgter Brandschutzbegehung.

37 Personen, aufgeteilt in neun Wohnungen und drei Geschossen, sind in dem Haus gemeldet - das seien nach brandschutztechnischen Gesichtspunkten nicht zu viele Personen, entkräftet Giering die im Raum stehenden Gerüchte, das Haus sei mit Menschen überbelegt. Bedenken gäbe es, wenn sich bis zu einem Dutzend Personen in einer Wohnung befänden.

Im Falle eines Brandes - wie in der Trockentalstraße vor Silvester geschehen - sei es heikel, so viele Menschen zügig über die Feuerleiter zu evakuieren, wirft Giering ein. Beweise, dass zwölf Menschen in einer Wohnung "hausen", gibt es indes nicht. Zu der Rolle, die ein Vermieter der Häuser, in denen Roma-Familien leben, sonst noch spielt, wollen die Behörden nichts sagen. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Geldeintreiberei sind nicht bekannt.

Lärm und Dreck: Deswegen gab es auf Grund Nachbarschafts-Beschwerden immer wieder Polizeieinsätze. Wegen Ruhestörung werde es wohl hin und wieder zu solchen Einsätzen kommen, sagt der Polizeisprecher. Landrat Keil verweist vorsichtig auf die Lebensgewohnheit dieser Ethnie und bittet um Nachsicht. Wie andere Länder und Kulturen damit umgehen, das kenne ja mancher aus einem südlichen Urlaubsland.

Dass ihnen das Wohlergehen der Roma, deren Anzahl in Plauen nicht bekannt sei, am Herzen liegt, bestätigen Landrat und OB in einem Antwortbrief an den Verein Romano Sumnal Leipzig. In Bezug auf den Brand in der Trockentalstraße erklären Keil und Oberdorfer, dass man jegliche Handlungen, die Menschenleben in Gefahr bringen, verurteile.

Mit Initiativen und Demonstrationen trete man rechten Taten konsequent entgegen. Man unterstütze die Ermittlungsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft. Beide verweisen auf getätigte Hilfe, sei es durch das Bereitstellen von Notunterkünften, Kleidung und Lebensmitteln von Stadt, Kreis und sozialen Verbänden. Man sorge sich um die Lebensumstände aller Einwohner.