Brandhaus in Plauen: Slowaken rufen Polizei

Zoff im Hinterhof des Brandhauses in der Plauener Trockentalstraße: Die Ärmsten der Armen schlagen sich um einen Flachbild-Fernseher. Ein Deutscher wird am Sonntag von einer Roma- und Sinti-Familie ertappt, wie er aus dem Brandhaus kommt - das Diebesgut unterm Arm. Die Slowaken entreißen ihm den TV. Die Polizei wird gerufen.

Plauen - "Zappzarapp! Zappzarapp!" In gebrochenem Deutsch kreischt Zaneta Dunkova immer wieder das Wort, das international für Klauen und Stehlen steht. Die schrille, aufgebrachte Stimme der stämmigen Slowakin schallt durch die Hinterhöfe der gesamten Zeile in der Trockentalstraße. Sie scheint den Ton anzugeben in der Roma- und Sinti-Familie, von denen sich ein gutes Dutzend zusammen schart. Slowakische Worte durchdringen den Raum.

Kinder weinen. Die impulsive Slowakin rennt mit dem Handy herum und zeigt Bilder von ihrer Schwester: Eine Frau mit üblen Brandwunden im Gesicht im Krankenbett einer Leipziger Spezialklinik. Deren zweijähriger Sohn liegt mit Verbrennungen in einer Dresdener Klinik. Anklagend weist sie auf den Fernseher-Dieb.

Zwischen den Slowaken und dem von ihnen des Diebstahls bezichtigten Deutschen kommt es zum Handgemenge. Die Situation verschärft sich. "Das ist mein Fernseher!" schreit nun auch aufgebracht Ladislav Mizgar, weist auf das im Hof stehende Gerät und drückt der Schreiberin dieses Beitrages sein Smartphone in die Hand. "Polizei! Polizei! Ruf die Polizei!"

Kurz darauf steht ein Dutzend Polizisten im Hof. Danach kommt die Kripo. "Die wollten uns bestehlen", rufen die Slowaken und scharen sich um die Beamten. Personalien werden aufgenommen. Sozusagen auf frischer Tat wird eine Frau mittleren Alters mit einer Winterjacke erwischt, die ihr nicht gehört. Eigentümerin ist eine junge Slowakin, ein elfähriger Teenager. "Wir haben nur in dem Haus auf den Vermieter gewartet", beteuern die Frau und der Mann immer wieder. Beide Deutsche haben sich in das Brandhaus geschlichen, deren offener Hintereingang jedermann zum "Besuch" einlädt.

"Wir ermitteln nun wegen versuch- ten Diebstahls", sagt der Einsatzleiter. Die beiden mutmaßlichen Täter und einige aus der Slowaken-Familie kennen sich offenbar - sie wohnen in einem der Häuser in Plauen, die zum sozialen Brennpunkt der Stadt zählen. Einer Wohngegend, wo Plauens Mittelschicht nicht leben mag. Dort leben Menschen, die sich mit Sozialhilfe über Wasser halten, Leute mit gebrochener Vita, Ausländer.

Das Brandhaus sowie einige der Häuser, in der einige der Beteiligten wohnen, gehört Frank Börner. "Die Wohnungen sind wohl länger nicht bewohnbar, da ist überall ein Rußfilm drüber", sagt Börner. Zu der Frage nach Sanierung und Brandschaden zuckt er mit den Achseln. Der Mann, der vermutlich in dem Haus in der Trockentalstraße kurz vor Silvester Feuer legte und nun wegen versuchten Mordes in Haft sitzt, hatte, so hieß es von der Staatsanwaltschaft, vermutlich Streit mit dem Vermieter.

Es sei wahr, dass Herr W. seine vom Sozialamt kommende Miete nicht an ihn weiterüberwiesen habe. Gekündigt habe er seinem Ex-Mieter deshalb aber nicht. Der sei selbst ausgezogen. Bis vorigen Oktober wohnte der 35-Jährige Deutsche in dem Haus in der Trockentalstraße. "Von Herrn W. hätte ich das nicht gedacht", so Börner. 19 Menschen wurden durch Feuer und Rauch verletzt. Die vier lebensbedrohlich Verletzten - zwei Frauen und zwei Kinder - seien inzwischen außer Lebensgefahr, so Staatsanwältin Ines Leonhard.