Brand in Plauen: Möglicher Brandstifter in Haft

Nach einem Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Plauener Trockentalstraße haben 40 Menschen ihr Heim verloren - 19 davon wurden verletzt, vier davon lebensgefährlich. Kurz nach dem Brand, am Samstag, hat die Polizei Zwickau einen Tatverdächtigen geschnappt.

Plauen - Der Mann sei am Samstagabend vorläufig festgenommen worden, sagt LKA-Sprecher Tom Bernhardt. Ein Ermittlungsrichter des Amtsgerichtes Zwickau habe einen Haftbefehl erlassen. Aus dem aktuellen Stand der Ermittlungen ergebe sich ein persönliches Motiv des Tatverdächtigten. Nähere Angaben zu Alter und Nationalität werden bisher nicht preisgegeben.

Es ermittelt dazu derzeit die Staatsanwaltschaft Zwickau. Die ersten Ermittlungen hatte das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) beim Landeskriminalamt übernommen, weil ein fremdenfeindlicher Hintergrund des Brandes nicht ausgeschlossen werden konnte.

Bei den Bewohnern des Hauses handelt es sich um Deutsche als auch andere EU-Bürger, vor allem Slowaken und auch Rumänen. Das Feuer in dem fünfstöckigen Wohnhaus in der Trockentalstraße 86 war in der Nacht zum Samstag ausgebrochen. Eine vorbeifahrende Streife hatte den Brand bemerkt. Gegen 22.45 Uhr trafen die Rettungskräfte dort ein: 30 Feuerwehrleute, Polizei und 50 Einsatzkräfte des Ret- tungsdienstes mit neun Rettungswagen und mehreren Notärzten.

Unterstützt wurde der Rettungsdienst von zwei Schnell-Einsatzgruppen der Johanniter-Unfall-Hilfe Plauen und vom Rettungsdienst Falck, so Jens Leistner, Chef des Rettungszweckverbandes. Der vom Keller ausgehende Brand griff bereits beim Eintreffen der Feuerwehr auf das Treppenhaus über.

Dort sei es zu starker Hitze- und Rauchentwicklung gekommen. 19 verletzte Menschen wurden in die umliegenden Krankenhäuser in Plauen, Greiz, Rodewisch und Zwickau gebracht. Ein zwei- und ein fünf-jähriges Kind sowie eine 29- und eine 39-jährige Frau wurden wegen ihrer schweren Verletzungen per Hubschrauber in Spezialkliniken nach Leipzig, Dresden und Halle geflogen.

Sieben Menschen wurden leicht verletzt, acht Betroffene konnten bereits das Krankenhaus wieder verlassen. Auch zwei Feuerwehrleute wurden leicht verletzt und ambulant behandelt. "Die Alarmierungskette zwischen Katastrophenschutz und DRK hat hervorragend funktioniert", konstatiert Manja Jopp, Chefin des DRK in Auerbach. Dort bekamen zwei Großfamilien ein provisorisches Obdach.

Jens Leistner spricht von 14 Menschen, darunter rund zehn Kindern, die die Nacht in der zentralen Notunterkunft des Rettungszweckverbandes Südwestsachsen in der Friedrich-Ebert-Straße Auerbach verbrachten. Dort kümmerten sich eherenamtliche DRK-Helfer aus Auerbach um die Obdachlosen, die teilweise barfuß und ohne Kleidung aufgenommen wurden.

Dank der DRK-Kleiderkammer habe man den nur mit dem Nötigsten bekleideten evakuierten Familien helfen können, so Manja Jopp. Eine Mutti mit einem noch sehr kleinen Baby, die zu einer der Familien gehörten, mussten vorübergehend im Klinikum Obergöltzsch behandelt werden. Eine der Großfamilien sei bereits zu Silvester wieder nach Plauen gezogen - Wohnraum gab es im Nachbargebäude des Brandhauses.

Andere fanden Unterschlupf in einer Plauener Pflegeeinrichtung. Eine Großfamilie hat eine vorübergehende Bleibe im früheren Internat des Rodewischer Berufsschulzentrums gefunden. Die meisten Bewohner seien psychisch angeschlagen und von dem Erlebnis geschockt und traumatisiert gewesen.

Das Kriseninterventionsteam des Rettungszweckvebandes, das sind speziell psychologisch geschulte Kräfte, kümmern sich um die teils traumatisierten Bewohner. Das Haus in Plauen ist derzeit unbewohnbar. Die Eingangstür wurde von den Einsatzkräften versperrt und abgeriegelt. Ermittelt wird in alle Richtungen - ein Fall von Brandstif- tung ist wahrscheinlich. dpa/cze/HH

Plauen - Ein 25-jähriger Deutscher soll vermutlich den Brand in dem Mehrfamilienhaus in der Plauener Trockentalstraße gelegt haben. Nach bisherigen Erkenntnissen handele es sich um keine fremdenfeindlich-rechtsradikal motivierte Tat, sondern um einen Racheakt gegenüber seinem Vermieter, mit dem er im Streit lag.

Der bereits am Samstag in U-Haft genommene Mann habe bis Oktober in dem Haus gewohnt, sagt Jürgen Pfeiffer, stellvertretender Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Zwickau. Nachdem das Landeskriminalamt am Samstag die Ermittlungen aufnahm, ging man zunächst von fremdenfeindlichen Motiven aus, da in dem Haus vorwiegend Osteuropäer - Slowaken, Rumänen, Sinti und Roma - wohnen.

Ermittelt wird wegen besonders schwerer Brandstiftung, auf die eine Mindeststrafe von zwei Jahren steht - oder sogar wegen versuchten Mordes" in einer Vielzahl von Fällen: Darauf stehen mindestens drei Jahre Haft bis lebenslänglich. "Der Mann hat den Tod vieler Menschen billigend in Kauf genommen", so Pfeiffer. 40 Bewohner wurden am Samstag evakuiert, 19 wurden verletzt, davon vier lebensbedrohlich. Sie werden in Spezialkliniken versorgt. cze