Brand in Plauen: Geht Streit Brandstiftung voraus?

Brand in der Plauener Dürerstraße 8: Die Nachbarin, die half, das Feuer zu löschen, kommt am dritten Verhandlungstag am Landgericht Zwickau zu Wort. Ihre Aussage deckt sich zu großen Teilen nicht mit der der überlebenden Mitbewohnerin Moni (34). Hat diese sich geweigert zu löschen und die Wohnung verlassen, ohne ihre Mitbewohner vor dem Feuer gewarnt zu haben?

Zwickau/Plauen - Am zweiten Verhandlungstag sagte Moni noch aus, dass sie in den frühen Morgenstunden des 5. Februars, als sie das Feuer in der Wohnstube bemerkte, half, das Feuer mit zu löschen. Diese Löschaktion habe sie mit der Nachbarin gemeinsam durchgeführt - man habe eine Art Löschkette gebildet; das Wasser aus dem Bad der Nachbarin entnommen und die Eimer in die Brandwohnung getragen.

Die Sicht der Nachbarin ist eine andere. Gegen 8.15 Uhr habe sie heftigen Tumult, Frauen- und Männerstimmen aus der Nachbarwohnung vernommen. Zunächst habe sie nicht reagiert, da lauter Streit zwischen Moni und ihrem Freund Anthony üblich gewesen sei. Sie nahm an, das Paar prügele sich wieder. Erst als sie Moni "Hilfe" und den Satz "Nein das habe ich nicht getan!" rufen gehört habe, sei sie kurz drauf zur Tür. Ihr Hund habe auf die Geräusche, die aus der Nachbarwohnung drangen, anders, als sonst reagiert.

Als die 42-jährige Nachbarin durch den Türspion lugte, sah sie im Hausflur schwarze Rauchwolken ziehen. Draußen habe Moni gestanden, nur mit einer Decke um den Körper gehüllt. Als klar war, dass es brannte, sei sie ins Bad geeilt, um einen Eimer zu füllen - den Löscheimer habe sie Moni in die Hand drücken wollen.

"Sie hat mir aber gesagt, sie kann den Eimer nicht nehmen, weil sie nackisch unter der Decke war", so die Nachbarin. Als sie mit dem zweiten Eimer kam, sei Moni plötzlich verschwunden gewesen. Auch andere Personen - wie etwa den 27-Jährigen aus Dresden (der Angeklagte) und den später im Rauch umgekommenen Anthony (Monis Freund) habe sie durch die geöffnete Tür der Nachbarwohnung nicht mehr gesehen.

Die Nachbarin kippte die Eimer auf eine brennende Stelle im Flur der Nachbarwohnung, packte eine ihrer Katzen, ihren Hund und verließ mit ihrem Sohn das Brandhaus. Zuvor hatte der 18-jährige Sohn die Feuerwehr gerufen. Dass es im Wohnzimmer lichterloh brannte, bemerkte die Nachbarin nicht - wohl aber den kleineren Brand im Flur, offensichtlich brannte ein gefüllter Wäschekorb. Dass es vermutlich zwei Brandstellen gab, bestätigte gestern ein Brandursachenermittler der Polizei. Der Hauptbrand sei im Wohnzimmer nahe der Couch ausgegangen - in Brand geriet ein Stoß Wäsche über einem Schaukelstuhl. Ein technischer Defekt als Ursache wird ausgeschlossen.

Nicht festlegen wollte sich der Brandexperte, ob das Feuer fahrlässig oder vorsätzlich gelegt wurde. Auch auf welche Art das Feuer entfacht wurde, könne man nicht mehr sagen. Brandbeschleuniger wurde offenbar nicht eingesetzt. Die schlechtesten Karten, dem Feuer zu entkommen, hatten von Anfang an Stefanie (22/starb im Feuer) und ihr Freund Leon (25/schwer verletzt). Sie schliefen in dem nur über eine Holztreppe erreichbaren Zimmer der Maisonettewohnung.

Eine Flucht über die Holztreppe sei zum Zeitpunkt des Feuers nicht mehr möglich gewesen - auch das Dachfenster fiel laut Brandermittler als Fluchtweg aus. Morgen wird ein weiterer junger Mann als Zeuge gehört. Interessant dabei: Es ist derjenige, den die Ermittler verdächtigten, einige Tage vorher den Brand in der nahen Trockentalstraße gelegt zu haben. Der Mann wurde wieder freigelassen. Er soll zum Bekanntenkreis der Bewohner in der Dürerstraße gehören.