Botschafter des Vogtlands

Geschafft- im doppelten Sinne: Mika Grünler hat seine Deutschland-Radtour nach rund 4800 Kilometer beendet. Er hat vieles erlebt: "57 Städte, tolle Menschen - und meine Grenzen."

Plauen - Hamburg vor Köln und Nürnberg haben ihm am besten gefallen. Warum Hamburg? "Wegen der Größe, wegen der Elbe und der Freizeitmöglichkeiten. Ich habe das Miniaturwunderland gesehen, eine Führung bei Airbus erlebt und einen Radausflug gemacht durchs Alte Land mit den Obstplantagen", berichtet der 21-jährige Plauener.
Nach dem Abitur im vergangenen Jahr hatte er damals Anfang Juli seine Deutschlandradtour begonnen. Eigentlich wollte er 400 Tage unterwegs sein und 5800 Kilometer schaffen - doch wegen Corona war Ende Oktober Schluss nach knapp 2300 Kilometern. "Dieses Jahr habe ich von Anfang Juni bis Mitte September gut 2500 Kilometer geschafft." Er fuhr durch Industriegebiet und Landwirtschaftsregionen, sah Berge, Seen und das Meer.
Während Grünler 2020 meist im Süden Deutschlands radelte, bereiste er diesmal mehr den Norden. "Im Schnitt habe ich täglich 60 bis 80 Kilometer geschafft. Spitze waren die 191 Kilometer in 15 Stunden von Passau nach München. Aber ich habe auch Pausen eingelegt: Es war ja mein Ziel, die Städte kennenzulernen - ihre Menschen, ihre Kultur, ihre Geschichte", berichtet der junge Mann.
So macht er Station in Plauens Partnerstadt Siegen. "Oberbürgermeister Steffen Mues hat mich empfangen - zufällig am Tag der Plauener OB-Wahl. Die Pressestelle des Plauener Rathauses hatte organisatorisch geholfen."
Grünler übernachtet in Jugendherbergen und Hostels, nutzt Couch-Surfing (private Angebote übers Internet) und schläft im Zelt. Ihn fasziniert das Ruhrgebiet ("überraschend grün") mit den ineinander übergehenden Metropolen und der reichen Industriekultur, den vielen Menschen auf kleiner Fläche und ihrer direkten Art. Und er ist begeistert von dem im Bau befindlichen Ruhr-Rad-Schnellweg, einer "Autobahn für Radler" - von Duisburg nach Dortmund.
In Wuppertal staunt Grünler über Fotos indigener Völker in einem Gasometer - auf der größten Leinwand Europas. Und in Aachen lernt er die politisch aktiven Bewohner einer WG kennen, die sich für "Foodsharing" (Englisch für Essen-Teilen) engagieren, einer Aktion gegen die Vernichtung von Lebensmitteln.
Immer wieder freut sich der Vogtländer über tolle, hilfsbereite Menschen, denen er begegnet. "In Osnabrück habe ich bei einem Mann übernachtet, der sein Arbeitsleben in der Wind- und Solarkraftbranche zugebracht hat, der als Imker tätig ist und als professioneller Weihnachtsmann."
Voll mit Erlebnissen hat Mika Grünler mittlerweile ein Studium des Verkehrsingenieurwesens an der TU Dresden aufgenommen.
Hat er schon Pläne für die nächsten Radtouren? "Ich würde gern den kompletten Elberadweg fahren, über die Alpen nach Italien wäre was und auch Skandinavien würde mich reizen." ufa