Borkenkäfer fressen den Wald auf

Alarmstufe Rot im Wald: Die Borkenkäfer greifen gesunde Fichten an. Die Invasion war noch nie so hoch wie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1946. Revierförster müssen handeln.

Von Sybille Güntzel-Lingner

Beerheide Unser Wald ist in Gefahr. Deutschland- und europaweit. Auch im Vogtland. "Eine Auswirkung des Klimawandels", sagt Revierförster Dirk Schönfelder. Er ist zuständig für das1480 Hektar große Waldgebiet von Auerbach bis Muldenhammer. Derzeit kämpft er mit seinen Forstgehilfen gegen den Borkenkäfer an, der in seinem Waldgebiet ganze Arbeit leistet.
"Der warme Sommer im Vorjahr, Schnee- und Sturmbruch und jetzt die erneute Trockenheit leisten dem extremen Ausbreiten des Schädlings Vorschub. Die Population reicht über drei Generationen. Ein Weibchen legt an die 100.000 Eier", verdeutlicht Schönfelder das Ausmaß des Befalls. Während seiner Dienstzeit sei ihm solch ein Szenario noch nicht vorgekommen. 1948 soll der Birkenkäfer im Harz ähnlich gewütet haben, sagt er. Überall im Revier ragen abgestorbene Fichten heraus, Bäume sind wie Streichhölzer umgeknickt, Bruchholz liegt am Boden. "Das muss alles so schnell wie möglich raus, damit sich der Käfer nicht noch weiter ausbreitet. Wir arbeiten täglich nach Kräften daran. Aber es ist ein Kampf gegen Windmühlen" so der Förster. Unter anderem, weil der Forst nicht über genügend Technik und Personal verfügt, um diese Unmengen von Holz zu bearbeiten. Andere Reviere müssen auch bedacht werden. Maschinen wurden bereits angemietet und Arbeitskräfte angeheuert. Es kommt viel Holz auf den Markt und die Kunden kommen mit dem Abholen nicht nach. Bisher wurden 9000 Festmeter Schadholz geschlagen. Das Holz stapelt sich im Wald und der Borkenkäfer kann erneut angreifen. Um das zu verhindern, zwischenlagert Schönfelder jetzt die Ernte auf einem freien Platz in Wolfgangsmaßen. Die Aufarbeitung kostet richtig viel Geld. Die Einnahmen sind um 60 Prozent gesunken. Täglich ist Schönfelder an die 17 Kilometer in seinem Revier unterwegs, um neu befallene Bäume aufzuspüren und fürs Schlagen zu markieren. Gift setzt er nicht ein, weil sein Revier im Hochwasserschutzgebiet liegt. Aber die entstandenen Kahlschläge bieten dem Käfer neuen Angriff. Da hilft nur der Waldumbau. Statt der Fichte als Monokultur wächst langsam ein Mischwald aus Tannen, Rotbuchen, Eichen, Linden, Lärchen, Douglasien und Bergahorn heran. "Die Fichte wird es nicht überleben", ist sich Schönfelder sicher. Etwa 800 Hektar hat er schon verjüngt. Die heranwachsenden Bäume wirken im schadhaften Wald wie grüne Oasen. Weil diese Baumarten widerstandsfähiger sind, bleiben sie von Schädlingen verschont. "Das ist für uns eine Mammutaufgabe. Da ist auch die Politik gefragt. Ohne Förderung geht das nicht", weiß der Revierförster. Denn der Wald sei für die Menschheit, die Flora und Fauna lebenswichtig. Er liefere saubere Luft, einen geregelten Wasserhaushalt und habe Erholungswert. Seine Bedeutung werde mit Blick auf das CO2 Problem zunehmen, ist er überzeugt. Waldwege will er trotz des verstärkten Technikeinsatzes im Revier nicht sperren. Touristen rät er, die Arbeitsstellen zu umgehen. Außerdem verweist er darauf dass im Wald Rauch- und Feuerverbot besteht. Zuwiderhandlungen werden mit hohen Strafen geahndet. Die derzeitige Trockenheit erhöht die Waldbrandgefahr. Kürzlich musste die Feuerwehr zum Vogtlandsee ausrücken, weil dort jemand gefackelt hatte.
Dirk Schönfelder ist seit 1998 beim Sachsenforst beschäftigt. Sein Revier betreut er seit 2001. Er ist Ausbilder für Forstamtanwärter und unterhält im Team mit seinen beiden Hannoverschen Schweißhunden und einem Jagdterrier eine Nachsuchenstation für angeschossene und verwundete Tiere. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Rautenkranz. Wenn er von seiner Arbeit einmal loslassen kann, nimmt er sich ein paar Tage Urlaub. Er schaut sich in Mecklenburg die Kiefern und in Bayern die Fichten an. Der Wald ist das Tun und Handeln des 44-Jährigen