Böller als Wildschweinschreck

Silvesterböller als Wildschweinschreck. Die kommen jetzt zum Einsatz, um die zarte Saat in den Kuranlagen von Bad Elster vor den wüst ackernden Wildschweinen zu schützen.

Von Marlies Dähn

Bad Elster - Längst sind sie in Bad Elster zu einer echten Plage geworden, die Wildschweine. Parks und Gärten ziehen sie geradezu magisch an. Und selbst die Wohngebiete haben die Schwarzkittel bereits erobert. Videoaufnahmen im Netz zeigen auch in Bad Elster, wie ganze Rotten sogar tagsüber durch den Kurort ziehen und massive Schäden hinterlassen. Ein ansonsten sorgsam gepflegter Garten verwandelt sich nach dem Besuch einer Wildschwein-Rotte nicht selten in ein Schlachtfeld. Grund genug, alles zu tun, um die Tiere fernzuhalten.
In Bad Elster schreitet man jetzt zur Tat und greift dabei zu ungewöhnlichen Mitteln, wie dazu die Stadtverwaltung und die Sächsische Staatsbäder GmbH erklären. Um die frisch aufgebrachte Anspritzbegrünung im Kurpark und im Albertpark sowie im Bereich der Kunst Waldehalle vor Übergriffen durch Wildschweine zu schützen, ist ab Donnerstag geplant, sich nähernde Wildschweine mit einem Böllerknall zu verjagen. Hierzu habe man sich entsprechendes Material von einem Pyrotechniker besorgt. Die neue Rasensaat soll so eine Chance bekommen. 
 Nach Rücksprache mit der Gartenbaumeisterin, Elke Sternitzky, werden sich Mitarbeiter der Sächsische Staatsbäder GmbH demnach zunächst gut eine Woche lang in den Abendstunden, 20 Uhr bis 24 Uhr und in den frühen Morgenstunden von 4 Uhr bis 7 Uhr, auf die Lauer legen und bei Bedarf einen Böller zünden. Die Sächsische Staatsbäder GmbH will diese Maßnahme bis in die kommende Woche fortsetzen. Von Seiten der Stadt Bad Elster wurde die nötige Genehmigung erteilt. Man sei sich bewusst, dass damit in die nächtliche Ruhe von Einwohnern und Gästen eingegriffen werde, bitte jedoch um Verständnis für dieses ungewöhnliche Vorgehen, heißt es aus der Stadtverwaltung. 
Nicht nur im Kurort sind Wildschweine eine Plage. Sie breiten sich in ganz Deutschland aus. Wissenschaftler der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) haben deshalb jüngst einen "Wildschweinschreck" entwickelt, der mit Alarm- und Warnrufen das Schwarzwild vertreiben soll. Das Gerät besteht aus zwei batteriebetriebenen Lautsprechern, die über eine Steuerungsbox Lautkombinationen abspielen - zufällig und in unterschiedlich langen Zeitintervallen. Ein integrierter Lichtsensor schaltet das Gerät bei Sonnenuntergang ein und bei Sonnenaufgang aus. Der Wildschweinschreck hat allerdings auch Nachteile und ist damit leider nicht für jeden Standort geeignet. Denn die Geräusche des Wildschweinschrecks können die nächtlichen Immissionswerte von 55 Dezibel überschreiten. Erst bei einer Distanz von 1 500 Metern seien keine Geräusche mehr messbar. Damit dürfte das Gerät mit seinen akustischen Warnrufen für den Kurort untauglich sein. 
Weil Wildschweine auch für japanische Reisbauern eine Plage sind, hat die Uni Tokio aktuell einen Wolfs-Roboter entwickelt, der aus LED-Augen leuchtet, knurrt, auf Metallstelzen steht und den Kopf schwenken kann. Damit sich Wildschweine nicht dran gewöhnen, kann das Knurren variieren. . .