Böhmische Müllanlagen bedrohen auch das Vogtland

Hof/Klingenthal - Tschechien will offenbar zwei neue Müllverbrennungs-Anlagen in Grenznähe bauen. Klimaforscher warnt vor Folgen.

Tschechien macht ernst: Erst kürzlich hatte die Nachricht vom geplanten Bau einer Müllverbrennungsanlage im tschechischen Cheb (Eger) die Bevölkerung diesseits der Grenze verunsichert. Betreiber wäre der deutsch-tschechische Energieversorger Terea (wir berichteten). Nun liegen handfeste Informationen vor, dass ein weiterer Energieversorger offenbar eine zweite Müllverbrennungsanlage in Grenznähe plant. "Sie soll in Vresová bei Chodov, im Kreis Sokolov entstehen", erklärte der frühere tschechische Umweltminister Martin Bursik bei einer länderübergreifenden Regionalkonferenz der Grünen in Krlovy Vary (Karlsbad).

"Die Kapazität der geplanten Müllverbrennungen im Bezirk Karlsbad liegt deutlich über der tatsächlich zu verbrennenden Müllmenge", kritisierte Bursik das Vorhaben. Hier sei die "Deponie- und Abfall-Lobby am Werk". Der Bayreuther Klimaforscher Professor Dr. Thomas Foken befürchtet schädliche Auswirkungen auf weite Teile Oberfrankens des Vogtlands sowie das böhmische Bäderdreieck Karlsbad, Franzensbad und Marienbad, sollten die Anlagen tatsächlich an den vorgesehenen Standorten entstehen.

"Der Raum Sokolov mit seiner Tallage zwischen Erzgebirge/Vogtland und Kaiserwald ist für den Bau einer Müllverbrennungsanlage ebenso wenig geeignet wie das Egertal", erklärte der Klimaforscher unserer Zeitung. Besonders im Winter sammelten sich bei Inversionswetterlagen Schadstoffe in den Tälern. "Der Böhmische Wind trägt diese Stoffe in sehr hoher Konzentration ins Vogtland und Fichtelgebirge." va