Boden des ehemaligen Gaswerkes wird abtransportiert

Plauen - Es dauert nur wenige Minuten bis die Nase den Teergeruch wahrnimmt. Unsichtbar schwebt er über dem Areal und ob er sich bei entsprechendem Wind nicht auch entlang der Hammerstraße verbreitet, bleibt abzuwarten. Seit gestern werden die ersten Tonnen Schadstoff belasteten Erdreichs vom Gelände des ehemaligen Gaswerkes Plauen abtransportiert. 25 Tonnen täglich werden es von nun an sein, 15 Fahrzeuge werden dafür auf Achse sein. Mit der Durchführung der Altlastensanierung wurde ein darauf spezialisiertes Unternehmen beauftragt - das Ingenieurbüro Arcadis Consult aus Freiberg. Schwarz-weiß-Sicherheitszone Sicher auch, um die Bevölkerung von Anfang an über die Arbeiten auf dem Laufenden zu halten, erhielten die Medien gestern Gelegenheit, sich das Geschehen aus nächster Nähe anzuschauen. Die meisten erfahren erstmals vom sogenannten schwarz-weiß-Bereich. Einem Container, in dem die Baggerfahrer und andere Kollegen später ihre Schutzanzüge an- beziehungsweise ablegen und duschen werden, wenn sie in die Bereiche der komplett verseuchten Erde gelangen. Der schwarze Bereich ist für Außenstehende tabu. Klingt alles irgendwie gefährlich, sei es aufgrund der umfasenden Sicherheitsvorkehrungen aber nicht, informiert die verantwortliche Gebäudemanagerin der enviaM, Inka Schäfer. Von 1912 bis 1976 produzierte das ehemalige Gaswerk Plauen. Als es abgerissen und in den Folgejahren an seiner Stelle das heutige Heizwerk der Wärmeversorgung Plauen errichtet wurde, waren längst Schadstoffe in den Boden und das Grundwasser gelangt. Genaue Kenntnisse über das Ausmaß der Belastung lagen nach Erkundungen Anfang der 90er Jahre vor. Seit 1997 wird das Grundwasser mit Pumpen gereinigt und von Schadstoffen befreit. Eine allerdings uneffektive Methode, wie sich herausstellte, die noch mindestens 25 Jahre angewendet werden müste, gäbe es inzwischen nicht modernere Verfahren. Nun wird der belastete Boden abgetragen und fachgerecht entsorgt. Mit 10 000 zu entsorgenden Tonnen rechnet Inka Schäfer bis zum Ende der Maßnahme spätestens im Februar nächsten Jahres. Um den sogenannten Verbau - die Wiederauffüllung mit Erdmassen vorzubereiten, baggert man derzeit in vier Metern Tiefe. Die Sanierung selbst erfordert eine Freilegung des Areals bis aufs Festgestein - das sind sechs Meter Tiefe. Da ein Teil der Erdmassen unverseucht ist, kann der auch zur Wiederauffüllung verwendet werden, der Hauptteil kommt aus verschiedenen Kiesgruben. Gaswerkstypische Rückstände Natürlich habe man alte Pläne ausgewertet, doch worauf man genau stoße, wisse man nicht immer, erklärt Dr. Goldbach vom Freiberger Hauptauftragnehmer. In aller Regel handele es sich um gaswerkstypische Rückstände, organische Kohlenwasserstoffe, die auch den Teergeruch erklären. Das kontaminierte Erdreich wird in speziellen Entsorgungsanlagen mikrobiologisch abgebaut - unter anderen in Seelingstädt und Hirschfeld. Auch dafür brauchts wiederum entsprechende Genehmigungen. Für die Reinigung der Transporter-Reifen wurde eigens eine Waschanlage installiert. Bei entsprechendem Wetter wäre die Gefahr zu groß, dass verseuchtes Erdreich auf die Zufahrtsstraßen gelangt. Eine Windmessungsanlage informiert über Windrichtung und -geschwindigkeit. Auch dies eine Vorsichtsmaßnahme. Die extrem strengen Sicherheitsmaßnahmen greifen allerdings erst, wenn man sich tiefer in den Boden gebaggert hat. Dann werden die Kollegen Atemschutzmasken tragen und die Fahrzeuge selbst mit Filter ausgerüstet werden. Ist die Maßnahme, die immerhin vier Millionen Euro beansprucht, abgeschlossen, werden bis 2012 weitere Messungen vorgenommen. Eine spezielle Herausforderung stellt übrigens der Boden unter dem alten Schornstein dar, der nicht gesprengt werden kann. Hier kommt ein modernes holländisches Verfahren zum Einsatz - chemische und biologische Mittel werden in den Untergrund eingebracht und sollen "Entwarnung" bringen. Undank der Welt Lohn?