Bock auf Blaulicht

Der Bau des Kompetenzzentrums für Brand- und Katastrophenschutz kann beginnen - in Eich bei Treuen. Das 10-Millionen-Projekt ist kein Kinderspiel, obwohl viele Dinge für Kinder geplant sind.

Treuen/Eich -  "Die Fläche beim Impfzentrum ist gekauft, erste Ausschreibungen sind gelaufen, die Erschließung startet im Mai", sagt Kreisbrandmeister Gerd Pürzel. Nach seinen Worten entsteht bis Anfang 2023 für 9,7 Millionen Euro ein Objekt auf zwei Hektar, das alle vogtländischen Feuerwehren nutzen (können).
Das Kompetenzzentrum besteht aus drei Teilen:
• Feuerwehrtechnisches Zentrum mit Werkstätten, Fahrzeug- und Waschhalle. "In den Werkstätten wird Spezialtechnik gewartet und überprüft, beim Atemschutz etwa werden regelmäßig Membranen und Filter gewechselt", erklärt Pürzel.
• Katastrophenschutzlager, in dem Dinge lagern wie Sandsäcke, Feldbetten und Zelte, Hygieneartikel.
• Feuerbildungszentrum mit Verwaltung, Schulungsräumen und Außengelände samt Schlauchturm. "Der Unterricht erfolgt auf modernste Art, mit digitalen Tafeln. Hier bekommen die Feuerwehrleute laut Pürzel Basiswissen in Theorie und Praxis. Auch Rüstzeug für Funker und Atemschutzgeräteträger wird vermittelt." Das Freigelände biete Möglichkeiten, um allerlei zu üben: Bergen verunglückter Autos, Einsatz bei Unfällen auf Baustellen, Löschen von brennenden Häusern.
Ein Anbau am Bildungszentrum liegt Pürzel besonders am Herzen: Feuerwehr zum Anfassen im "Flo-Biz", dem Bildungszentrum für junge Floriansjünger. "Hier wollen wir die Jugend für den Dienst in der Feuerwehr begeistern."
Pürzel spricht von "Brandschutz-Früherziehung" und wünscht sich, dass Schulklassen Wandertage nach Eich unternehmen, dass Aktionstage stattfinden - mit Kindergarten- und Ferienkindern. "Anhand von Streichhölzern und Bügeleisen zeigen wir, dass nützliches Feuer schnell zur Gefahr werden kann. Die Kinder sollen selbst ausprobieren, anfassen, Erfahrung sammeln - immer unter Aufsicht."
Pürzel und seine Leute wollen richtiges Verhalten im Brandfall vermitteln. Was mache ich, wenn der Ofen raucht? Wie wählt man den Notruf? Welche Informationen sind wichtig? "Wir denken an eine kleine Leitstelle, damit die Kinder sehen, wer die Anrufe entgegennimmt und was dann passiert. Wir zeigen auch, wie ein Zimmer nach dem Brand aussieht."
Viele der Ideen haben sich die Planer Pürzel zufolge von den Feuerwehrkollegen in Karlsbad abgeschaut. "Mit denen haben wir ein gutes Verhältnis - und die haben uns auf der Strecke eine Menge voraus."
Wie Pürzel hofft, soll das neue Zentrum die Zusammenarbeit aller "Blaulichter" befördern - Feuerwehr, Rettungsdienst, DRK, THW… "Ich träume von Tagen (der offenen Tür), auf denen sich alle vorstellen: Werbung für eine Blaulicht-Organisation ist Werbung für alle." ufa

Hintergrund:

Die Kreisverwaltung ist Rechtsaufsicht aller 37 Kommunen im Vogtlandkreis, in dem es 37 Gemeindefeuerwehren gibt und insgesamt 159 Ortsfeuerwehren. 3608 aktive Feuerwehrmänner und -frauen tun Dienst, 904 Mitglieder zählen die Jugendwehren und etwa 1000 die Alters- und Ehrenabteilungen. Kreisbrandmeister Pürzel und die anderen Mitarbeiter des Feuerwehrwesens im Landratsamt unterstützen und beraten die vogtländischen Feuerwehren. Laut Pürzel wird das neue Ausbildungs- und Kompetenzzentrum die Arbeit der vogtländischen Feuerwehren die nächsten 25 Jahre prägen. "Sicher wird das Zentrum auch interessant für Feuerwehren außerhalb der Kreisgrenzen." Das bisherige Kompetenzzentrum in Rodewisch war 1996 in Betrieb gegangen; der Barackenbau ist nach Pürzels Aussage verschlissen. ufa