Bluthunde-Staffel probt in Plauen Ernstfall

Plauen - "Der Mantrailer ist ein Hilfsmittel, keine Wunderwaffe. Das ist wichtig den Menschen auch so zu vermitteln", sagt Armin Schweda, "Hund mit Mensch"-Trainer aus Regnitzlosau. Seit 1992 betreibt er Rettungshundearbeit beim Bayerischen Roten Kreuz und ist Leiter der Rettungshundestaffel Kreisverband Hof.

In zahlreichen In- und Auslandsmissionen war er sowohl als Einsatzteam mit seinen Hunden, wie auch als Baufachberater eingesetzt. Denn die Arbeit mit Hund betreibt der eigentliche Bauingenieur ehrenamtlich. Als Projektleiter und Hundeführer des BRK Pilotprojekts ,,Personensuche mit dem Bloodhound" befasst er sich seit 2005 intensiv mit dem Thema Mantrailing und ist mit seinem sieben Jahre alten Hund JoJo seit 2006 als offizielles Team dabei.

Ein mal im Jahr findet über mehrere Tage ein Intensivseminar mit amerikanischen Instruktoren statt. Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit. Am Samstag stand Plauen auf dem Plan. Der Altmarkt gefüllt mit Fahrzeugen, Polizisten und immer wieder in Bellen gehüllt erregte die Aufmerksamkeit der Passanten. "Durch die gute und intensive Zusammenarbeit mit dem Team und der Polizei Südwestsachen reicht unser Einsatzgebiet von Zwickau bis Bamberg", so Schweda. Ein Kooperationsvertrag für die nächsten drei Jahre wurde gerade unterzeichnet.

Der Begriff Mantrailing stammt aus dem Amerikanischen und wird einer bestimmten Sucharbeit mit dem Hund zugeordnet. Verfolgt wird die individuelle Geruchsspur eines bestimmten Menschen. Wie dieser nachgegangen wird, steht dem Vierbeiner frei. Er kann nahe oder direkt auf der Fußspur, aber auch mehrere hundert Meter davon entfernt arbeiten. Abhängig von der Wetterlage, Umwelteinflüssen, dem Gelände und der Spürnase selbst, kann diese Spur nach Tagen, in Extremfällen sogar Wochen, gefunden werden. Durch das gezielte Suchen nach einer Person, einem Geruch, wird dies erleichtert. Der Individualgeruch ist der Restgeruch, den jede Person ausscheidet, nicht zu verwechseln mit dem Körpergeruch, der abgewaschen oder verdeckt werden kann. Um beispielweise eine vermisste Person anhand von Ausatemluft, Sonnenbrille, Kleidungsstück oder einem Zigarettenstummel zu finden, werden Hunde speziell ausgebildet.

Grundsätzlich kann jede Rasse für die Arbeit eingesetzt werden, jedoch sind die Leistungsgrenzen sehr unterschiedlich. Neben der "Nasenveranlagung", einer dauerhaften Konzentrationsfähigkeit und der entsprechenden Lauffreude bringen Bloodhounds, auch Hubertushund genannt, all diese Fähigkeiten mit. Mittlerweile gelten sie als absolute Spezialisten im Bereich Mantrailing, da sie in ihrer eigenen Geruchswelt leben und völlig abschalten können.

Die Nase vorn in der Region haben die beiden Brüder Hippie und Hidalgo. Neben sechs weiteren Polizeihunden gehörten sie zu den 20 Kursteilnehmern am Wochenende und durften ihr Können unter Beweis stellen. An einer Weste nahm der acht Monate junge Hippie mit Partner Jörg Kempe die Verfolgung auf. Bereits beim Anlegen des Geschirrs wissen die Hunde "jetzt geht es los". Schnuppern, Nase in die Luft recken und los ging es mit wehenden Ohren über den Asphalt.

Noch etwas schwerer hatte es Jojo. Die Ausatemluft des Gesuchten vor der Nase, führte sein Weg in die Stadt Galerie. Für viel Aufsehen sorgte der große Hund, der, völlig fixiert auf den Geruch, sich nicht von den Menschen irritieren ließ. Mit einem kleinen Umweg, dem ihm wohl die Zugluft im Gebäude bescherte, fand er innerhalb weniger Minuten die Zielperson. Mit viel Geschrei und Lob wurden die Hunde bei verrichteter Arbeit belohnt.

Michael Belanger, der jahrelang als Ausbilder an der amerikanischen Polizei-Diensthundeführerschule der Connecticut State Police arbeitete und am Freitag mit vor Ort war, achtet dabei nicht nur auf das Verhalten des Hundes, sondern vielmehr auf den Hundeführer. "Der Hund ist der Chef, der Mensch muss ihn richtig lesen können, die Körpersprache deuten, anhand der Reaktionen die Suche an Stellen wiederholen oder intensivieren." Das weiß auch Edith Blechschmidt, Ausbilderin bei der Rettungshundestaffel Hof. "Welpen werden mit acht bis zwölf Wochen einzeln im Verhalten getestet. Schon da zeigen sich die Wesenszüge. Alles weitere liegt dann am Halter. Wie intensiv ich trainiere. Welche Situationen ich mit dem Hund trainiere, alles spielt eine Rolle. Wichtig ist aber, dass ich eine Verbindung aufbaue. Ihn kenne, seine Reaktionen sehe. Ist er im Geruch, wie wir das nennen. Ist die Nase am Boden oder in die Luft gestreckt, was will er mir sagen oder zeigen damit", erklärt sie.

Hunderte von Menschen konnten so gerettet werden. Auch wenn die Suche mit dem Hund keinen Erfolg garantiert, so ist es jedoch eine Möglichkeit, die dank der Spürnasen manche Odyssee zum glücklichen Ende brachte.  S. Rössel